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Doping-Szene Deutschland : Kein Lohn für Sauberkeit

Das gierige Erfolgsgeschäft verschlingt seine Sieger: Auch die Triathletin Nina Kraft
          6 Min.

          Wie gut, daß es die Nationale Anti-Doping-Agentur - kurz: Nada - gibt. Das sagen alle: die deutschen Spitzensportverbände, die lästige Fragen nach unsauberen Leistungen gleich bis in die ehrwürdige Residenz nach Bonn durchwinken können; das Nationale Olympische Komitee, das sich die Reinheit seiner Olympiamannschaft von der Nada bescheinigen lassen kann; die Athleten selbst, die auf Fragen nach medikamentöser Leistungssteigerung gerne auf das Kontrollsystem der Nada verweisen.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Und auch der für Sport zuständige Bundesinnenminister Otto Schily kann bei Fragen nach seiner Verantwortung für das Dopingproblem im deutschen Sport die fünf Millionen Euro ins Feld führen, die der Steuerzahler ins Stiftungskapital der Nada einbrachte. Eine wirklich praktische Einrichtung: Die Nada, die Nachfolgeorganisation der Anti-Doping-Kommission des deutschen Sports, ist für alle da.

          Naturgemäße Schwächen

          Doch sehen wir genauer hin: Ist die Nada wirklich in der Lage, das Dopingproblem in Deutschland wirksam zu bekämpfen? Der positive Aspekt: Ohne sie wäre es noch schlimmer. Die Leistungssportler könnten noch hemmungsloser dopen, als sie es ohnehin schon tun.

          Eine Laborantin registriert im Institut für Biochemie in der Sporthochschule in Köln den Eingang von Dopingproben
          Eine Laborantin registriert im Institut für Biochemie in der Sporthochschule in Köln den Eingang von Dopingproben : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Doch die Nada leidet naturgemäß an den gleichen Schwächen, die das ganze, weltweite Anti-Doping-System behindern: Weil die Labore vieles nachweisen, aber nur selten gerichtsfeste Ergebnisse liefern können, ist ihr Kontrollsystem unzureichend. Die Nada ist zudem für ihre vielschichtigen Aufgaben, von Wettkampf- und Trainingskontrollen bis zur Prävention und zu der Einrichtung eines Schiedsgerichts, unterfinanziert und personell zu dünn ausgestattet.

          Zu stark spezialisiert

          Zieht man in Betracht, daß das Dopingproblem nicht nur im organisierten Sport besteht, sondern die Gesundheit und manchmal das Leben ungezählter Freizeitsportler gefährdet, ist die Nada viel zu stark spezialisiert.

          Gerade einmal sechs Leute sollen dafür sorgen, daß im Milliardengeschäft mit dem Sport, das in vielen Bereichen geradezu eine Aufforderung zum Doping darstellt, wenigstens hierzulande alles mit rechten Dingen zugeht. Der Jahresetat der Nada beträgt 1,2 Millionen Euro, was weniger als einem Prozent des Geldes entspricht, das 2005 vom Innenministerium zur Förderung des deutschen Leistungssports ausgeschüttet wird.

          Die deutsche Wirtschaft, die 2004 immerhin etwa 1,9 Milliarden Euro für Sportsponsoring ausgab, interessiert sich kaum für die Nada. Die Stiftung bekommt von lediglich drei Firmen, der Deutschen Bank, Adidas und der Deutschen Telekom, im gleichen Zeitraum 150.000 Euro. „Daß in einer reichen Sportnation wie der unseren nicht mehr Geld für den Anti-Doping-Kampf ausgegeben wird, ist traurig“, findet Nada-Geschäftsführer Roland Augustin.

          Für Kritiker nur ein Feigenblatt

          Da ist es kein Wunder, daß Kritiker diese Institution nur als ein Feigenblatt ansehen, in dessen Schatten die Hochleistungsfetischisten in Ruhe ihre leistungssteigernden Kuren planen können. Ein Alibi-Unternehmen, das die moralisch unangefochtene Fernsehunterhaltung sichert und den sportbegeisterten Deutschen den Glauben an ihre sauberen Radrennfahrer, Schwimmer, Leichtathleten und Skilangläufer bewahrt.

          Die Bemühungen, das Übel zu bekämpfen, sind zwar deutlich erkennbar. Doch im Profisport, wo auch das professionelle Doping praktiziert wird, sind die Kontrolleure den Dopern trotz aller - auch vom Selbsterhaltungstrieb befeuerten - Bekenntnisse nicht gewachsen. Erwischt wird nur ein Sportler, der einen Fehler macht, der nicht weiß, wie man die gängigen Mittel „richtig“ anwendet oder verschleiert. Oder der - wie die erwischten Anabolikasünder von Athen - einem geheimgehaltenen Analysefortschritt aufsitzt. Doch solche Phänomene sind nur von kurzer Dauer.

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