https://www.faz.net/-gtl-ytla

Doping in der DDR : Verharmlosendes Bekenntnis?

„Schwere gesundheitliche Zwischenfälle oder sogar Todesfälle passierten in der DDR nicht”: Thomas Köhler (undatiertes Foto) Bild: dpa

In seinem Buch „Zwei Seiten der Medaille“ gibt ein hoher Sportfunktionär aus DDR-Zeiten Doping-Praktiken in seinem Verband zu. Der Sprecher des Dopingopfer-Hilfe-Vereins, Uwe Trömer, spricht von Verharmlosung. Bei einer Lesung kam es zum Eklat.

          1 Min.

          Der Sprecher des Dopingopfer-Hilfe-Vereins, Uwe Trömer, hat Aussagen des früheren Sportfunktionärs Thomas Köhler über das Dopingsystem der DDR als „unverschämte Lüge“ bezeichnet. „Herr Köhler schreibt, es habe Minderjährigendoping erst ab 16 Jahren, es habe keine schweren Nebenwirkungen gegeben und die DDR habe das Doping unter Kontrolle gehabt“, sagte Trömer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Das Gegenteil war der Fall.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Trömer ist ein staatlich anerkanntes Dopingopfer der DDR. Der Berliner reagierte mit seiner Aussage auf Köhlers Buch mit dem Titel: „Zwei Seiten der Medaille“, das am Donnerstag erscheint. Darin bestätigt der frühere Vizepräsident des Deutschen Turn-und Sportbundes der DDR zwar das (längst per Dokument bewiesene) flächendeckende Doping in der DDR. Unter anderem behauptet der siebzigjährige Rodel-Olympiasieger aber auch, dass „die Vergabe von Medikamenten unter strengster Beachtung der ärztlichen Sorgfaltspflicht“ erfolgt sei.

          Nach Angaben der Deutschen Presseagentur schreibt Köhler: „Schwere gesundheitliche Zwischenfälle oder sogar Todesfälle passierten in der DDR nicht.“ Trömer verwies in diesem Zusammenhang auf die während der Dopingprozesse in Berlin vor gut zehn Jahren gerichtlich festgestellten Schäden bei gedopten Sportlern.

          „Ich kann beweisen, dass es anders war. Die Akten sind vorhanden und bekannt”: Uwe Trömer

          Köhlers Behauptung, Doping bei Minderjährigen sei grundsätzlich nicht gestattet gewesen und geschah „unter Beachtung des biologischen Reifegrades“, wertet Trömer als „Blödsinn. Ich kann beweisen, dass es anders war. Die Akten sind vorhanden und bekannt.“

          Bei einer Lesung Köhlers war es am Freitag in Berlin zu einem Eklat gekommen, als Trömer seine Beweise vorlegen wollte. Köhler begründet das DDR-Doping mit dem Versuch, Chancengleichheit herzustellen. „Flächendeckend“ waren demnach auch die Dopingmaßnahmen in Westdeutschland. Köhler musste wegen seiner Beteiligung am Dopingsystem der DDR eine Geldbuße von 26.400 Mark zahlen.

          Weitere Themen

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Der amerikanische Präsident Donald Trump spricht Mitte Januar bei einer Wahlkampfkundgebung im Bundesstaat Wisconsin.

          Wahlen in Amerika : Die Opposition muss draußen bleiben

          In der republikanischen Partei gibt es durchaus ein paar Trump-Gegner, sie haben aber meist keine gewählten Ämter. Eine neue Lobbygruppe ruft in ihrer Verzweiflung nun zur Wahl von Demokraten auf.
          Dubravko Mandic vergangenen Herbst in Leipzig

          Protest der AfD gegen SWR : Eine Grenze überschritten

          Nach dem „Oma-Video“ hat die AfD in Baden-Baden gegen die Öffentlich-Rechtlichen gehetzt, darunter der Politiker Dubravko Mandic. Der Auftritt könnte strafrechtliche Folgen haben.

          Harry und Meghan : Ohne königlichen Glanz

          Ein unabhängigeres Leben führen und dennoch im Namen der Königin auftreten, das war der Plan von Harry und Meghan. Er hat sich nicht erfüllt. Und nun sinkt auch noch die Beliebtheit des Rotschopfs. Schwere Zeiten für das einstige königliche Traumpaar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.