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Doping-Trainer Trevor Graham : Rekorde aus der Albtraum-Fabrik

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Der aus Jamaika stammende Graham, der sein Alter geheimhält, gewann 1988 in Seoul mit der 4 x 400-Meter-Staffel seines Heimatlandes die olympische Silbermedaille. Ein Makel: Er wurde damals in der ersten Runde und im Halbfinale eingesetzt, durfte aber nicht im Finale laufen. Damals soll er sich geschworen haben, künftig immer zu den Gewinnern zu gehören - und das für alle sichtbar. Am Saint Augustine's College in Raleigh im amerikanischen Bundesstaat North Carolina erwarb er einen Management-Abschluß. Ende der neunziger Jahre wagte er den Sprung vom Nebenerwerbs- zum Vollzeittrainer; als Mann hinter Marion Jones, die er von der talentierten Basketballspielerin zur Überfliegerin der Leichtathletik formte, wurde Graham bekannt. Diese Zusammenarbeit dauerte bis 2002; die damals mit Montgomery liierte Marion Jones ging im Streit - und zwar zunächst zu Dopingpapst Charlie Francis.

Liste von Grahams bestraften Dopingsündern ist lang

In seiner Vita listet Graham penibel auf, welche Sportler aus seiner Goldschmiede stammen. Mehr als zwanzig Olympia-Athleten hätten „Sprint Capitol USA“ 19 Medaillen, darunter 13 goldene, beschert. Hinweise auf frühere und aktuelle Dopingfälle fehlen selbstverständlich. Die Reihe der bestraften Dopingsünder aus der Graham-Schule ist lang: Neben Montgomery und Gatlin, dem als Wiederholungstäter ein lebenslanger Ausschluß droht, stehen darauf Michelle Collins, Calvin und Alvin Harrison, Patrick Jarrett, Tod Long, Dennis Mitchell, Jerome Young und, aus dem Behindertensport, Brian Frasure.

Einziger Nicht-Sprinter aus Grahams Stall war Kugelstoßer C. J. Hunter, Weltmeister 1999 und ein Jahr später, damals verheiratet mit Marion Jones, wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen. Marion Jones ist zwar von C. J. Hunter des Dopings bezichtigt, jedoch nie überführt worden (ihr Drogenlieferant, so Hunter, sei Graham gewesen). Sie hat noch all ihre Medaillen.

Ein krimineller Bandenkrieg unter Dopern?

Nachdem am vergangenen Wochenende Gatlin bekennen mußte, eine positive Dopingprobe abgeliefert zu haben, schlug wieder einmal Grahams Stunde als Geschichtenerzähler. Nicht der große Unbekannte, sondern ein ihm bekannter Mitarbeiter habe Gatlin im April hereingelegt, dessen Beine mit einer Testosteron-Creme behandelt. Graham muß es ja wissen: Im Balco-Labor war einst eine hochwirksame, bei Dopinganalysen nicht nachweisbare Creme zur Leistungssteigerung entwickelt worden.

Masseur Christopher Whetstine gab sich selbst als der vom Chef verdächtigte Mann zu erkennen - und stritt wie erwartet alles ab. Whetstine ist schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Und im Juni wurde er, am Rande der amerikanischen Leichtathletik-Meisterschaften, überfallen und schwer verletzt. Davon hat er sich noch nicht erholt. Als Angreifer sieht die Polizei Llewellyn Starks an, einen früheren Weitspringer, der wiederum mit Marion Jones gearbeitet hat. Ein krimineller Bandenkrieg unter Dopern?

In Zürich und Brüssel willkommen, in Berlin nicht

Auch Graham hat Feinde. Mit Balco-Laborchef Conte hat er sich wegen Geldstreitigkeiten überworfen, daraufhin schwärzte er Conte bei den Ermittlern an. Der frühere Graham-Mitarbeiter Angel Guillermo Heredia, ein Mexikaner, sagte vor einem amerikanischen Gericht aus, er habe „Sprint Capitol USA“ von 1996 bis 2000 mit Dopingmitteln beliefert, mit Steroiden, Wachstumshormon, Blutdopingmitteln. Auch Heredia hatte wohl finanzielle Differenzen mit Graham. Weitere frühere Mitarbeiter und Athleten traten als Belastungszeugen auf.

Trevor Graham ficht das nicht an: Mal behauptet er, er kenne diese Leute nicht, mal, die Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen. Bislang ist er damit durchgekommen. Und immer noch fehlen manchen Einsicht und Konsequenz: Bei den Sportfesten in Zürich und in Brüssel Ende August ist Grahams Skandaltruppe, anders als in Berlin, nach wie vor willkommen.

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