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Doping im Radsport : Ein Liter Wasser zum Reinwaschen

Doping bleibt die Geißel des Radsports Bild:

Der Blutpass gilt als Fortschritt im Anti-Doping-Kampf. Aber: Helfen intelligente Kontrollen beispielsweise bei Rennen wie dem 1. Mai-Klassiker in Frankfurt auch gegen intelligente Doper? Bislang trifft es meist nur die zweite oder dritte Garde.

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          Er hätte einfach nur mehr trinken müssen, dann wären ihm vermutlich die ganzen Schwierigkeiten erspart geblieben. Vielleicht hätte ein Liter Wasser schon genügt, um sich reinzuwaschen, im wahrsten Wortsinn. Ein Liter nur - und er wäre womöglich nicht ertappt worden, er hätte sich weiter seinem Beruf widmen können und seinen Tricksereien. Aber er hatte nicht mit dem Spürsinn der Jäger gerechnet, die an einem März-Tag frühmorgens vor seiner Tür standen. Die Herren verlangten eine Urinprobe, und so tappte er in die Falle.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Der Schweizer Radprofi Thomas Frei war am 21. März, einem Sonntag, von den Doping-Fahndern aufgesucht worden. Am Abend zuvor hatte er sich eine Mikrodosis Epo gespritzt - eine Menge, die eigentlich nur wenige Stunden nachzuweisen ist. Dass er tags darauf überprüft werden würde, schien ihm unwahrscheinlich zu sein. Es war ein Irrglaube. Nach der positiven A-Probe legte der Schweizer ein Geständnis ab. Er besaß dabei noch die Chuzpe, darauf hinzuweisen, dass er es schlichtweg versäumt habe, nach dem Epo-Doping genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Die Aussage belegt, wie unverfroren in der Branche weiterhin mit dem Thema Doping umgegangen wird.

          Frei gehört zu einer Handvoll Profis, die in den vergangenen Tagen des betrügerischen Handelns beschuldigt worden sind. Es handelte es sich um einige Epo-Fälle, aber auch um einen Missbrauch mit Clenbuterol. Damit wurde der Chinese Li Fuyu erwischt, der bei der neuen Equipe des Amerikaners Lance Armstrong unter Vertrag steht. Frei, der für das Team BMC Racing fuhr, und Li Fuyu müssen mit zweijährigen Sperren rechnen.

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          „Der Türspalt wird immer enger“

          Das muss jedoch, wie das Beispiel Alexander Winokurow zeigt, keineswegs das Karriereende bedeuten; der Kasache, der Blut-Doping praktiziert hatte, sitzt wieder ungeniert auf dem Rad und hat gerade erst den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen. Die Enthüllungen häuften sich zwar zuletzt, wirklich überraschend aber kamen sie nicht. Die Bereitschaft, auf verbotene Beschleuniger zurückzugreifen, scheint trotz der vielen Skandale in den zurückliegenden Jahren ungebrochen zu sein.

          Als Indiz dafür gelten nicht zuletzt die frischen Ermittlungen der italienischen Behörden gegen das Team Lampre. So glaubt auch der Freiburger Mediziner York Olaf Schumacher, Mitglied der medizinischen Kommission im Internationalen Radsportverband (UCI), dass weiterhin „auf breiter Front“ manipuliert werde. Dennoch sieht der Deutsche Fortschritte im Kampf gegen Doping, in den die UCI 2009 neun Millionen Schweizer Franken investierte. Schumacher beschreibt in bildlicher Sprache, dass die Lage für Fahrer mit unlauteren Absichten schwieriger geworden sei: „Der Türspalt, durch den sie sich zwängen müssen, wird immer enger.“

          „Die Leute schnappt man vor der Tour“

          Das Mittel, auf das auch Schumacher setzt, ist der „Blutpass“, der von der UCI im Jahr 2007 eingeführt wurde. Darin werden Blutprofile von derzeit 700 Profis erfasst - Abweichungen bei neuen Untersuchungen könnten ein Zeichen für Doping sein. Im ersten Jahr dieses Projekts, sagt Schumacher, sei noch mit Schrotschüssen gearbeitet worden; das heißt, dass es damals vor allem darum ging, möglichst viele Profis möglichst oft zu testen. Inzwischen soll das System verfeinert worden sein: Kandidaten mit auffälligen Werten werden zielgerichtet unter die Lupe genommen.

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