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Doping : Schumachers Briefgeheimnisse

Stefan Schumacher: „am Boden zerstört” Bild: AP

Stefan Schumachers Anwalt Michael Lehner setzt auf eine bekannte Taktik: er greift das Testsystem an und formuliert „begründete Zweifel“ an den Vorwürfen gegen seinen Mandanten. Das französische Labor ist Kummer in dieser Beziehung gewohnt.

          Der Radprofi Stefan Schumacher schweigt zu den Dopingvorwürfen gegen seine Person und hat sich zurückgezogen. Stattdessen ging seine Entourage am Donnerstag zum Angriff über. In zwei Erklärungen haben sein Manager Heinz Betz und sein Anwalt Michael Lehner durchblicken lassen, mit welcher Strategie sie ihren Klienten aus der Bredouille befreien wollen.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Es ist die übliche Vorgehensweise: Angriffe gegen das Testsystem, in diesem Fall die französische Anti-Doping-Agentur AFLD, und Vorbehalte gegen das betreffende Analyse-Labor. Das Institut in Châtenay-Malabry ist in dieser Beziehung Kummer gewohnt. Der berühmteste Doping-Sünder, der versucht hat, die Glaubwürdigkeit des von der Welt-Anti-Doping-Agentur akkreditierten Labors zu erschüttern - bisher vergeblich - war der Amerikaner Floyd Landis.

          Lehner hat „begründete Zweifel“

          Auch Schumachers bei der Tour de France entnommene Blutproben wurden in dem französischen Labor analysiert, wobei sich gleich bei zwei A-Proben Spuren des Blutdopingmittels Cera fanden. Bis zur Tour de France hatten die Sportler geglaubt, Cera wäre nicht nachweisbar. Schumacher wurde erst bei Nach-Analysen lange nach Ende der Tour ertappt. Schumacher muss nun innerhalb einer Fünftagesfrist Stellung zu den positiven Ergebnissen nehmen oder die Öffnung der B-Proben beantragen.

          Lehner behauptet in seiner Stellungnahme, es gebe „begründeten Zweifel an der Richtigkeit der gegen Schumacher erhobenen Vorwürfe“. Der Anwalt aus Heidelberg, der schon in vielen Dopingfällen aktiv war, lässt durchblicken, dass seiner Meinung nach die Nach-Tests nicht regulär abgelaufen sind und die Proben nicht ordnungsgemäß zugeordnet wurden. „Unter welchen Umständen und welche Blutproben drei Monate später im Labor in Châtenay-Malabry angeblich positiv auf Cera getestet worden sein sollen, ist nach den bisher vorliegenden Unterlagen völlig unklar.“

          Staatsanwaltschaft ermittelt

          Die positiven Tests stammen vom 3. und 15. Juli. Zu jenen Terminen - bei der Eingangskontrolle und einer weiteren Kontrolle an einem Ruhetag - hätten sich die Blutwerte laut der ersten Dopingtests „im absolut unauffälligen Bereich“ bewegt. Allerdings hat das Labor damals nur im Urin der Rennfahrer nach dem Blutverdicker Erythropoetin gesucht. Ein erst nachträglich angewandter Bluttest ergab vor wenigen Tagen die positiven Resultate, die schließlich am Montag öffentlich wurden. Schumacher sei der Letzte gewesen, der von den Vorwürfen erfahren habe, erklärt Lehner.

          Der Staatsanwalt habe ihm am Dienstag bei einer Hausdurchsuchung in seinem Privathaus einen an ihn adressierten Brief der AFLD überreicht: „Bereits geöffnet und ohne die deutsche Übersetzung, die der Umschlag angeblich enthalten sollte.“ Ermittelt wird gegen Schumacher wegen des Verdachts der Täuschung seines bisherigen Arbeitgebers, des Gerolsteiner-Teams. Anwalt Lehner sieht von dieser Seite wenig Gefahr. Die Beamten hätten kein Belastungsmaterial vorgefunden, erklärte er.

          Quick Step will Vertrag mit Schumacher auflösen

          Auch Schumachers Manager Heinz Betz, ein ehemaliger Radprofi, bezieht sich auf Medienberichte, nach denen die AFLD 30 Radrennfahrer in Briefen auf ihre auffälligen Blutwerte hingewiesen habe: „Stefan hat nie einen solchen Brief erhalten.“ Der Rennfahrer sei „am Boden zerstört. Er wird sich zu gegebener Zeit zu Wort melden“. Das Ausnutzen der Kronzeugen-Regelung, die Lehner seinen Mandanten Patrik Sinkewitz und Jörg Jaksche empfohlen hatte, wird er Schumacher nicht nahelegen. Beide hatten zwar eine Verkürzung ihrer Sperren erreicht, danach aber in ihrem Sport nicht mehr Fuß fassen können.

          Derweil zeichnet sich ab, dass der belgische Rennstall Quick Step nicht zu seiner Neu-Verpflichtung Schumacher stehen will. Das Team will den für 2009 geschlossenen Vertrag auflösen. „Ich betrachte ihn als null und nichtig“, sagte Teamchef Patrick Lefevere der belgischen Zeitung „Gazet van Antwerpen“. Schumachers bisheriger Arbeitgeber Hans-Michael Holczer, Leiter des Teams Gerolsteiner, fühlt sich von dem Fahrer betrogen. Gescheitert war de Rennstall schon vorher - wegen fehlender Sponsorenzusagen.

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