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Doping : Werth kann in London für Deutschland reiten

Sechs Monate gesperrt: Isabell Werth Bild:

Isabell Werth ist mit einem blauen Auge davongekommen. Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt muss nach ihrem Dopingfall nur sechs Monate pausieren und hat somit die Chance, an den Olympischen Spielen 2012 in London teilzunehmen.

          Isabell Werth ist erleichtert, dass endlich das Urteil da ist. Am Mittwoch teilte die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) mit, dass die Dressurreiterin wegen ihres Doping-Vergehens für sechs Monate gesperrt wird. „Ich bin erst einmal froh, dass eine Entscheidung gefallen ist“, sagte die fünffache Olympiasiegerin aus Rheinberg in einer ersten Stellungnahme. Da ihre Suspendierung wegen einer positiven Probe beim Wiesbadener Pfingstturnier bereits am 23. Juni begonnen hat, wird die Sperre bereits am 22. Dezember zu Ende gehen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Die Pause war ohnehin eingeplant“, sagt die 40 Jahre alte Reiterin. Im November erwartet sie ein Kind, die Sperre fällt also hauptsächlich auf eine Phase, in der sie sowieso auf das Turnierreiten hätte verzichten müssen. Lediglich beim CHIO Anfang Juli in Aachen wäre sie noch gern gestartet, danach hätte sie sich ohnehin abgemeldet, sagte sie. Mit der Urteilsverkündung dürfte nun auch der nervliche Druck nachlassen. „Jetzt kann ich mich endlich uneingeschränkt auf das Baby freuen und konzentrieren.“

          Psychopharmakon aus der Humanmedizin

          Auch Bundestrainer Holger Schmezer atmet auf. „Ich finde das Strafmaß angemessen“, sagt er, „und es ist beruhigend, dass man für die Olympischen Spiele mit ihr rechnen kann.“ Tatsächlich kommt Isabell Werth wohl knapp um eine Sperre für London 2012 herum. Nach Auskunft von Thomas Bach, des Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), wird ein Athlet erst dann von den folgenden Spielen ausgeschlossen, wenn eine Doping-Sperre von „mehr als sechs Monaten“ gegen ihn verhängt wurde. Bliebe als einzige Gefahr noch ein möglicher Ausschluss aus der deutschen Olympiamannschaft durch den DOSB. In den Nominierungsrichtlinien für Peking 2008 war vorgeschrieben, dass jeder Verstoß gegen die Doping-Regeln zum Ausschluss führen kann, dass aber eine Einzelfallentscheidung möglich ist. „Die Richtlinien gibt es aber für 2012 noch nicht“, sagte Bach.

          In einer Doping-Probe bei Isabell Werths Nachwuchspferd Whisper war die Substanz Fluphenazin nachgewiesen worden. Dabei handelt es sich um ein Psychopharmakon aus der Humanmedizin, das angeblich beruhigende Wirkung auf Pferde hat und auf der Doping-Liste der FEI steht. Die Klassifizierung als eine weniger verwerfliche „verbotene Medikation“ war also kaum möglich. Die Reiterin erklärte damals, der Wallach sei von ihrem Tierarzt Peter Stihl mit der Substanz behandelt worden, weil er an der „Zitterkrankheit“ leide, einer Art Parkinson-Erkrankung bei Pferden, die das Anheben der Pferdehufe zum Beispiel beim Beschlagen erschwert. Das Pferd sei aber jederzeit sporttauglich gewesen, erklärte die Reiterin. Ihr Tierarzt habe sich lediglich bei der Berechnung der Abbauzeit des Medikamentes getäuscht. Isabell Werth, die selbst eine Ausbildung als Rechtsanwältin abgeschlossen hat, verzichtete auf eine Analyse der B-Probe, um das Verfahren zu beschleunigen. Bei der FEI gibt es Bestrebungen, künftig im Regelwerk die Verantwortung von Tierärzten für positive Doping-Proben mehr zu betonen und die Reiter damit zu entlasten.

          Keine Revision des Urteils

          Reiter-Deutschland hofft nun, dass Isabell Werth nach einer Babypause wieder im Viereck angreifen wird. „Sie muss sich in Ruhe wieder etwas aufbauen“, sagt Schmezer, „und sie hat hoffentlich noch genug Ehrgeiz. Man sieht ja, wie sehr sie gefehlt hat.“ Bei den Europameisterschaften in der vergangenen Woche in Windsor hatte die deutsche Dressur-Equipe mit Bronze das schwächste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Die übermächtigen Niederländer hätten die Deutschen wohl auch mit Isabell Werth und Satchmo nicht überholen können, allerdings hätten sie Großbritannien die Silbermedaille wohl nicht überlassen müssen. „Natürlich habe ich die Europameisterschaft verfolgt“, sagt Isabell Werth. Sie werde ihre Karriere auch auf jeden Fall fortsetzen. „Pferde und Reiten, das ist meine Leidenschaft. Ich werde noch ein paar Jahre dabei sein.“

          Theoretisch hat Isabell Werth nun 30 Tage Zeit, um gegen das Urteil des FEI-Tribunals Einspruch zu erheben. „Ich habe die Urteilsbegründung noch nicht gelesen“, sagte sie am Mittwochabend. „Ich muss das erst einmal verkraften.“ Es steht bereits fest, dass die Deutsche Reiterliche Vereinigung, deren Präsidium am Mittwoch in Warendorf tagte, keine Revision des Urteils beantragen wird. „Die Strafe befindet sich im Bereich ähnlich gearteter Fälle“, sagte Generalsekretär Sönke Lauterbach. „Der Fall ist als Doping klassifiziert. Dies entspricht auch unserem Verständnis, so dass wir das Urteil akzeptieren.“

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