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Doping im Galopp : Die verhängnisvollen Äpfel der Pferde

  • -Aktualisiert am

Futter mit Folgen: Grocer Jack hatte Koffein im Essen Bild: Imago

Doping ist auch im Galoppsport immer wieder ein Thema. Zuletzt wurden fünf in Deutschland trainierte Pferde positiv auf Koffein getestet. Doch der Fehler lag beim Hersteller des Futtermittels.

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          Das war ein teurer „Snack“: Wegen eines verunreinigten Futtermittels sind in jüngster Zeit fünf in Deutschland trainierte Pferde positiv auf Koffein getestet worden – ein Stoff, der auf der Liste der verbotenen Mittel steht. Prominentester Fall ist der dreijährige Hengst Grocer Jack, der eigentlich Dritter im Deutschen Derby in Hamburg Mitte Juli gewesen wäre. Doch er wurde nachträglich disqualifiziert, das Preisgeld in Höhe von 78 000 Euro wanderte von Besitzer Christoph Berglar ins Gestüt Röttgen, dessen Hengst Kaspar einen Platz aufrückte. Die Wetten bleiben in einem solchen Fall allerdings unangetastet, um den Rennbetrieb nicht zu gefährden. Wenn die Klingel der Rennleitung ertönt, wird das Ergebnis nicht mehr hinterfragt, ähnlich wie eine Tatsachenentscheidung im Fußball.

          „Die Pferde, die nach ihren Rennen im Juli positiv getestet wurden, sind aus den Ergebnislisten gestrichen worden“, sagte Michael Vesper, Präsident des Dachverbands. „Deutscher Galopp bekennt sich nicht zuletzt aus Tierschutzgründen weiterhin zur seit vielen Jahren praktizierten Politik der Null-Toleranz und zu einer konsequenten, international vorbildlichen Anti-Doping-Politik.“

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          Doping ist wie in fast jedem Sport auch im Galopp immer wieder ein Thema. In den Vereinigten Staaten ist beispielsweise ein blutungshemmendes Mittel wie Lasix erlaubt, in Europa hingegen verboten. Vor einigen Jahren wurde in England Mahmood al-Zarooni, damals Trainer für den Dubai-Herrscher Scheich Mohammed, gesperrt, weil er seinen Pferden anabole Steroide verabreicht hatte. Doch in dem aktuellen Fall handelte es sich eindeutig nicht um Manipulationsversuche, sondern um einen Fehler des Herstellers. Dem Futtermittel sei Apfeltrester, also die Pressrückstände bei der Herstellung von Apfelsaft, beigefügt worden, erklärte der Hersteller. Daher stamme das Koffein.

          Da das Unternehmen die Verunreinigung selbst eingeräumt hatte, wurden die betroffenen Trainer, im Falle von Grocer Jack der in Köln tätige Waldemar Hickst, nicht bestraft. Weder Besitzer noch Trainer könne man Vorsatz oder Fahrlässigkeit unterstellen, so Vesper. Die Disqualifikation sei aber unvermeidlich gewesen. Das normalerweise geltende Startverbot von sechs Wochen wurde in diesem besonderen Fall jedoch nicht verhängt. „In dieser Situation ist es nur fair, den Pferden die Chance auf einen Start einzuräumen“, sagte Vesper. Allerdings mussten sie vor dem nächsten Start durch eine abermalige Doping-Probe den Nachweis erbringen, dass im Pferdekörper keine verbotenen Substanzen mehr vorhanden waren.

          „Donjah ist eine Maschine“

          So konnte Grocer Jack am Samstag im 58. Preis von Europa mitlaufen – eine von nur sieben Gruppe-I-Prüfungen in Deutschland. Sie führt wie das Derby über 2400 Meter. Zwar wurde in Corona-Zeiten das Preisgeld auf 77 500 Euro reduziert, 50 000 Euro für den Sieger, trotzdem reisten drei hocheingeschätzte Gäste aus England und Tschechien an. Grocer Jack und Kaspar waren als Vertreter des aktuellen Derbyjahrgangs, also der Dreijährigen, nur Außenseiter in dem starken Siebener-Feld. Auch der Derbysieger von 2019, Laccario, gab sein lange erwartetes Saisondebüt, wurde am Ende aber Letzter. Die beiden Dreijährigen schlugen sich allerdings beachtlich.

          500 Meter vor dem Ziel schienen noch alle Pferde eine Siegchance zu besitzen, Grocer Jack konnte in der entscheidenden Phase jedoch nicht mehr zulegen und belegte nicht weit zurück Rang fünf. Besser machte es Kaspar, der immer wieder anzog, dabei auch die lange führende englische Stute Dame Malliot hinter sich ließ. Doch außen hatte Clement Lecoeuvre Donjah auf Touren gebracht. Vom letzten Platz kommend zog die vierjährige Stute außen an allen vorbei und gewann noch knapp vor Kaspar.

          „Donjah ist eine Maschine. Sie kam mächtig in Fahrt. Ich bin begeistert“, freute sich der Jockey. Für Trainer Henk Grewe war es der zweite Gruppe-I-Sieg in seiner noch jungen, aber sehr steilen Karriere. 2018 hatte er mit Khan ebenfalls den Preis von Europa gewonnen. „Donjah war über Winter im Gestüt und brauchte daher Zeit. Ihr Training am Montag war nicht überragend gewesen, man konnte sie hier schwer einschätzen“, so Grewe über die 16,3:1-Außenseiterin.

          Donjah stammt aus der Zucht des Gestüts Karlshof von Bruno Faust. Dessen Sohn Holger Faust agiert als Racing-Manager für Darius Racing, den Rennstall von Stefan Oschmann, Chef des Chemie- und Pharmakonzerns Merck in Darmstadt. „Wir haben mit ihr alles erreicht“, sagt Grewe. „Sie hat Nennungen im Großen Preis von Baden und im Arc, aber wir werden in Ruhe schauen, was wir jetzt machen.“

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