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Dopingskandal : Ullrich sieht sich als Opfer: „Werde kämpfen“

  • Aktualisiert am

„Ich werde weiter kämpfen” Bild: dpa

Jan Ullrich sieht sich nach seiner Suspendierung durch T-Mobile und dem Tour-Aus als Opfer. „Ich stehe unter Schock. Das ist das Schlimmste, was mir bisher in meiner Karriere passiert ist. Ich kann nur sagen, daß ich nichts mit der Sache zu tun habe“, verkündete der 32 Jahre alte Radprofi. Er will einen Anwalt einschalten, um seine Unschuld zu beweisen.

          Jan Ullrich sieht sich nach seiner Suspendierung durch T-Mobile und dem Tour-Aus als Opfer. „Ich bin in einem absoluten Schockzustand. Das ist das Schlimmste, was mir bisher in meiner Karriere passiert ist. Ich kann nur sagen, daß ich nach wie vor nichts mit der Sache zu tun habe“, sagte der 32 Jahre alte Radprofi am Freitag abend in einem Interview. „Ich fühle mich als Opfer.“

          Er will dennoch nicht klein beigeben und seinen Anwalt einschalten, um seine Unschuld zu beweisen. „Jetzt bin ich am Boden, aber ich werde weiterhin kämpfen“, kündigte Ullrich nach stundenlangen Beratungen mit seinem Manager Wolfgang Strohband und Anwälten an. „Das ganze Team ist natürlich deprimiert“, sagte der bisherige T-Mobile-Kapitän. Er habe sich aber total gegen einen Rückzug seiner Mannschaft von der 93. Tour de France ausgesprochen. „Die sollen für mich mitfahren“.

          Bis auf weiteres ausgebootet

          Ullrich droht wegen des Skandals das abrupte Ende seiner wechselvollen Karriere. Für den Tour-de-France-Gewinner von 1997 platzte am Vormittag der Traum vom zweiten Triumph bei der bedeutendsten Radrundfahrt der Welt nach der Suspendierung durch sein T-Mobile-Team.

          Auf der Suche nach Antworten

          Die Entscheidung fiel um 9.34 Uhr im feinen Golfklub von Plobsheim im Elsaß: Ullrich, der Spanier Oscar Sevilla und der sportliche Leiter Rudy Pevenage wurden wegen ihrer möglichen Verwicklung in den spanischen Dopingskandal mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres ausgebootet und werden nicht am Start der Tour stehen, die am Samstag in Straßburg beginnt.

          Auch für Basso ist Schluß

          Neben Ullrich stehen auch der Ansbacher Jörg Jaksche und Giro-Sieger Ivan Basso (Italien) auf der Liste der 58 Radsportler, die in der Affäre unter Verdacht stehen. Spanische Medien veröffentlichten am Freitag die Namen der beschuldigten Athleten. Jaksche, der am Donnerstag seinen Verzicht auf einen Tour-Star wegen einer Grippe erklärt hatte, gehört zum Team Astana-Würth, dessen kompletter Tour-Kader namentlich genannt wird. Basso wurde am Freitag nachmittag von seinem Team CSC ebenfalls suspendiert (Siehe auch: Tour schließt alle verwickelten Fahrer aus). Außerdem bekamen Oscar Sevilla und Francisco Mancebo (beide Spanien) sowie die fünf Fahrer vom Team Astana-Würth, Joseba Beloki, Alberto Contador, Isidro Nozal (alle Spanien), Sergio Paulinho (Portugal) und der Australier Allan Davis die Rote Karte (Siehe auch: Dopingliste: Die Namen der Verdächtigen).

          „Wir haben jetzt die Chance auf eine wirklich andere Tour“, sagte ihr Direktor Christian Prudhomme. Das erst am Donnerstag nach Intervention des Internationalen Sportgerichtshofes CAS wieder zugelassene „Astana- Würth“-Team ist von der jüngsten „Reinigung“ nicht betroffen. Unsicher war zunächst, ob T-Mobile sein ursprünglich bis 2008 zugesichertes Engagement im Profi-Radsport jetzt überhaupt fortsetzen will. Der staatliche Wettanbieter Betandwin stoppte sämtliche Tour-Wetten; die TV-Anstalten ARD/ZDF und Eurosport halten an der vorgesehenen Live-Berichterstattung von der Tour fest.

          Ullrich und Sevilla befanden sich mit den anderen Teammitgliedern im T-Mobile-Mannschaftsbus auf dem Weg zu der Pressekonferenz, wo eigentlich das Team vorgestellt werden sollte. Unterwegs wurden sie von der Suspendierung informiert. Am späten Vormittag zog sich Ullrich ins Teamhotel nach Blasheim zurück. „Die echte Beweislage liegt erst jetzt auf dem Tisch“, sagte Teamsprecher Stefan Wagner: „Wir hatten beim ersten Verdacht um Akteneinsicht gebeten. Das ist erst heute geschehen, warum, wissen wir nicht. Die Faktenlage widerspricht den Unschuldsbeteuerungen von Ullrich so stark, daß wir handeln mußten, um unserem Grundsatz vom sauberen Sport noch folgen zu können.“

          Begründete Zweifel

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