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Motor-Doping im Radsport : Ein Turbo im Sattelrohr

Wohin des Weges? Femke Van Den Driessche wurde im Januar mit Motor am Rad erwischt. Bild: Picture-Alliance

Nach der chemischen droht dem Radsport jetzt die technische Manipulation – mit gut versteckten Mini-Motoren. Erwischt wurde mit Velo-Doping bislang nur eine Crossfahrerin. Doch auch bei den Stars gibt es Verdächtige.

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          Wer jemals mit einem Vivax-Motor der Tiroler Firma Gruber im Sattelrohr seines Rennrades den Mont Ventoux hinaufgefahren ist, hat hinterher einiges zu erzählen im Café unten in Malaucene, dem hübschen Ort am Fuße des mächtigen Berges. Nur der Freund, der auf einer Strecke von 20 Kilometern die 1600 Höhenmeter mit hochgestrampelt ist und nichts vom zusätzlichen Antrieb wusste, ist hinterher nicht mehr so gut bei Laune und bei Atem.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Eigentlich fährt er viel schneller, vor allem solch steile Rampen hinauf, er ist es gewohnt, zu warten oder mal langsam zu machen, damit die anderen mitkommen, aber diesmal hechelt er hinterher, ohne Chance, am Hinterrad zu bleiben, immer hundert, zweihundert Meter zurück. Wenn er antritt, um den Rückstand aufzuholen, genügt ein Druck auf den versteckten Knopf am Lenker, und schon schnurrt der Motor, 110 Watt bringt er zusätzlich auf die Tretkurbel, das ist eine Menge - unmöglich einzuholen auch für einen deutlich stärkeren Fahrer.

          Doping made in Germany?

          Wer jemals mit diesem unsichtbaren Motor und einem getarnten Mini-Akku unterwegs war, der hält vieles für möglich. Stichwort „Motordoping“. Dieses Thema hat in den vergangenen Monaten auch im Lager der Profis Fahrt aufgenommen. Wird auf Bahn und Straße womöglich nicht mehr nur mit chemischen Mitteln nachgeholfen, sondern auch mit technischen? Ist manch unfassbarer Antritt nicht das Ergebnis von großem Talent und hartem Training, sondern von einem winzigen Motor? Und ist die Entwicklung vielleicht längst viel weiter?

          Die italienische Zeitung „Gazetta dello Sport“ beschrieb im vergangenen Jahr eine modernere, buchstäblich bahnbrechende Technik, die - modifiziert - auch im Profisport zum Einsatz kommen könnte: ein 2014 vorgestelltes elektromagnetisches Felgenantriebskonzept made in Germany, das vom Bundesforschungsministerium mit 1,8 Millionen Euro gefördert wurde. Magnete und Spule dieses Motors sind in Felge und Schutzblech integriert, Batterie und Elektronik am Rahmen. Das Unternehmen Carbo-Fibre-Tec, das den Antrieb für Elektro-Zweiräder entwickelt hat, räumt ein, dass es möglich sei, den Rotor unsichtbar in die Felge zu integrieren, der Stator aber, der unbewegliche Teil des Antriebs, könne nicht gänzlich versteckt werden. Ein unsichtbarer Einsatz im Rennsport sei nicht möglich.

          Warum denn schieben? Die Belgierin Femke Van Den Driessche hatte ganz andere Möglichkeiten Bilderstrecke

          Aber Tüftler gibt es genug, und solch ein Motor ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern verspricht auch ein gutes Geschäft. Vincent Wathelet, der Manager des Straßen-Weltmeisters von 2012, Philippe Gilbert, berichtete dem belgischen Internetportal „sporza.be“ vom ungarischen Konstrukteur Istvan Varjas, der 2015 rund 1400 Spezialmotoren verkauft habe. Der Antrieb sei nur etwa fünf Zentimeter groß, koste 7500 Euro, leiste bis zu 250 Watt und werde „sicher nicht nur an Hobbyfahrer verkauft“ - ein Verdacht, der naheliegt.

          Ende Januar war bei der Cross-Weltmeisterschaft in Belgien Femke Van den Driessche mit einem Motor im Rahmen erwischt worden. Es war der erste Fall von bekanntgewordenem „Motordoping“ in der Geschichte des professionellen Radsports. Der Internationale Radsportverband (UCI) sperrte die 19-jährige Belgierin für sechs Jahre und brummte ihr 20 000 Schweizer Franken Strafe sowie die Prozesskosten auf. Femke Van den Driessche – eine Einzeltäterin aus dem Juniorenlager?

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