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Dopingsanktionen : Die Langsamkeit nach dem Lauf

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Langstreckenläuferin Alina Reh: Auch mit Platz vier wäre sie mit sich und ihrem Rennen im Reinen gewesen. Bild: Picture-Alliance

Die Freude des Moments kann es nicht geben, wenn Medaillen Jahre später neu vergeben werden. Doch Dopingprozesse ziehen sich ewig. Dabei gäbe es unmittelbare Sanktionen gegen Hochverdächtige.

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          Ein gewisser Verdacht gegenüber Sportlern läuft immer mit. Auch der, dass sie grundsätzlich nicht zufriedenzustellen seien. Es geht immer noch ein bisschen besser. Citius, altius, fortius. Das Motto der Olympischen Spiele fordert geradezu die permanente Selbstoptimierung. Oder, um es mit einer ursprünglich negativ konnotierten Mode-Vokabel des großen Sports zu sagen: Die Gier nach Erfolg ist immens. Da macht es offenbar auch nichts, dass Habsucht als eine der sieben Todsünden gilt.

          Alina Reh erweist sich als erstaunlich immun gegen den Zwang, besser dastehen zu wollen, als sie ist. Mit ihrem vierten Platz sei sie mehr als zufrieden gewesen, damals wie heute, sagt die Langstreckenläuferin über ihr Resultat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 2018 in Berlin über 10.000 Meter. Zufrieden? Mit Platz vier? Dem ewig undankbaren? Kein Ärger wegen der verpassten Medaille? Nein, sagt die 23-Jährige. Sie ziehe den persönlichen Profit ihres Sports aus dem reinen Tun heraus, dem Laufen, nicht zwingend aus dem daraus resultierenden Ergebnis. Eine Medaille wäre schön gewesen, meint sie, aber sie hadere nicht.

          Doch nun sieht es plötzlich so aus, als würde sie nachträglich doch noch aufrücken auf den Bronzeplatz. Die Schwedin Meraf Bahta, seinerzeit etwa neun Sekunden schneller unterwegs als Alina Reh, verliert ihre Medaille. Vor der Europameisterschaft hatte sie drei Doping-Tests verpasst und lief an jenem 8. August unter Vorbehalt. Nach der EM wurde sie gesperrt, zunächst vom 1. September 2018 an. Nun, exakt zwei Jahre danach, wird auch der Zeitraum vom 24. Mai bis 31. August sanktioniert, wie die Athletics Integrity Unit (AIU) des Weltverbands World Athletics mitteilt.

          Das wirkt wie eine Farce, die in unendlich vielen Varianten immer wiederkehrt. Nadine Kleinert wurde in ihrer Karriere als Kugelstoßerin nicht weniger als 15 Mal nachträglich hochgestuft, darunter bei Olympia in Athen. Doperinnen, die vor ihr plaziert waren, wurden in manchen Fällen Jahre später überführt und disqualifiziert. Hammerwerfer Markus Esser galt als trauriger Vertreter seiner Art, da er auf vierte Plätze abonniert schien und sie sich nicht schönreden konnte. Jahre später stellte sich heraus, dass auch ihm diverse Doper die Show gestohlen hatten und vor allem das unschlagbare Gefühl, im Stadion auf dem Siegertreppchen feiern zu können und gefeiert zu werden. Seine Bronzemedaille von der Europameisterschaft 2006 erhielt Esser im Juli 2015. Einfache Erklärung: Proben werden bis zu zehn Jahre lang aufbewahrt; nicht selten führen neu entwickelte Verfahren zum Nachweis des Betrugs.

          Das ist bei verpassten Kontrollen selbstverständlich anders. Bei drei ist das Maß voll, die unkontrollierbare Athletin soll behandelt werden wie bei einer positiven Probe. Selbstverständlich darf jede noch so verdächtige Läuferin ihre Rechtsmittel ausschöpfen und damit, wenn schon nicht das Verfahren, so doch Zeit gewinnen. Anders als im Strafrecht gibt es deshalb im Sport die vorläufige Suspendierung, die schnelle und damit wirksame Sanktionen ermöglicht, bevor der Prozess abgeschlossen ist. Alina Reh wäre vermutlich, hätte der schwedische Verband seine hochverdächtige Läuferin damals aus dem Rennen genommen, seit zwei Jahren Medaillengewinnerin von Berlin 2018. Auch dies eine Entdeckung der Langsamkeit: Wann wohl wird sie die vakante Bronzemedaille erhalten?

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