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Bob Baffert : Wie sich ein Rennpferdtrainer aus Dopingsperren klagt

  • -Aktualisiert am

Wie kommt er da wieder heraus? Bob Baffert (rechts) gibt sich nicht geschlagen. Bild: Reuters

Hausverbot, nicht zugelassene Pferde: Der des Dopings überführte Rennpferdtrainer Bob Baffert kämpft an vielen Fronten gegen diverse Sperren – immer wieder mit Erfolg.

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          Eigentlich schien die Angelegenheit bereits im Juni entschieden. Da hatte eine B-Probe bestätigt, dass Medina Spirit, der als Erster im diesjährigen Kentucky Derby die Ziellinie erreichte, eine verbotene Substanz in seinem Körper hatte. Dass der Hengst vor dem Rennen mit dem entzündungshemmenden Steroidhormon Betamethason behandelt worden war, gab wenige Tage später sogar sein Trainer zu. Doch die Verantwortung dafür versucht Bob Baffert seitdem mit Hilfe zahlreicher Anwälte gleich an mehreren Schauplätzen von sich abzuwälzen.

          Die zweijährige Sperre, die der Eigentümer von Churchill Downs, des Austragungsorts des Traditionsrennens, aus diesem Grund verhängt hatte, ist zwar noch immer in Kraft. An anderen Fronten aber kämpft der 68-Jährige mit einigem Erfolg gegen weitere Sanktionen. So hob ein ordentliches Gericht in New York im Juni eine gegen ihn verhängte Sperre der New Yorker Aufsichtsgremien wieder auf. Der Grund: Man hatte ihm vor Verhängung der Strafe keine Gelegenheit gegeben, seine Sichtweise der Causa darzustellen.

          Die Funktionäre im organisatorischen Labyrinth des amerikanischen Galoppsports, wo es in jedem Bundesstaat eigene Regeln gibt, aber keine zentrale Institution auf Bundesebene, wollen jedoch so schnell nicht aufgeben. Ihr Kampf gegen den berühmten, erfolgreichen und bestens vernetzten Trainer geht weiter. Sei es vor Gericht in Kentucky, wo es mittlerweile um den Umgang mit jenen Millilitern geht, die von den Doping-Proben übrig geblieben sind. Oder in New York, wo man Regularien überarbeitet hat, um sich gegen zukünftige juristische Auseinandersetzungen zu wappnen.

          „Zunehmend ungewöhnlichere Erklärungen“

          Auch die Verantwortlichen für den Breeders Cup, das prestigeträchtige Herbst-Meeting, das in diesem Jahr am 5. und 6. November im kalifornischen Del Mar ausgetragen wird, sehen sich gezwungen, sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Hauptproblem: Offiziell wurde Medina Spirit bis heute nicht von der Rennaufsicht in Kentucky für den Doping-Verstoß disqualifiziert, weil Baffert dagegen prozessiert und auf diese Weise eine Entscheidung hinauszögert.

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          Immerhin legte Kentucky-Derby-Ausrichter Churchill Downs mit Blick auf die kommende Saison vor ein paar Tagen nach. Zusätzlich zum Hausverbot für Baffert wird man Pferde, die er betreut und die im Vorfeld genügend Qualifikationspunkte sammeln, nicht mehr zulassen. Die Verantwortlichen sehen in ihrer Maßnahme offensichtlich die einzige Möglichkeit, die Reputation des Traditionsrennens zu schützen, das 1875 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Denn Baffert war in der Vergangenheit nicht nur immer wieder wegen Dopings mit Geldbußen bestraft worden, sondern hatte für die positiven Tests „zunehmend ungewöhnlichere Erklärungen“ abgeliefert, wie man in Louisville festgestellt hatte, wo der Sieger eine Prämie von 1,8 Millionen Dollar erhält.

          Die Sperre hat zusätzliche Auswirkungen. Dreijährigen, die in Churchill Downs nicht an den Start gehen können, wird dadurch die Möglichkeit verbaut, die Triple Crown zu gewinnen. Siege in den drei kurz nacheinander ausgetragenen Rennen bestimmen in jedem Frühjahr den Ruf und den kommerziellen Wert eines Pferdes. Baffert hatte zuletzt 2015 mit American Pharoah ein Ausnahmepferd betreut. Der Hengst hatte in nur einer Saison stattliche 8,6 Millionen Dollar eingespielt. Ein Betrag, der jedoch nichts gegen die Einnahmen ist, die er seitdem erwirtschaftet. Seine Zuchtrechte wurden wenig später pauschal für rund 20 Millionen Dollar verkauft. Die Deckprämien, die er seitdem erzielt, liegen bei 200.000 Dollar pro Sprung. Leicht verdientes Geld. Die populärsten Deckhengste schaffen mehr als 150 Einsätze im Jahr.

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