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Dopingsubstanz Cera : Ein Renner mit Langzeitwirkung

Der mutmaßliche Doping-Sünder Schumacher war still, als andere über den Cera-Nechweis jubelten Bild: ddp

Cera war ein Renner unter den Dopern. Ein Medikament für Nierenkranke, dass auch Gesunden Beine macht. Nun ist der Nachweis möglich, weshalb Stefan Schumacher wohl als Doping-Sünder überführt ist. Das neue Zaubermittel der Betrüger ist aber schon da: Es heißt Sermorelin.

          Cera war ein Renner unter den Dopern. Ein Medikament für Nierenkranke, dass auch Gesunden Beine macht. Denn der „Continous Erythropoiesis Receptor Activator“ wirkt ähnlich wie der Vorgänger Erythropoietin (Epo), die Modedroge im Ausdauerleistungssport seit Beginn der neunziger Jahre: als Beschleunigung während und nach dem Wettkampf (verbesserte Regeneration).

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Weil Cera eine längere Halbwertszeit, nämlich 150 Stunden statt nur 48 (Epo) versprach, sattelten die Manipulatoren um. Gleichzeitig bot das neue Mittel eine Sicherheit, die Betrügern im Sport alle Freiheiten ließ. Denn Cera schien nicht nachweisbar. Später überführte Athleten berichteten von negativen Kontrollen trotz der Einnahme. Ihre Erfahrungen hatten sich zuvor mit der stillen Post verbreitet. Wahrscheinlich waren die Cera-Spuren im Urin bei Trainingstests zu gering. Unter extremer Belastung aber, etwa bei einem Zeitfahren, wird die Substanz verstärkt ausgeschieden.

          Schumacher war still, als andere Fahrer über den gelungenen Nachweis jubelten

          Auf die Schliche gekommen sind die Analytiker den Dopern aber mit einer verfeinerten Blutanalyse. Erst während der diesjährigen Tour de France sprach sich der Erfolg der Dopingjäger auch in der Szene herum. Cera-Hersteller Roche hatte der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) einen Test zur Verfügung gestellt, der das Entdeckungsverfahren deutlich verkürzte. Da war es für Fahrer wie Emanuele Sella, Riccardo Ricco und nun vermutlich auch für Stefan Schumacher und Leonardo Piepoli schon zu spät.

          Schumacher, behauptet sein Teamkollege Lang, soll ganz still gewesen sein, als andere Fahrer über die Nachricht vom gelungenen Nachweis jubelten. Wahrscheinlich ist Cera nicht von allen Profis eingenommen worden. Die Gier auf das Medikament aber trieb Athleten und Hintermänner so weit, das Präparat noch während der Erforschung in der dritten klinischen Phase auszuprobieren, ohne Rücksicht auf die möglichen Nebenwirkungen im Alltag eines Leistungssportlers, wie etwa eine lebensgefährliche Blutverdickung.

          Cera war seit August 2004 bekannt

          Erst im Juli 2007 ist Cera in der EU zugelassen worden. Das Medikament, behauptete ein Radsportexperte und Chemiker unwidersprochen vor dreieinhalb Jahren in dieser Zeitung, „gelangt von den klinischen Apotheken in den Leistungssport“. Schon im August 2004 war erstmals von Cera als der nächsten Epo-Generation öffentlich die Rede.

          Die Spanne bis zum ersten Nachweis verdeutlicht, wer im Cera-Rennen lange vorne lag, obwohl Roche wegen der Missbrauchsgerüchte schon seit 2004 mit der Wada zusammenarbeitete. Die Athleten sind gewarnt. Sie werden wieder umsatteln. Es gibt ein Mittel, das die Bildung von Wachstumshormon anregt: Sermorelin ist vorerst nicht nachweisbar.

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