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Doping : „Von der vergifteten Sportgeschichte befreien"

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Ines Geipel: Festgefahrene Diskussion Bild: picture-alliance/ ZB

Die frühere Leichtathletin Ines Geipel hat beantragt, aus der deutschen Rekordliste gestrichen zu werden, in der sie seit 1984 über 4x100 Meter geführt wird. Ein Interview mit der Schriftstellerin zur festgefahrenen Diskussion über Rekorde aus der Doping-Zeit.

          Die Schriftstellerin Ines Geipel hat im Sommer vergangenen Jahres beim Deutschen Leichtathletik Verband (DLV) beantragt, aus der deutschen Rekordliste gestrichen zu werden, in der sie seit 1984 unter ihrem damaligen Name Ines Schmidt mit der Staffel des SC Motor Jena (mit Bärbel Wöckel, Ingrid Auerswald und Marlies Göhr) und der Bestzeit von 42,20 Sekunden über 4x100 Meter geführt wird. Am vergangenen Wochenende hat der DLV über den Umgang mit Bestmarken aus der Zeit des Anabolikadopings diskutiert - nur wenige Rekordhalter nahmen daran teil.

          Gerade mal vier der 47 Inhaber von deutschen Rekorden sind der Einladung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gefolgt, über umstrittene Bestmarken aus der Zeit des Hochdopings zu diskutieren. Ist der Versuch, erkennbare Doping-Rekorde zu streichen, schon gescheitert?

          Gescheitert nicht, aber das Thema braucht ganz offensichtlich eine andere Seriosität. Es muß weiter nachgedacht werden. Wenn so viele Rekordhalter das Gespräch verweigern, dann ist das auch ein Strategiespiel. Drei ließen sogar Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel einen harschen Brief schicken . . .

          . . . Marita Koch, Silke Möller und Frank Emmelmann, wie man lesen konnte.

          Nach wie vor muß ein klarer Bruch zur verdreckten Geschichte der Steroid-Zeit und zum Zwangsdoping der DDR angezeigt werden. Aber wenn nicht einmal der Leichtathletikverband als Arbeitgeber Mitarbeiter zu so einem Gespräch motivieren kann, worauf sollen wir dann kommen?

          Sie sprechen von Bärbel Wöckel, die mit Ihnen in der DDR-Rekordstaffel gelaufen ist und nun im Verband für die Jugendarbeit verantwortlich ist.

          Ich werde keine einzelnen Sportlerinnen oder Sportler benennen. Aber man fragt sich schon, warum der Verband ehemalige Athleten in einer solchen Position nicht an ihre Verantwortung erinnert.

          42 ehemalige Athleten, die nicht gekommen sind, haben mit dem DLV nichts mehr zu tun, und die Leistungen, die ihren Ruhm begründen, liegen in der Vergangenheit. Ist es nicht verständlich, daß sich jemand an das vielleicht Größte klammert, das er in seinem Leben erreicht hat?

          Wir können ewig darüber diskutieren, ob einem in bezug auf die eigene Vergangenheit etwas verständlich ist. Doch diese Rekorde, um die es geht, sind Rekorde der Gegenwart. Es liegen unendlich viele Akten und vor allem solche aus Strafprozessen auf dem Tisch. Wenn die deutlich machen, daß knapp vierzig der noch gültigen Rekorde in einem Zwangs-Dopingsystem entstanden sind, haben wir ein Problem, nämlich das des Maßstabs und der Negierung von Urteilen, die vom Bundesgerichtshof anerkannt worden sind.

          Würden Sie dem Verband raten, sie nun zu streichen?

          Mein Vorschlag war immer, unbedingt das Gespräch zu suchen. Die Athleten sollen die Möglichkeit haben, auch unter Zuhilfenahme ebendieser Akten, sich von diesem Stück vergifteter Sportgeschichte zu emanzipieren und damit ja endlich auch zu befreien. Offensichtlich haben es die ehemaligen Topathleten damit besonders schwer. Das ist vor allem traurig. So geben sie sich ja praktisch lebenslänglich.

          Verlangen sie damit nicht das Eingeständnis des Dopings?

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