https://www.faz.net/-gtl-u6d6

Dopingverdacht : Jan Ullrich schwer belastet

  • Aktualisiert am

In den Augen der Staatsanwaltschaft jedoch ist die Übereinstimmung „ein wichtiges Indiz“ für die grundsätzliche Aussagekraft der spanischen Dokumente - obwohl Apostel dies nicht detailliert kommentieren wollte. Doch wenn das Blut der „Nummer 1“ von Ullrich stammt, erhalten auch die Abrechnungen über Doping-Substanzen eine große Aussagekraft.

Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen Ullrich wegen Betruges zum Nachteil seines früheren Rennstalls und stellt auch Nachforschungen über die Rolle seines belgischen Betreuers Rudy Pevenage an, der sich womöglich wegen Beihilfe und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verantworten muss. Wann und ob offiziell Anklage erhoben wird, konnte Apostel noch nicht abschätzen. Man wolle zuvor weitere Beweismittel zuordnen und erwarte noch zusätzliches Material aus der Schweiz und aus Belgien.

51 Radprofis gerieten unter Verdacht

Ein Mediziner des Landeskriminalamtes war am 26. März nach Spanien gereist, um das Ullrich zugerechnete Blut mit der DNA-Probe zu vergleichen, die der Wahlschweizer am 1. Februar bei der Polizei in Konstanz abgegeben hatte. Der Vergleich erbrachte „in mehreren Fällen“ laut Apostel ein identisches Ergebnis.

Bei der „Operacion Puerto“ hatte die spanische Polizei im Mai 2006 zahlreiche Beweismittel sichergestellt. 51 Radprofis gerieten unter Verdacht, zum Doping-Netzwerk um Fuentes zu gehören, darunter auch Ullrich, der Ansbacher Jörg Jaksche und Italiens Giro-Sieger Ivan Basso. Ullrich und Basso (CSC) wurden von ihren Teams am Tag vor dem Tour-Start aus dem Aufgebot genommen. Auch Pevenage, der zahlreiche Telefonate mit Fuentes geführt haben soll, wurde vom Bonner Rennstall sofort suspendiert.

Verfahren gegen Fuentes ist eingestellt worden

Ullrich, dessen Vertrag wenig später aufgelöst wurde, trat zudem Mitte Oktober aus dem Schweizer Radsportverband aus, weil dieser gegen ihn wegen Dopings ermittelte, und war seitdem ohne Lizenz und Rennstall. Durch diesen Rückzug wollte sich Ullrich einer sportrechtlichen Verfolgung entziehen.

Basso dagegen wurde in Italien freigesprochen, weil das spanische Gericht die Beweismittel seinerzeit nicht freigab, und unterschrieb anschließend einen Vertrag beim amerikanischen Rennstall Discovery Channel, dem früheren Arbeitgeber des immer wieder mit Doping in Verbindung gebrachten siebenmaligen Tour-Siegers Lance Armstrong. Das Verfahren gegen Fuentes ist Mitte März in Madrid eingestellt worden. Der zuständige Untersuchungsrichter begründete dies damit, dass zum Zeitpunkt der vermuteten Verstöße das spanische Anti-Doping-Gesetz noch nicht in Kraft getreten war.

Der Verdächtigte umging das Wort Doping

Der Auftritt Ullrichs bei der offiziellen Verkündung seines schon länger erwarteten Rücktritts wird haften bleiben. Er redete in Hamburg fast 45 Minuten, eine halbe Stunde sollte ursprünglich sein Vortrag dauern. Ullrich ritt harsche Attacken gegen seine Kritiker. Aber er wich auch, wie bis heute, aus: Der Verdächtigte umging das Wort Doping - sehr bewusst offensichtlich. Er sagte aber auch nicht explizit, dass er unschuldig sei.

Ullrich behauptete nur lapidar: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ Dies trug er auch gegenüber Beckmann vor - wie die Feststellung, er habe niemanden betrogen, niemanden geschädigt. Ullrich legte seinerzeit Wert auf die Feststellung, dass ihm seine Stellungnahme nicht diktiert worden sei. Er betonte: „Das sind meine Gedanken, meine Gefühle.“ Wie werden seine Gedanken und Gefühle wohl am Dienstag gewesen sein?

Weitere Themen

Topmeldungen

Baukräne stehen an einer Baustelle in Berlin.

Wohngemeinnützigkeit : Ein Bärendienst für den Wohnungsmarkt

Immer lauter wird die Forderung, die Wohngemeinnützigkeit wiederzubeleben. Dass dies eine schlechte Idee ist, zeigt schon das abschreckende Beispiel der Neuen Heimat.
Frau mit Kopftuch vor der Humboldt-Universität in Berlin

Redeverbote an Hochschulen : Flucht vor Argumenten

Eine Forschungsstelle der Uni Köln fordert, die Redefreiheit zu begrenzen, um Grundrechte zu verteidigen. Das würde einer Abschaffung der akademischen Freiheit gleichkommen. Ein Gastbeitrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.