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Zu wenig Körperlichkeit : „E-Sport“ ist kein Sport

Höchstleistungen an der Konsole sind laut Rechtsgutachten des DOSB nicht als Sport zu bezeichnen. Bild: AFP

Weil „jegliches Spiel an der Konsole“ keine großen Anforderungen an den Körper stelle, lehnt ein Rechtsgutachten des DOSB die Anerkennung des sogenannten „E-Sport“ als Sport ab. Der Chef des E-Sportbundes sieht das anders.

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          Das wettbewerbsmäßige Videospiel ist längst ein Millionengeschäft. Allein in Deutschland erzielte die Branche im vergangenen Jahr mehr als 60 Millionen Euro Umsatz. Zehntausende Fans strömen zu den zahlreichen Events in die Arenen, um die Stars der Gamer-Szene live in Aktion zu sehen. Und bei einem Turnier in Schanghai wurden zuletzt insgesamt mehr als dreißig Millionen Dollar an die Teilnehmer ausgeschüttet; mehr als an die gesamte Herren-Konkurrenz bei den gerade gestarteten US Open im Tennis. Als „echter“ Sport ist das von seinen Machern als „E-Sport“ bezeichnete professionelle Gaming allerdings nicht anzuerkennen – jedenfalls nach Ansicht eines vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Auftrag gegebenen Rechtsgutachtens.

          In dem vom Düsseldorfer Juristen Peter Fischer angefertigten 120 Seiten starken Dokument, das der F.A.Z. vorliegt, wird argumentiert, dass der Sportbegriff „durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert“ sei. Jegliches Spiel an der Konsole falle nicht darunter, sei daher „kein Sport im Sinne des geltenden Rechts“ und verwirke damit auch jeden Anspruch auf Gemeinnützigkeit und steuerliche Vorteile. Die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Das Gutachten bestätigt (. . .) unsere konsequente Ablehnung zur Aufnahme von E-Sport in den organisierten Sport“. Zwar unterscheidet man beim DOSB seit dem vergangenen Jahr zwischen virtuellen Sport-Simulationen wie den Fußball- und Basketballspielen „Fifa“ und „NBA“, die „echten“ Sport real abbildeten und Vereinen Potential zur Weiterentwicklung böten, sowie den vom Verband als „E-Gaming“ bezeichneten sportfernen Spielen wie „Counter Strike“, „League of Legends“ oder „Dota“, die bei Fans und Sponsoren auf der ganzen Welt allerdings am beliebtesten sind. Insgesamt vertrete der Verband aber die Auffassung, jegliche Art von Gaming eher als Unterhaltung denn als Sport zu bezeichnen.

          Der Streit um die Frage, inwieweit „E-Sport“ auch tatsächlich als Sport zu bezeichnen ist, tobt unterdessen bereits seit mehreren Jahren. In höchsten sportpolitischen Gremien ist er aktueller denn je, seit die Bundesregierung im Frühjahr 2018 die Förderung des „E-Sport“ in ihren vorläufigen Koalitionsvertrag geschrieben und darin von der „Schaffung einer olympischen Perspektive“ gesprochen hatte. Seit wenigen Monaten verweisen Union und SPD in dieser Frage allerdings auf die Autonomie der Sportverbände und überlassen das politische Engagement den Landesregierungen. So fördert Schleswig-Holstein das sportliche Zocken in diesem Jahr mit insgesamt 500.000 Euro.

          In einer Stellungnahme erklärte der Präsident des Deutschen E-Sportbundes, Hans Jagnow, zu dem Gutachten und der darin enthaltenden Absage an die Unterscheidung des DOSB: „Das ist das Ende von E-Gaming als realitätsfremde Wortschöpfung zur Spaltung der E-Sport-Bewegung.“ Jagnow hält es zudem nicht für tragbar, an den „E-Sport“ neue Maßstäbe anzulegen: „Viele vom DOSB anerkannte Sportarten wie Sportschießen, Tischfußball oder Darts definieren sich über die Präzision, nicht den Umfang“. Der DOSB müsse sich jetzt entscheiden, ob er „E-Sport“ zusammen mit dem organisierten Sport gestalten oder „den Anschluss an eine zunehmend digitalisierte Gesellschaft“ verpassen wolle, so Jagnow.

          Klar ist indes, dass die ausbleibende Anerkennung des Gamings vor allem Breitensportvereine treffen wird, die sich seit geraumer Zeit mithilfe von „E-Sport“-Angeboten um neue Mitglieder bemühen und auf Fördergelder gehofft hatten. Große Gaming-Konzerne wie den weltgrößten „E-Sport“-Event-Organisator ESL aber auch Unternehmen und große Sportklubs, die zuletzt vom Boom des virtuellen Zockens profitiert haben, wird das DOSB-Gutachten dagegen nicht tangieren. Sie werden auch in den kommenden Jahren mit dem „E-Sport“ viel Geld machen können.

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