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Doping-Trainer Trevor Graham : Rekorde aus der Albtraum-Fabrik

  • -Aktualisiert am

Titel, Rekorde, Dopingstrafen: Trevor Graham Bild: AP

Die Liste der bestraften Dopingsünder aus seiner Schule ist lang. Doch immer entkam Doping-Trainer Trevor Graham dem Sturm der Kritik und schmückte sich mit neuen Stars. Nun soll ihm endgültig das Handwerk gelegt werden.

          Die Märchenstunde mit Onkel Trevor Graham beginnt so: „To allow each athletes dream become a reality.“ Der Satz von den Athletenträumen, die er wahr machen könne, steht als Motto über seiner Firmenpräsentation. Sein Unternehmen, das ist „Sprint Capitol USA“, als Trainingsgemeinschaft 1993 gegründet und seit 1999 als Firma eingetragen. Die Mitarbeiter dieser Firma, Kurzsprinter zumeist, sammeln Titel, Medaillen und Rekorde genauso fleißig wie Dopingstrafen.

          Einen Tag nach dem Startverbot für die Athleten von Graham beim Golden-League-Meeting in Berlin hat das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten (USOC) den Trainer „dauerhaft“ von seinen 15 Trainingsstätten verwiesen. Den in der Sportgeschichte bislang einzigartigen Bann gab der USOC-Vorsitzende Peter Ueberroth bekannt. Der Cheforganisator der Olympischen Sommerspiele von 1984 in Los Angeles führte dafür Grahams ungewöhnlich hohe Zahl von Leichtathleten an, die in Dopingaffären verwickelt seien.

          „Dies ist eine nationale Angelegenheit“

          Schon zu Wochenbeginn hatte Michael Johnson, eine der amerikanischen Leichtathletik-Ikonen, verlangt, Graham müsse lebenslang gesperrt werden. Die rechtliche Lage werde geprüft, sagte USOCGeneralsekretär Jim Scherr. Man suche Wege, um bei Betrug und Manipulation über die Strafen für Athleten hinaus Trainer, Funktionäre und andere Mitarbeiter im Leistungssport zur Verantwortung ziehen zu können. Ueberroth kündigte zudem an, nächste Woche einen flammenden Appell zu veröffentlichen, in dem er um mehr Unterstützung, materiell und ideell, im Kampf gegen Doping bitte.

          Justin Gatlin: Testosteron

          „Dies ist eine nationale Angelegenheit. Wenn wir keine gemeinsame Anstrengung unternehmen, von Regierungsstellen und Sportverbänden, riskieren wir es, eine ganze Generation von Sportlern und Sportfans zu verlieren.“ Unter dem Eindruck der jüngsten Dopingfälle von Leichtathlet Justin Gatlin und Radprofi Floyd Landis sieht sich das UOSC unter Zugzwang. „Wir verlieren jegliche Legitimation, wenn wir jetzt nicht handeln“, so Scherr. „Wenn wir nicht in Ehre und Würde teilnehmen, bedeuten alle Resultate nichts.“ Scherr bereitete die Öffentlichkeit auf einen radikalen Kurswechsel vor: „Ein sauberes Team ist wichtiger als Medaillen. Wir sind darauf vorbereitet, wenn es notwendig ist, unseren Rang auf dem Medaillenspiegel zu opfern.“

          „Sie wissen sehr wohl, wer dopt“

          Im vergangenen Jahr war erstmals gefordert worden, Graham die Arbeitserlaubnis zu entziehen. Pat Connolly, eine Kollegin, die unter anderem Evelyn Ashford zu olympischem Ruhm führte, sagte damals: „Jeder Trainer, der einen gedopten Athleten hat, muß ebenfalls ausgeschlossen werden. Trainer müssen die Verantwortung übernehmen und können sich nicht auf den Standpunkt zurückziehen, nicht zu wissen, ob einer ihrer Athleten Drogen zu sich nimmt. Sie wollen uns doch für dumm verkaufen. Sie wissen sehr wohl, wer dopt.“

          Damals wurde der schon lange argwöhnisch beobachtete Graham verfolgt vom „Fall Balco“, der größten Dopingaffäre des amerikanischen Sports. Er habe reichlich Dopingmittel verteilt, so Balco-Laborchef Victor Conte sowie die Athleten Tim Montgomery und C. J. Hunter. Graham hatte Montgomery - inzwischen wegen Dopings gesperrt sowie aus vielen Ergebnis- und Rekordlisten gelöscht - für dessen Weltrekord-Sprint 2002 in Paris präpariert.

          Trevor Graham und sein Makel von 1988

          Schließlich entkam Graham dem Sturm der Entrüstung und schmückte sich mit neuen Stars, wie dem vor kurzem überführten Gatlin, der 2005 in Helsinki 100-Meter-Weltmeister wurde. Erfolge aus der Albtraum-Fabrik Grahams. Teilweise gehörte offenbar auch ein Mann zum Personal, der schon 1988 in Seoul einen Dopingskandal auslöste: Trainer Charlie Francis, der den Kanadier Ben Johnson betreute, soll an Montgomerys Weltrekord-Projekt als Berater beteiligt gewesen sein.

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