https://www.faz.net/-gtl-u834

Doping : Ullrich angeblich doch zur DNA-Probe bereit

  • Aktualisiert am

Wohin steuert Jan Ullrich? Bild: AP

Das ewige Hin und Her um Jan Ullrich geht weiter. Während die Staatsanwaltschaft einen Widerspruch seiner Anwälte gegen einen geplanten DNA-Abgleich meldete, widersprach sein Sprecher: Ullrich sei „jederzeit bereit zur Speichelprobe“.

          2 Min.

          Die Irrungen und Wirrungen im Doping-Fall Jan Ullrich, die ein angeblich weiter geplantes Comeback des Radprofis immer unwahrscheinlicher machen, nehmen zu. Ein von der Bonner Staatsanwaltschaft im Betrugsfall gegen Ullrich geplanter DNA-Abgleich wird sich nach Angaben aus Bonn wegen des Einspruchs seiner Anwälte verzögern. Ullrich widersprach dieser Version postwendend durch eine Stellungnahme seines Sprechers Michael Lang.

          Die Anwälte des ehemaligen T-Mobile-Kapitäns legten fristgerecht Einspruch gegen die Weitergabe des Erbmaterials aus der Schweiz nach Deutschland ein. Das bestätigte am Dienstag der zuständige Bonner Staatsanwalt Fred Apostel. Dagegen ließ Ullrich über Lang mitteilen: „Meldungen, wonach Jan Ullrich die Herausgabe einer DNA-Probe durch seine Anwälte verweigert, sind unzutreffend. In einem Schreiben vom 22. Januar 2007 an die Bonner Staatsanwaltschaft hat Jan Ullrich über seine Anwälte klar kommuniziert, dass er jederzeit bereit ist, eine Speichelprobe in Deutschland abzugeben.“

          Ullrich-Sprecher: „Unerträgliche Kampagne“

          „Jan Ullrich hat seine Kooperationsbereitschaft gegenüber der Staatsanwaltschaft mehrfach deutlich gemacht“, erklärte Lang. Lang: „Das ist eine unerträgliche Kampagne, mit der einer der erfolgreichsten deutschen Sportler demontiert werden soll.“ Laut Lang würden rechtsstaatliche Grundsätze „im Hinblick auf Jan“ mit Füßen getreten.

          „Jetzt entscheidet das Schweizer Gericht über die weitere Verfahrensweise. Bei einer Entscheidung für die Weitergabe an uns hätten die Ullrich-Anwälte das weitere Recht der Berufung“, erklärte dagegen Apostel. Das Prozedere könne bis zu eineinhalb Jahre dauern. „Der Einspruch gegen die Weitergabe ist das gute Recht Ullrichs. Warum er den Abgleich nicht zulässt - darüber kann sich jeder Gedanken machen“, erklärte Apostel, der auch die im Fall Ullrich ermittelnde Disziplinarkammer des Schweizer Radsport-Verbandes vertrösten musste.

          Weiter ohne Lizenz und Rennstall

          Angeforderte Unterlagen könne es zur Zeit nicht geben, meinte der Bonner Staatsanwalt. Der zuständige Schweizer Verbands-Justiziar Bernhard Welten will mit einer Urteilsempfehlung an die Disziplinarkammer von Swiss Cycling - lebenslange Sperre oder Freispruch - so lange warten, bis er auch zusätzliches Material aus Bonn in der Hand hat. Außerdem wartet er weiter auf Unterlagen der in der Doping-Affäre gegen den Frauenarzt Eufemiano Fuentes ermittelnden spanischen Behörden. Ullrich und weitere 50 Radprofis sollen Fuentes- Kunden gewesen sein.

          Wegen des juristischen Schwebezustands könnte Ullrich, der sein letztes Rennen im Juni 2006 bestritt, theoretisch im Moment fahren. Der Tour-Sieger von 1997 hat aber weder eine Profi-Lizenz noch ein Team. Ein möglicher Interessent, „Aqua & Sapone“ aus Italien, hatte erklärt, erst wenn alle rechtlichen Fragen geklärt seien, könnte an eine Verpflichtung Ullrichs gedacht werden.

          Viel Arbeit für Anwälte und Berater

          Im Zuge der Ermittlungen gegen Ullrich hatte der Ex-Profi bei den Schweizer Behörden im September eine Speichelprobe abgegeben, nachdem er bei einer Hausdurchsuchung seiner Villa in Scherzingen am Bodensee nicht angetroffen worden war. Diese Probe könnte mit dem Inhalt der bei Fuentes gefundenen und Ullrich zugerechneten Blutbeutel verglichen werden. Ullrich leugnet Doping und behauptet, den belasteten Mediziner aus Madrid, gegen den in den Sommermonaten der Prozess eröffnet werden soll, nicht zu kennen.

          Ullrichs Anwälte und Berater haben alle Hände voll zu tun. In Bonn wird nach einer Anzeige der Rechts-Professorin Britta Bannenberg wegen Betrugs zum Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers T-Mobile ermittelt. In Hamburg laufen Untersuchungen wegen des Verdachts des Meineids in dem von dem Molekularbiologen und Doping-Experten Werner Franke angestrengten Verfahren. Dazu ermittelt der Schweizer Radsport-Verband.

          Weitere Themen

          Mut und Mitte des FC Bayern

          FAZ Plus Artikel: Joshua Kimmich : Mut und Mitte des FC Bayern

          Der FC Bayern baut auf Joshua Kimmich, den neuen Minimierer. Und auf Rollenwechsel, die gute Spieler besser machen. Das macht die zum Teil so unterkühlten Sieger von Dortmund unter Hansi Flick so stark.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.