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Doping im Spitzensport : Hundefutter für das Peloton

  • -Aktualisiert am

Sp(r)itzensport Bild: picture-alliance / dpa

Der niederländische Arzt Berend Nikkels gibt einen Einblick in die aktuelle Dopingszene. Er berichtet von „Zellen“ in Spanien, Italien, Österreich und der Schweiz, die Spitzensportler mit unerlaubten Mitteln versorgen: „Dort ist alles zu bekommen.“

          Man kann nicht sagen, daß der Niederländer Berend Nikkels in Deutschland ein bekannter Mann wäre. In der Eisschnellaufszene ist er manchen noch ein Begriff, er war jahrelang ganz offiziell der Arzt des Privatteams Spaarselect. Zu diesem Team gehörten bis zu seiner Auflösung im Jahr 2002 einige der besten Läufer aus den Niederlanden, etwa die Olympiasieger Gianni Romme und Marianne Timmer, große Figuren in der Sportszene ihres Landes.

          Warum die bloße Erwähnung von Berend Nikkels in der Branche noch immer Stirnrunzeln auslöst, weiß man seit Januar dieses Jahres. Denn da tauchte der Name des Arztes aus Breda ganz plötzlich in Deutschland auf - und zwar in einer ganz brisanten Angelegenheit, dem Dopingprozeß gegen den Magdeburger Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein (Siehe auch: 16 Monate Bewährungsstrafe für Springstein). Vor Gericht verlesene E-Mails ließen den Schluß zu, daß Springstein vor einigen Jahren in Kontakt mit Nikkels stand. Eine mit seinem Namen versehene Nachricht ("Nikkels an Top Speed") liest sich wie eine detaillierte Gebrauchsanleitung für die Einnahme von Eprex. Hinter dem Namen dieses Medikaments verbirgt sich das Blutdopingmittel Erythropoietin, kurz Epo.

          Kontakte zu Springstein

          In niederländischen Zeitungen räumte Nikkels damals zwar Kontakte zu Springstein ein. Aber er behauptete, diese Kontakte hätten niemals mit Doping zu tun gehabt. Doch jetzt hatte Nikkels in seiner Heimat einige öffentliche Auftritte, die erst recht an dieser Darstellung zweifeln lassen. In einem Interview mit der seriösen Tageszeitung "NRC Handelsblad" und später auch im niederländischen Fernsehen gab Nikkels so ungeniert und so fachkundig Auskunft über die im Radsport gängigen Dopingpraktiken, daß man das Gefühl hat: Hier spricht ein Experte (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Das Zeitalter des Gendopings hat begonnen).

          Simon Vroemen - auch ein Schützling von Berend Nikkels

          Der Autor des Berichts in der Zeitung "NRC Handelsblad" nennt Nikkels in seinem gänzlich kritikfreien Bericht denn auch "einen der wenigen Insider auf dem Gebiet des Blutdopings". Der Artikel beginnt damit, daß Nikkels dem Journalisten bei dessen Besuch in seiner Hausarztpraxis in Breda einen Beutel zeigt, der einen Stoff namens Oxiglobin enthalte: denaturiertes, immunologisch neutral gemachtes Rinderblut. "Hundefutter nennen sie das im Peloton", so wird Nikkels zitiert. Die Substanz sei für die Veterinärmedizin entwickelt worden, zur Behandlung von Blutverlusten, etwa nach Operationen an Hunden (daher der Name "Hundefutter"). Für Nikkels ist das Blutersatzmittel eines der kommenden Dopingpräparate. Noch seien das keine Wundermittel. "Aber es gibt auf diesem Gebiet enorme Entwicklungen. Kunstblut, um es populär auszudrücken. Bald werden wir die ersten Fälle davon haben."

          „Ein schwieriges Produkt“

          Reiner Zufall, daß im E-Mail-Verkehr von Thomas Springstein auch von Oxiglobinen die Rede ist? "Dieses ist ein schwieriges Produkt, da der eigene Körper eine Gegenreaktion auf die synthetischen Hämoglobine zeigen kann", heißt es in einer Mail von einem gewissen "Peraita" (Spitzname "Top Doc") an Springstein, "wir versuchen es aus Krankenhäusern in den USA zu bekommen." Peraita soll ein Arzt aus Madrid sein. Im Interview mit dem "NRC Handelsblad" sprach Berend Nikkels nun von "Zellen", die die Athleten mit Dopingmitteln versorgen: "Es gibt in Spanien zwei Zellen, ebenso in Italien, eine in Österreich. (...)Dort ist alles zu bekommen." Im niederländischen Fernsehen bezog Nikkels später auch die Schweiz in das Doping-Netzwerk mit ein.

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