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Doping-Fahnder Werner Franke : „Leute, helft euch selbst“

  • Aktualisiert am

Langjähriger Doping-Fahnder: Werner Franke Bild: picture-alliance/ dpa

Werner Franke wird sich aus der Doping-Fahndung zurückziehen, weil das System und verunreinigte Produkte zu viele Opfer produzieren. Zudem kritisiert der 65jährige im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Internationalen Leichtathletik-Verband.

          10 Min.

          Werner Franke ist ein weltweit anerkannter und hochdekorierter Krebsforscher. Doch in das Licht der breiten Öffentlichkeit trat er zusammen mit seiner Frau Brigitte Berendonk, einst Diskuswerferin und Kugelstoßerin, im Jahr 1991 als das Buch „Doping Dokumente“, in dem das systematische Doping des DDR-Sports anhand zahlreicher Unterlagen belegt wird, erschien.

          Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht der 65jährige unter anderem über seinen Rückzug - weil das System und verunreinigte Produkte zu viele Doping-Opfer produzieren. Gleichzeitig kritisiert er den Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF).

          Bald ist es fünfzehn Jahre her, daß Sie in Bad Saarow die Dokumente gefunden und in Ihren Besitz gebracht haben, die das staatliche Doping in der DDR bewiesen. Seitdem haben Sie unendlich viel erreicht (Siehe auch: Kurzbiographie: Wissenschaftler und Aufklärer). Können Sie zufrieden sein?

          Ja und nein. Aber es wird zuviel. Meine Frau ist 1995 ausgestiegen aus der Kampagne. Es kostete zu viele Nerven. Dazu kommen nun zunehmend Klagen von Athleten, die falsch positiv getestet sind. Zur Zeit habe ich zudem noch 150 Fälle, die ich für die Jenapharm-Klage medizinisch bewerten und begründen muß. Deshalb wollen meine Frau und ich nun nicht mehr angerufen werden. Keine neuen Dopingfälle mehr!

          Falsche positive Fälle?

          Genauso wie ich dagegen bin, daß junge Menschen gedopt werden, genauso bin ich als Naturwissenschaftler dagegen, daß wegen schlechter Wissenschaft, eines Gottesbeweises oder Donnergrollen Menschen auf dem Marktplatz verbrannt werden.

          Was meinen Sie damit?

          Es muß Schluß sein damit, daß Leute wegen falscher Analyseergebnisse oder verunreinigter Produkte bestraft werden. Es kann keine strikte Haftung nur auf einer Seite geben. Denn wer als Sportler durch Unterschrift auf seine bürgerlichen Rechte verzichtet, ist vogelfrei.

          Das System muß sich dadurch, daß Athleten sich der Sportgerichtsbarkeit unterwerfen, selbst schützen.

          Es handelt sich um ein System, mit dem die Verbände ihre Athleten erpresserisch in der Hand haben. Wenn man jemanden rauswerfen oder abstrafen will, kann man es tun, ohne Doping wirklich gerichtsfest beweisen zu müssen. Und wenn man jemanden schützen will, kann man es auch tun. Nehmen Sie zum Beispiel den Hochspringer Javier Sotomayor. Er ist zweimal erwischt worden, wurde aber wegen seiner Verdienste um die Leichtathletik nicht bestraft.

          Und nun wollen Sie den ungerecht Behandelten nicht mehr helfen?

          Ich kann nur sagen: Leute, helft euch selbst! Macht Sport, macht Leistungssport, aber gebt nie eure Rechte auf! Unterschreibt nichts, mit dem ihr Rechte aufgebt!

          Dann darf aber ein Athlet nirgends starten.

          Wenn das so ist, wenn es also heißt: Ein Athlet darf nicht in der Nationalmannschaft starten, weil er nicht unterschreibt, bin ich wieder zugänglich. Dem ersten, der klagt, zahle ich den ganzen Prozeß. Damit würde ich bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Jemanden vom Sport auszuschließen, der seine Rechte nicht abtritt, ist Nötigung. Und das ist sogar strafrechtlich relevant. Sie treten einer Konstruktion von Sportfuzzis - pardon: Funktionären - bürgerliche Rechte ab, und die können auch noch sagen, Sie seien ein Sportbetrüger!

          All dies unterstellen Sie dem Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF)?

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