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Dortmunder Schachtage : Befriedete Europameister

  • -Aktualisiert am

Aufsteiger der Schachszene: Auch Fabiano Caruana spielt in Dortmund Bild: SvenSimon

In Deutschland gab es zuletzt immer wieder Streit zwischen Verband und Spitzenspielern. Nun herrscht Frieden - und vier Deutsche messen sich bei den Dortmunder Schachtagen mit der Weltspitze.

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          Als die Dortmunder Schachtage zum zwanzigsten Mal stattfanden, spielte Garri Kasparow mit. Während der dreißigsten Auflage wurde der WM-Herausforderer ermittelt. Auch beim vierzigsten Mal wollte das Traditionsturnier Besonderes bieten. In die Konzeptionsphase fiel der überraschende deutsche Erfolg bei der Schach-EM 2011.

          So kam die Idee auf, die Europameister Arkadi Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman und Jan Gustafsson einzuladen. Auch dank eines finanziellen Beitrags des Deutschen Schachbunds haben nun gleich vier Deutsche die Chance, sich bis 22. Juli über neun Runden mit der Weltklasse zu messen. Zuletzt durfte fast immer nur einer mit von der Partie sein. In der Regel war es Naiditsch, der in Dortmund wohnt und die Schachtage als bisher einziger Deutscher 2005 gewonnen hat.

          Angeführt wird das Feld vom ehemaligen Weltmeister Wladimir Kramnik, der das Turnier schon zehn Mal gewonnen hat, vom Weltranglistensechsten Sergei Karjakin, der direkt aus Kasachstan anreist, wo er gerade Weltmeister im Schnellschach wurde, sowie vom Aufsteiger der vergangenen Monate, Fabiano Caruana. Der Neunzehnjährige mit amerikanischem und italienischem Pass hat sich durch zweite Plätze in Wijk aan Zee und Moskau in den Top Ten etabliert.

          Für Daniel Fridman ist es sein erstes Turnier überhaupt auf so hohem Niveau. Der Bochumer wurde im März zum zweiten Mal deutscher Meister. Er ist der Einzige der vier, der sich auf sein Spiel konzentriert und derzeit im engeren Sinne Schachprofi ist. Arkadi Naiditsch steckt fast jede freie Minute in ein Magazinprojekt, er ist Herausgeber der Reihe „Chess Evolution“ mit hochwertigen Analysen der interessantesten weltweit gespielten Partien. Jan Gustafsson leitet bei der Hamburger Start-up-Firma Cisha ein Team mit dem Anspruch, „die fortschrittlichste und vielseitigste Schachplattform der Welt“ zu entwickeln.

          Streit zwischen Verband und Spitzenspielern

          Am weitesten vom Schach entfernt hat sich Georg Meier. Der Trierer hat ein zunächst einjähriges Stipendium an der Texas Tech University in Lubbock als Start in ein Vollstudium der Finanzwissenschaften genutzt. Zeit für Turniere bleibt ihm im Sommer oder an Wochenenden. In einer seiner jüngsten Partien traf er in einem Uni-Wettkampf auf Leonid Kritz, der früher auch deutscher Nationalspieler war und dank eines Stipendiums in den Vereinigten Staaten blieb.

          Die Schwierigkeit, in Deutschland vom Turnierschach zu leben, sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Streit zwischen dem Verband und seinen teils untereinander verfeindeten Spitzenspielern. Selbst während der erfolgreichen EM und danach krachte es. Der lautstärkste Kritiker Naiditsch wurde einige Monate suspendiert. Für die Schacholympiade ab 27. August in Istanbul konnten die Forderungen der vier Europameister erfüllt werden. Schachpräsident Herbert Bastian sieht den Frieden wiederhergestellt.

          Jan Gustafsson will die „fortschrittlichste und vielseitigste Schachplattform der Welt“ entwickeln
          Jan Gustafsson will die „fortschrittlichste und vielseitigste Schachplattform der Welt“ entwickeln : Bild: Denzel, Jesco

          Als Vermittler trat die OSG Baden-Baden auf, der Verein von Naiditsch, Gustafsson und Peter Heine Nielsen, dem für die Schacholympiade verpflichteten Trainer. In der Kurstadt laufen seit längerem Planungen für ein jährliches Turnier, in dem deutsche Spitze auf Weltspitze trifft.

          Inzwischen hat der neue Vermarkter des Weltschachverbands, Andrew Paulson, auch noch ein Grand-Prix-Turnier in Berlin für Juli 2013 angekündigt. Gute Zeiten für Spitzenschach in Deutschland? Für die Dortmunder Schachtage bedeutet das zunächst einmal eine mögliche Terminkollision: Das Schauspielhaus bekommen sie nur während des ersten Teils der Sommerferien.

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