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Doping in der Leichtathletik : Unter Generalverdacht

  • -Aktualisiert am

Je besser die Zeit, desto größer der Doping-Verdacht: Arne Gabius nervt das. Bild: dpa

Nachlässige, schlampige und inkompetente Doping-Kontrollen machen verdächtig – vor allem Athleten. Das bekommen herausragende Sportler wie Läufer Arne Gabius immer mehr zu spüren. Gut, dass er deswegen deutlich wird.

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          Als der Zuschauer Arne Gabius hinterherrief, dass er erst mal die Doping-Probe abwarten wolle, bevor er ihm applaudiere, dürfte der schnellste deutsche Langläufer sich bestätigt gefühlt haben. Bestätigt in dem bitteren Gefühl, dass etwas falsch läuft in seinem Metier. Arne Gabius, 35 Jahre alt, approbierter Arzt und, seit er vor anderthalb Jahren den Frankfurt-Marathon in 2:08:33 Stunden hinter sich brachte, im Besitz des deutschen Rekordes auf dieser Distanz, lebt wie jeder Profi-Sportler vom Respekt vor seiner Leistung. Doch das Vertrauen in die Sauberkeit sportlicher Ergebnisse schwindet zusehends und damit auch das Ansehen der Athleten.

          Bei der Weltmeisterschaft in Peking im vergangenen Jahr explodierte Gabius deshalb – jedenfalls im übertragenen Sinne. Nach dem 10.000-Meter-Lauf noch im Zielraum auf den allfälligen Verdacht angesprochen, schimpfte er, es sei eine Frechheit, was mit den besten Athleten der Welt angestellt werde. Generalverdacht, das sei schlechter Journalismus. Inzwischen sind die russischen Leichtathleten wegen systematischen Betrugs vom internationalen Sportbetrieb ausgeschlossen, und Verbände und Organisationen des olympischen Sports wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, aus dem offenkundigen Verdacht, dass in anderen Sportarten und in anderen Ländern genauso dreist gedopt wird, Konsequenzen zu ziehen.

          Ein halbes Lob

          Arne Gabius ist seit Peking einen Schritt weitergekommen. Seine Pauschalverurteilung der Berichterstatter hat er zur neuen Marathon-Saison – am Montag läuft Boston, am Sonntag drauf startet er in London – durch ein halbes Lob ersetzt. Warum könnten nur Fernsehteams jemanden in die Szene einschleusen und Doping aufdecken, fragt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Doping-Bekämpfung durch Nada, Wada und IAAF habe er das Gefühl, dass Stümper am Werk seien.

          Gabius bemängelt die fehlende Unabhängigkeit der Kontrolleure. Er beklagt ihre mangelhafte Finanzierung; sie sorge schon mal dafür, dass er in den letzten Monaten des Jahres nicht mehr kontrolliert wird. Und dass just am Tag vor dem Halbmarathon von Berlin vor zwei Wochen ein Out-of-competition-Test der IAAF anstand, eine Kontrolle, die auf die Saisonvorbereitung zielen sollte, kommentiert er sarkastisch: „So kann man auch Statistiken fälschen.“

          Gabius ist klug genug, zu wissen, dass kein Doping-Test der Welt ihn exkulpieren kann. Es gibt keinen Beweis der Unschuld. Das Kontroll- und Sanktionssystem des Sports basiert noch dazu auf der Schuldvermutung. Wer positiv getestet oder zu Kontrollen nicht angetroffen wird, muss schon sehr gut argumentieren, praktisch seine Unschuld beweisen, um nicht gesperrt zu werden. Die negative Annahme ist aus dem juristischen Kontext übergegangen in die öffentliche Wahrnehmung. Je schneller jemand rennt, desto größer sind die Zweifel. Das bekommt auch Gabius mit seinen herausragenden Leistungen zu spüren, obwohl er beteuert, nicht einmal Vitamintabletten einzunehmen. Nachlässige, schlampige und inkompetente Kontrollen machen verdächtig – vor allem Athleten.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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