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Dortmunder Schachtage : Silberhochzeit mit Kramnik

  • -Aktualisiert am

Wenn nur die Katastrophentage nicht wären: Dortmunds Schachliebling Kramnik. Bild: SvenSimon

Wladimir Kramnik startete einst seine Karriere in Dortmund. Zwischen 1995 und 2001 holte er dort sechs der sieben Titel - und profitierte von sicheren Einladungen. Doch die Treue zum Russen hat auf die Qualität des Turniers geschlagen.

          Unglücklicher hätte das – ihm gewidmete – Sparkassen Chess Meeting für Wladimir Kramnik nicht beginnen können. So peinlich hat der Russe bei den Dortmunder Schachtagen in 25 Jahren noch nicht verloren. Der frühere Weltmeister hatte es mit Wladimir Fedosejew zu tun, der erst vor wenigen Wochen im russischen Nationalteam debütiert hatte. Zunächst konnte sich Kramnik nicht entschließen, ein Bauernopfer seines jungen Landsmanns anzunehmen. Dann zettelte er Verwicklungen an, weigerte sich allerdings nach einem geschickten Verteidigungszug Fedosejews einzugestehen, dass nicht mehr als ein Remis drin war.

          Übermütig opferte Kramnik einen Läufer. Offensichtlich glaubte er immer noch an einen brillanten Angriffssieg als würdigen Auftakt seines Turniers. Nur fünf Züge später war der Angriff allerdings schon vorbei. Ein Rechenfehler soll schuld gewesen sein.

          Verpufft ist nicht nur Kramniks Offensive. Auch seine Chance, Magnus Carlsen von der Spitze der Weltrangliste zu verdrängen, ist erst einmal dahin. Vorigen Monat im norwegischen Stavanger hat er den schwächelnden Weltmeister sehenswert geschlagen. Hätte Kramnik nicht in praktisch jedem Turnier selbst einen Katastrophentag wie am Samstag gegen Fedosejew oder kürzlich in Stavanger gegen Lewon Aronjan, könnte er schon die Nummer eins sein. Eine hohe Elo-Zahl ist derzeit so wertvoll wie selten, kann sie doch die Qualifikation für das WM-Kandidatenturnier im kommenden März sichern.

          Langer Schlacks mit Vorliebe für bunte Hemden

          Ansonsten läuft es in letzter Zeit richtig gut für Kramnik, der mit seiner Frau, einer französischen Journalistin, und zwei Kindern zurückgezogen in Genf lebt. Wenn der 42-Jährige mal wieder vom nahen Ende seiner Profikarriere spricht, lächeln seine Kollegen ungläubig. Als er 1992 das erste Mal in Dortmund spielte, nicht im Weltklassefeld, sondern in einem Nebenturnier, kannten nur Insider seinen Namen. Garri Kasparow fragte damals einen deutschen Freund, ob er seinen Nachfolger sehen wolle. Dann führte ihn der damalige Weltmeister ins Untergeschoss und deutete auf einen 16 Jahre alten Schlacks mit etwas zu langen schwarzen Locken und einer Vorliebe für etwas zu bunte Hemden.

          Kramnik belegte damals im parallel zum Hauptturnier ausgetragenen Open den geteilten ersten Platz. Kasparow drückte durch, dass der Junge bei nächster Gelegenheit in die russische Auswahl durfte. Vor seinem WM-Kampf 1995 gegen Viswanathan Anand holte er ihn als Sekundanten und Trainingspartner in sein Team. Einen Narren an Kramnik fraßen auch die Veranstalter in Dortmund, die ihn jedes Jahr wieder einluden. Er gewann das damals einzige bedeutende deutsche Turnier zwischen 1995 und 2001 bei sechs von sieben Ausrichtungen.

          Fixpunkt in Dortmund – auch dank des Managers

          Zwischendurch gewährte Kasparow ihm einen WM-Kampf. Kramnik ließ sich auch diese Chance nicht entgehen. Statt seinem Förderer, der weiter die Weltrangliste anführte und ein Spitzenturnier nach dem anderen gewann, eine Revanche zu bieten, bestand er allerdings darauf, den eroberten Titel nur gegen einen ordentlich qualifizierten Herausforderer aufs Spiel zu setzen. Realisieren ließ sich das nur dank Dortmunder Schützenhilfe.

          2002 fand anstelle eines Einladungsturniers eine WM-Qualifikation statt. Es blieb seit 1994 das einzige Mal, dass Kramnik nicht selbst teilnahm. Ein anderer Liebling der Veranstalter, der Ungar Peter Lékó, setzte sich durch. Der frühere Pressesprecher des Turniers Carsten Hensel managte beide. Sie blieben Fixpunkte in der Einladungspolitik: Lékó, bis er in der Weltrangliste zu weit nach unten sackte, Kramnik bis heute.

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          Wenn die Veranstalter nach 25 gemeinsamen Jahren mit ihrem Lieblingsspieler „Silberhochzeit“ feiern, darf der zehnmalige Schachtage-Sieger auf eine für ihn förderliche Vernunftehe zurückblicken. So wurden in Dortmund auch jene Kontakte geknüpft, die 2008 zu seinem WM-Kampf gegen Anand in Bonn führten. Weniger ertragreich gestaltete sich die Verbindung für die Stadt und ihre Sponsoren. Der internationale Stellenwert des Schachfestivals hat unter dem Beigeschmack „Kramnik und Freunde“ gelitten. Wesselin Topalow sah man zuletzt 2005, bevor sich Kramnik mit dem Bulgaren verkrachte. Kasparow ließ sich nach 1992 nie wieder blicken.

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