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Dopingfall Cofidis : Jan Ullrich: „Ein Rückschlag für den Radsport“

Gaumont (rechts) im Sprintduell gegen Zabel und Cipollini Bild: dpa

Mit der vorübergehenden Festnahme der Profis Cedric Vasseur und Philippe Gaumont spitzt sich der Dopingfall Cofidis weiter zu. Die jüngsten Vorfälle um den französischen Rennstall lösen prompt eine Krisensitzung aus.

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          Zwei weitere Radprofis sind am Dienstag abend im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen Ring von Schmugglern und Händlern von Dopingmitteln in Frankreich vorübergehend festgenommen worden. Es handelt sich um die Rennfahrer des Teams Cofidis Cedric Vasseur und Philippe Gaumont.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Bei der Rückkehr ihrer Mannschaft aus dem Trainingslager in Calpe an der Costa Blanca am Dienstag abend erwarteten Polizisten der Drogenfahndung in Zivil sie am Flughafen Paris-Orly und baten sie zum Verhör. Im Gepäck der Rennfahrer wurden keine belastenden Substanzen gefunden. Am Mittwoch beräumte der französische Sportminister Jean-Francois Lamour eine Krisensitzung für diesen Freitag an. Gemeinsam mit dem Präsidenten des französischen Radsport-Verbandes und der Liga der Profiradsportler sowie dem Arzt des Nationalteams und dem Chef der Technischen Direktion soll erörtert werden, ob und wie die Cofidis-Affäre die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Athen beeinflußt.

          Angeblich dreißig auffällige Rennfahrer

          Der Ermittlungsrichter Richard Pallain aus Nanterre hatte in der vergangenen Woche einen Betreuer des Teams Cofidis, Bogdan Malejak, sowie zwei ehemalige Cofidis-Profis festnehmen lassen, den französischen Olympiakandidaten für die Bahn, Robert Sassone, und den polnischen Straßenrennfahrer Marek Rutkiewicz. Französische Zeitungen berichten, daß bei Telefonüberwachung und anderen Ermittlungen rund dreißig Rennfahrer aufgefallen seien.

          Philippe Gaumont
          Philippe Gaumont : Bild: AFP

          Jan Ullrich kommentierte den Fall im Trainingslager auf Mallorca mit den Worten: "Das ist schlecht für unseren Sport. Die ehrlichen Bemühungen des Radsports, aus den Doping-Schlagzeilen herauszukommen, haben einen Rückschlag erlitten."

          Gaumont, 1992 Olympiadritter mit dem französischen Straßenvierer, debütierte vor zehn Jahren im Team Castorama und gab sein Debüt 1997 bei Cofidis. 1996 wurde er, ebenso wie sein damaliger Mannschaftskamerad Laurent Desbiens, positiv auf Nandrolon getestet und gesperrt. Während der Spanien-Rundfahrt 1998 fiel Gaumont wieder mit einem positiven Nandrolon-Befund auf. Er wurde freigesprochen, weil der Befund zwar den Grenzwert des Internationalen Olympischen Komitees, nicht aber den des Internationalen Radsportverbandes überschritt. Im Jahr darauf wurde er wegen Amphetamindopings gemeinsam mit seinem damaligen Teamkollegen Frank Vandenbroucke für sechs Monate gesperrt; im Zusammenhang mit der immer noch nicht abgeschlossenen Affäre um den falschen Arzt Bernard Sainz, genannt "Doktor Mabuse", und Bertrand Lavelot wurde gegen ihn ermittelt. Laut Zeitungsberichten vom Mittwoch hat Sassone Gaumont als seinen Lieferanten belastet.

          Unter Auflagen auf freiem Fuß

          Cedric Vasseur, 33 Jahre alt, gewann 1997 eine Etappe der Tour de France und trug fünf Tage das Trikot des Spitzenreiters. 2001 fuhr er im Team des Tour-Siegers Lance Armstrong, das er nach einer Saison verließ, um zu Cofidis zu wechseln. Im vergangenen Jahr gewann er die Hessen-Rundfahrt. Er soll über seine Beziehung zu seinem verhafteten ehemaligen polnischen Mannschaftskameraden Rutkiewicz, mit dem er oft das Zimmer teilte, und dem Polen Malejak befragt worden sein. Vor kurzem hatte Vasseur gegenüber Journalisten gesagt, das Beste, was ihm passieren könne, sei, daß ihn bei der Rückkehr nach Frankreich Polizisten am Flughafen erwarteten: "Dann kann ich die Sache aufklären."

          Die Ermittlungen wegen Schmuggels und Handels von Dopingmitteln laufen seit März 2003. Bei der Durchsuchung des Hauses von Sassone in Hyere wurden das Blutdopingmittel Epo, Wachstumshormon, Amphetamin und Anabolika gefunden; Sassone bestreitet, mit den Mitteln gehandelt zu haben. Im Reisegepäck von Rutkiewicz, der bei seiner Ankunft aus Warschau verhaftet wurde, fanden sich Wachstumshormone und Substanzen, die noch analysiert werden. Rutkiewicz und Sassone sind unter Auflagen auf freiem Fuß.

          Sponsor Cofidis, ein Unternehmen, das Kleinkredite am Telefon vergibt, hat unterdessen rechtliche Schritte gegen all jene angedroht, welche die Ehre und das Ansehen von Mannschaft und Unternehmen beschädigten.

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