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Dopingverdacht : Ein Schutzschirm über Contador

  • -Aktualisiert am

Ob die UCI den Spanier Contador retten kann? Bild: REUTERS

Eine Dopingsperre für Alberto Contador käme dem Radsport-Weltverband höchst ungelegen. Es gibt starke Argumente gegen den Superstar der Szene. Doch der Radverband wird ihn erst fallenlassen, wenn es nicht mehr anders geht.

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          An Meldungen über gedopte und gesperrte Durchschnittsradler hat man sich gewöhnt. Der Internationale Radverband (UCI) reagiert darauf in der immer gleichen Art: Jeder überführte Fahrer sei ein Erfolg, ein Schritt hin zum sauberen Radsport. Das hört sich gut an, aber es ist nur Makulatur, das zeigt sich immer dann, wenn nicht ein Mittelklassenradler positiv getestet wird, sondern einer der Superstars der Szene wie jetzt Alberto Contador, der dreimalige Sieger der Tour de France. Dann wird die UCI zur Partei und versucht, den Star im Geschäft zu halten. So bekommt auch Contador eine Sonderbehandlung.

          Die UCI hielt seinen Fall gleich mehrere Wochen unter Verschluss und nährt damit den Verdacht, alles unter den Teppich kehren zu wollen. Eine Sperre für Contador käme dem Verband höchst ungelegen, hat man mit dem Spanier gemeinsam mit den Veranstaltern der Tour de France doch Großes vor: Contador, so das avisierte Geschäftsmodell für die nächsten Jahre, soll gegen den Luxemburger Andy Schleck einen epischen und für alle Beteiligten lukrativen Zweikampf führen.

          Wenn jedoch Schleck allein vorausradeln würde, wäre die ganze schöne Dramaturgie dahin. Deshalb der Versuch, einen Schutzschirm über Contador zu spannen. Die UCI wird ihn erst fallenlassen, wenn es nicht mehr anders geht.

          Ein extrem geringer Wert

          Ob der Verband Contador retten kann? Er wird es versuchen, doch die Erklärungsnot des Spaniers wird dadurch nicht geringer. Tatsache ist, dass in Contadors Urinprobe während der Tour de France am 21. Juli 50 Pikogramm pro Milliliter des Kälbermastmittels Clenbuterol gefunden wurden. Dies ist ein extrem geringer Wert, Contador erklärt ihn mit dem Verzehr eines kontaminierten Stückes Fleisch, das ein Teammitarbeiter in Spanien besorgt habe.

          Kein Experte wirft Contador vor, er habe sich am Tag vor der entscheidenden Tour-Etappe am 22. Juli direkt mit Clenbuterol gedopt. Dafür ist die gefundene Menge zu gering, und Clenbuterol ist auch kein Einmalmittel, sondern wird von Dopern als mehrwöchige „Kur“ benutzt, um Wirkung zu erzielen. Eine längerfristige Einnahme rund um den 21. Juli kann ebenfalls ausgeschlossen werden, weil weitere Proben Contadors vom 20. und vom 23. Juli unauffällig blieben, lediglich am 22. Juli waren noch 20 Pikogramm nachzuweisen.

          Kein validiertes Nachweisverfahren für Eigenblut-Doping

          Ist Contadors Fleisch-Geschichte also plausibel? In der Theorie könnte sie es sein, doch in der Praxis rückt sie durch Spuren eines Weichmachers, die nach Informationen der französischen Zeitung „L'Equipe“ in Contadors Probe gefunden wurden, weit ins Reich der Fabel. Solche Weichmacher werden in Plastikbeuteln verwendet, in denen Blutkonserven lagern.

          Der Fund liefert eine einleuchtende Erklärung für die Clenbuterolspuren in Contadors Körper: Der Spanier habe, so die Vermutung, vor der entscheidenden Tour-Etappe, bei der er sich am 22. Juli in den Pyrenäen des Angriffs von Schleck erwehren musste, einen Beutel aufbereitetes Eigenblut „getankt“, das aus Zeiten stammt, als er sich mit Clenbuterol auf die Saison vorbereitete. Endgültig beweisen lässt sich diese Vermutung nicht, weil es für Eigenblut-Doping nach wie vor kein validiertes Nachweisverfahren gibt. Doch auch als Indiz ist die Eigenblut-Theorie ein starkes Argument gegen Contador, der ja seine Unschuld beweisen muss, um einer Sperre zu entgehen. Ein mysteriöses Stück Fleisch wird dafür nicht mehr reichen.

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