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Radrennstall Bora-hansgrohe : Drei Häuptlinge sind einer zu viel

Wieviele Anführer verträgt ein Team? Bei Bora-hansgrohe melden Buchmann, Sagan und Ackermann unterschiedliche Ansprüche an. Bild: Picture-Alliance

Buchmann, Sagan, Ackermann: Bora-hansgrohe hat ein Luxusproblem – und muss im Hinblick auf die Tour Prioritäten setzen. Die Tendenz von Teamchef Denk geht zu einem deutschen Star.

          4 Min.

          Nach der Tour de France jetzt das Heimspiel. Die Deutschland Tour ist für das Team Bora-hansgrohe und seinen neuen Star Emanuel Buchmann eine hübsche Gelegenheit, den frischen Ruhm zu pflegen, den Buchmann mit dem vierten Platz von der Frankreich-Rundfahrt mitgebracht hat. Die Deutschland-Tour, die an diesem Donnerstag in Hannover startet, ist mit ihren vier Etappen zwar weiterhin nur ein Testballon für die Akzeptanz von Etappenrennen in Deutschland, aber dennoch prominent besetzt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Neben einem mit sechs deutschen Fahrern besetzten Bora-hansgrohe-Team, darunter Buchmann und der Sprinter Pascal Ackermann, sind Profis am Start, die zu den Topstars der Szene zählen. Geraint Thomas, Julian Alaphilippe, Vincenzo Nibali, Caleb Ewan und Alexander Kristoff vorneweg. Bei Bora-hansgrohe wird Buchmann angesichts der nicht allzu schwierigen Etappenprofile diesmal Helferdienste für Ackermann verrichten, wobei für den Sprinter die Profile wiederum einen Tick zu schwer sein könnten. Ärgerlich für das deutsche Team: Der Profi, dem die Streckenführung auf den Leib geschrieben wäre, fehlt verletzt. Maximilian Schachmann kuriert den Handbruch aus, den er sich bei einem Sturz während der Tour de France zugezogen hat.

          Buchmann braucht mehr Unterstützung

          Während man bei Bora-hansgrohe die Deutschland Tour als Werbeveranstaltung in eigener Sache und für den deutschen Radsport versteht, geht es im Hintergrund um eine andere Frage: Wie soll man sich in der nächsten Saison aufstellen? Mit Buchmann als alleinigem Kapitän? Was ist dann mit dem bisherigen Star des Teams, Peter Sagan, was mit Ackermann, der Sprinterhoffnung? Bora-hansgrohe hat drei Profis, die bei der Tour de France für Furore sorgen können, dafür aber Unterstützung durch Helfer brauchen. Drei Häuptlinge aber sind zu viel in einem Achter-Team bei der Tour de France. Was also tun?

          Buchmanns vierter Platz hat beim deutschen Vorzeigeteam Lust auf mehr gemacht: auf einen Podiumsplatz in Paris. Drei, zwei oder gar eins? Warum nicht? „So groß war der Abstand nicht in diesem Jahr“, sagt Buchmann. 25 Sekunden fehlten ihm auf den Dritten, den Niederländer Steven Kruijswijk, 1:56 Minuten auf Sieger Egan Bernal. Das hört sich nach 3400 Kilometern wie eine Winzigkeit an, doch der Eindruck täuscht. Zwei Minuten sind gegen Topfahrer wie Bernal am Berg nicht mal eben herauszufahren, da zählt jede Sekunde, da zählt vor allem die Fähigkeit, aus einer Spitzengruppe heraus auch in steilstem Gelände noch attackieren zu können. Buchmann war das in diesem Jahr nicht gelungen, der für ihn grandiose vierte Platz war das, was er unter Aufbietung aller Kräfte und Möglichkeiten erreichen konnte.

          Erster unter Gleichen: Bei der Tour de France soll Emanuel Buchmann (Zweiter von links) mehr Unterstützung bekommen.

          Um noch weiter vorn zu landen, wird er bis zum nächsten Jahr an verschiedenen Stellschrauben drehen müssen. Drei sind es vor allem. Erstens: Er braucht in den Bergen (und im Mannschaftszeitfahren) ein stärkeres Team, mehr starke Helfer. Zweitens: Er muss an der Explosivität arbeiten, an Rhythmus- und Tempowechseln im Hochgebirge. Drittens: Er muss sich im Einzelzeitfahren verbessern. Das ist eine lange Liste, aber Buchmann gilt als akribischer, fleißiger Arbeiter, er wird tun, was er kann.

          Was er nicht direkt beeinflussen kann, ist die Zusammensetzung des Teams. Bei der diesjährigen Tour war er in entscheidenden Anstiegen meist auf sich allein gestellt, nur der Österreicher Gregor Mühlberger hielt sich bisweilen an seiner Seite. Das ist zu wenig gegen Mannschaften wie Ineos oder Jumbo-Visma, die auch im Hochgebirge mit drei, vier Mann unterwegs sind. Und die Situation wird für Bora-hansgrohe künftig nicht einfacher. Bei Ineos werden im nächsten Jahr wohl Egan Bernal, Geraint Thomas und Christopher Froome fahren, drei Sieganwärter, unterstützt von bärenstarken Helfern. Und Jumbo-Visma hat gerade mit der Verpflichtung des Tour-Zweiten vom vergangenen Jahr, Tom Dumoulin, aufhorchen lassen.

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