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Dreispringerin Katja Demut : Positiv, aber nicht zu locker

14,57 Meter: Katja Demut ist nun deutsche Rekordhalterin im Dreisprung Bild: AFP

Katja Demut hält mit 14,57 Metern den deutschen Rekord. Durch intensives Training hat sich die Dreispringerin in den vergangenen beiden Jahren enorm verbessert. Manchmal hapert es noch an der nötigen Selbstsicherheit.

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          "Manchmal ist es komisch", sagt Katja Demut über ihre jüngsten Erfahrungen. "Ich glaube, dass man nicht immer auf seinen Körper hören sollte", sagt sie und widerspricht damit einer gängigen Sportlerregel. Am vergangenen Wochenende war die zierliche Dreispringerin "ziemlich kaputt" vom Diamond League Meeting aus Oslo heimgefahren. Vor dem Springertag in Wesel hatte sie sich "gar nicht so gut gefühlt" und erst kurzfristig entschieden, überhaupt teilzunehmen. Und dann sprang sie mit 14,57 Metern deutschen Rekord. Schon vier Monate zuvor beim Düsseldorfer Hallensportfest hatte sie sich unwohl gefühlt - und landete dann mit deutschem Hallenrekord bei 14,47 Metern.

          Achim Dreis
          (ad), Sport

          "Sie ist sehr sensibel", beschreibt ihr Trainer Michael Höhne das Wesen seiner besten Athletin, "doch manchmal sieht sie zu viel in sich rein." Anlaufgeschwindigkeit, Sprungtechnik und Körperstabilität hat Katja Demut in den vergangenen beiden Jahren dank intensiven Trainings maßgeblich verbessert - woran es manchmal noch hapert, sind positive Gedanken und die nötige Selbstsicherheit. "Ich versuche, Wettkämpfe zu genießen und das Beste herauszuholen", sagt die 27 Jahre alte Jenaerin zu ihren Plänen für die WM-Saison. "Aber zu locker darf ich auch nicht sein, dann wird's nichts."

          „Hop“, „Step“ und „Jump“

          Der Dreisprung ist eine komplizierte Bewegungsfolge, und wenn in diesem fein abgestimmten System ein Parameter nicht stimmt, kommt am Ende keine gute Weite zustande. Der Anlauf muss optimal lang und schnell sein. "9,3 bis 9,4 Meter pro Sekunde sollte sie rennen", sagt Höhne - das Tempo entspricht einer Hundertmeterzeit von unter 11 Sekunden. Dieses Sprinttempo muss dann über drei Etappen in Weite umgesetzt werden: Der erste Schritt, der "Hop", wird möglichst flach überlaufen. Beim Übergang zum "Step" müssen Beine und Hüfte stabil bleiben - der Körper darf nicht durchhängen -, und beim "Jump" geht es schließlich mit Armeinsatz möglichst hoch nach oben und weit nach vorne.

          Demut gilt als sensible Sportlerin: „Manchmal sieht sie zu viel in sich rein”, sagt Trainer Michael Höhne
          Demut gilt als sensible Sportlerin: „Manchmal sieht sie zu viel in sich rein”, sagt Trainer Michael Höhne : Bild: dpa

          Dieser "Triathlon" erfordert neben Sprintgeschwindigkeit vor allem Körperstabilität: Rumpf, Rücken und Bauch trimmt die Sportsoldatin deshalb täglich. Zudem geht sie regelmäßig zur Physiotherapie, um Verspannungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. "Die Feinabstimmung muss passen", nennt das Höhne. Mit Blick auf Muskulatur und Bewegungsapparat kommen der 1,76 Meter großen Springerin ihre Sorgfalt und Sensibilität sehr zugute. Sie hatte seit Jahren keine größere Verletzung.

          Gut für den Kopf

          Der weite Sprung von Wesel war zwar nach übereinstimmender Deutung von Trainer und Sportlerin "technisch noch nicht perfekt", aber gut für die Rekordbücher und vor allem für den Kopf. In Deutschland ist die neunmalige deutsche Meisterin schon seit Jahren unangefochten, bei internationalen Großereignissen war sie dagegen stets gescheitert. Ob bei der Heim-WM 2009 in Berlin, der EM 2010 in Barcelona oder der Hallen-EM im Winter in Paris - immer kam das Aus in der Qualifikation. "Ihr fehlte die Selbstsicherheit, jederzeit einen 14-Meter-Sprung landen zu können", sagt ihr Trainer heute.

          Dieses Selbstbewusstsein hat sie jetzt. Schon bei ihrem ersten Diamond-League-Auftritt in Oslo konnte Katja Demut mit 14,17 Metern in einem Weltklassefeld mithalten, belegte Rang vier. Für das nächste Meeting am 8. Juli in Paris hat sie bereits ihre Meldung abgegeben. "Ob ich dabei bin, entscheidet sich erst eine Woche vorher, aber ich bin zuversichtlich." Sie hat die Reise bereits geplant. Vorher will sie aber noch bei den Team-Europameisterschaften mit zwölf Nationalmannschaften in Stockholm an diesem Wochenende beweisen, dass sie den Sprung in die Elite tatsächlich geschafft hat. In der Weltrangliste rangiert Katja Demut auf Rang acht. Aus Europa haben von den Stockholm-Teilnehmerinnen nur die Ukrainerin Olha Saladuha (14,98) und die Russin Natalja Kutjakowa (14,67) größere Weiten anzubieten. Zehn Punkte, die für Platz drei vergeben werden, könnten für Deutschland also drin sein, doch Katja Demut will erst mal auf Sicherheit gehen: "Wir haben nur drei Sprünge. Da darf man nicht zu viel Risiko eingehen. Ich will auf alle Fälle ein Resultat für die Mannschaft abliefern." Auch Michael Höhne warnt vor zu hohen Erwartungen. "Katja ist nach den jüngsten Wettbewerben auch ziemlich kaputt." Wenn sie das am Samstag auch noch so empfindet, könnte es ja ein guter Wettkampf werden.

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