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Doping-Test positiv : Vor der Wahrheit kann Marion Jones nicht flüchten

  • -Aktualisiert am

Ging den Fahndern ins Netz: Marion Jones Bild: Reuters

Marion Jones hat laut ihrem Trainer Steve Riddick ihren positiven Dopingtest bestätigt. „Sie informierte mich, es gäbe bei ihr Spuren von Epo“, teilte der Coach der dreimaligen amerikanischen Sprint-Olympiasiegerin mit.

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          Es dauerte nicht lange, und eine Stimme aus der Vergangenheit meldete sich via E-Mail. Es war Victor Conte, der Mann im Mittelpunkt des größten Dopingskandals in der amerikanischen Geschichte, der 2004 in einem Fernsehinterview beschrieben hatte, auf welche Weise sich seine berühmte Kundin verbotene leistungsfördernde Mittel injiziert habe. „Ich habe bezogen auf meine Beziehung zu Marion Jones immer die Wahrheit gesagt“, meinte der ehemalige Eigentümer des ominösen Balco-Dopinglabors in San Francisco, der inzwischen seine Gefängnisstrafe abgesessen hat.

          Die Stellungnahme vom Samstag war das ferne Echo auf die Meldung des Tages aus der Leichtathletik, die am Anfang nur auf der Basis von anonymen Quellen kursierte, aber dann sogar von ihrem Trainer bestätigt wurde. Der hatte auf elektronischem Wege eine Nachricht direkt von der dreißigjährigen Sprinterin erhalten: „Sie sagte, ich hatte Spuren von Epo“, berichtete Steve Riddick. „Ich habe angefangen zu lachen. Aber sie hat gesagt, es sei ernst gemeint.“

          „Öffentlicher Selbstmord“

          Der Coach, der aufgrund seiner Verwicklungen in einen Scheckbetrügerring selbst in Schwierigkeiten steckt, mag die jüngste Entwicklung angeblich noch immer nicht glauben. Riddick tut so, als verstünde er überhaupt nichts von den vielen pharmakologischen Erkenntnissen, die sich Sportler heutzutage zu Nutze machen, um sich unlautere Vorteile zu verschaffen. Riddick hat angeblich erst in dem Moment mit der Recherche begonnen, als Marion Jones ihn mit dem positiven Dopingbefund auf Erythropoeitin (Epo) kontaktierte, und er ist zu diesem Fazit gelangt: „Es ist im Grunde unmöglich für Marion Jones, Epo zu nehmen und bei den Meisterschaften zu laufen. Das macht einfach alles keinen Sinn. Ich würde mein Leben darauf setzen, daß sie nie Epo genommen hat, es sei denn, sie möchte öffentlichen Selbstmord begehen.“

          Marion Jones im Juni in Indianapolis

          Mit dieser Einschätzung hätte Riddick vielleicht noch vor ein paar Jahren in den Vereinigten Staaten Zweifel säen und Sympathien wecken können. Im Sommer des Jahres 2006 erzielen solche Aussagen jedoch keinerlei positive Wirkung mehr. Statt dessen machten die wenigen Informationen über den Dopingfall Marion Jones am Samstag rasch und ohne jede Einschränkung die Runde. Sicher, so hieß es, man müsse noch die B-Probe abwarten. Aber die meinungsbildenden Medien sahen wenig Anlaß dafür, das Resultat aus der Urinprobe von den nationalen Meisterschaften am 24. Juni in Indianapolis anzuzweifeln, wo Marion Jones ihren ersten Titel im Sprint seit 2002 gewonnen hatte.

          Kryptische Hinweise

          In diesem Sommer war sie zum ersten Mal seit der Balco-Affäre wieder nennenswerte Zeiten (und sogar mehrmals unter elf Sekunden) gelaufen. Die Tatsache, daß sich die Athletin am Freitag urplötzlich ohne Worte aus Zürich abgesetzt und es ihren Repräsentanten überlassen hatte, der Welt ein paar kryptische Hinweise auf die Gründe für die Abreise vor ihrem geplanten Start bei Letzigrund-Meeting zu geben, wurde fast schon als Geständnis gewertet. Nachdem die Hauptdarstellerin verschwunden war, wurden die wenigen Fakten rasch verdichtet zu neuen Albtraum-Nachrichten für Amerika.

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