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Doping : Contes Geständnis ist kein Sieg - weitere Aufklärung erschwert

  • -Aktualisiert am

Amerikanische Dopingstaffel Bild: dpa/dpaweb

Die Teilgeständnisse von Victor Conte und zwei seiner Geschäftspartner ziehen einen Schlußstrich unter den juristischen Teil der größten Dopingaffäre in der amerikanischen Sportgeschichte. Doch der Sport kann damit nicht zufrieden sein.

          3 Min.

          Die Teilgeständnisse von Victor Conte und zwei seiner Geschäftspartner ziehen nicht nur einen Schlußstrich unter den juristischen Teil der größten Dopingaffäre in der amerikanischen Sportgeschichte (F.A.Z. vom 16. Juli). Sie sorgen mit ziemlicher Sicherheit dafür, daß die Protokolle der staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen von rund hundert prominenten Sportlern weiter unter Verschluß bleiben. Auf diese Konsequenz des Urteils machte der amerikanische Doping-Fachmann Dr. Gary Wadler aufmerksam. Conte, Chef des Balco-Labors, hatte kurz zuvor vor dem zuständigen Gericht in San Francisco zwei von 42 Anklagepunkten (Handel mit Dopingsubstanzen sowie Verstoß gegen das Geldwäschegesetz) zugegeben und eine Strafe von vier Monaten Gefängnis sowie vier Monaten Hausarrest akzeptiert. Gedroht hatten dem Beschuldigten bis zu 25 Jahre Haft. Doch die Richterin hat noch die Möglichkeit, am 18. Oktober auch ein härteres Strafmaß zu verkünden.

          "Traurigerweise bleiben uns nichts als Spekulationen und Andeutungen, was die Legitimität von so vielen Superstars betrifft", sagte Wadler, ein New Yorker Medizinprofessor, der seit der Gründung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zu den stärksten Verfechtern strengerer Kontrollen und Strafen gehört.

          Wada-Chef Pound erbost

          Die Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft, auf der das Urteil beruht, sichert Conte zu, daß er nicht gezwungen werden kann, die Strafverfolgungsbehörden im Rahmen eventueller weiterer Ermittlungen als Zeuge zu unterstützen. Eine Entscheidung, auf die Wada-Chef Richard Pound mit großer Enttäuschung reagierte: "Wenn wir keine Gelegenheit erhalten, mit seiner Hilfe andere Vorwürfe zu untersuchen, ist das ein Rückzieher im großen Stil", sagte der Kanadier.

          Das Problem für die Sportgerichtsbarkeit: Nur wenige der in den Skandal verwickelten Athleten waren bei regulären Dopingtests aufgefallen. Ein umfassendes Geständnis über ihre Beziehungen zu Balco hat bislang nur die Sprinterin Kelli White abgelegt, die für zwei Jahre gesperrt wurde und inzwischen andere Leichtathleten belastet hat. Kopien von im kalifornischen Balco-Büro beschlagnahmten Briefen, E-Mails, Schecks und Kalendarien hatte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) nur über einen ungewöhnlichen Umweg erhalten: durch den Kongreß in Washington, der sich mit eigenen Hearings in die öffentliche Debatte zum Thema eingeschaltet hatte und der in Kürze spezielle Dopinggesetze verabschieden will.

          Die Dopingfahnder stehen sportjuristisch unter anderem deshalb auf wackligem Boden, da in einigen Fällen Aussagen gegen Aussagen stehen. Das gilt insbesondere für den Fall Marion Jones. Die dreifache Goldmedaillengewinnerin von Sydney beteuert, seit ihr Name vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal mit dem Skandal in Verbindung gebracht wurde, noch nie illegale leistungssteigernde Substanzen genommen zu haben. Dem steht die Aussage von Victor Conte im amerikanischen Fernsehen entgegen, daß sich die Sprinterin in seiner Gegenwart Mittel gespritzt habe. Obendrein soll ihr ehemaliger Ehemann C. J. Hunter Zeitungsberichten zufolge der Staatsanwaltschaft seine Rolle bei der Verabreichung des Designer-Steroids THG und anderer Mittel zugegeben haben.

          Welche Version stimmt, soll ein Zivilgericht klären, das erst nach Abwicklung des Strafverfahrens gegen Victor Conte aktiv werden kann. Auch in diesem Prozeß, den Marion Jones angestrengt hatte, weil sie sich von dem Laborunternehmer verleumdet fühlt und einen Schadensersatz von 25 Millionen Dollar verlangt, werden die Unterlagen aus der Voruntersuchung der Staatsanwaltschaft in der Balco-Affäre nun voraussichtlich nicht als Beweismittel zugelassen.

          Die Usada hatte bereits vor einem Jahr bei der zuständigen Richterin beantragt, die Vernehmungsprotokolle der sechs Leichtathleten Tim Montgomery, Alvin und Calvin Harrison, Regina Jacobs, Chryste Gaines und Michelle Collins einsehen zu können. Das Ansinnen wurde abgeschmettert.

          Neben Conte haben sich auch dessen Stellvertreter Fames J. Valente sowie der Baseball-Trainer Greg F. Anderson schuldig bekannt. Der vierte Angeklagte, Leichtathletik-Trainer Remi Korchemny, lehnte jedwedes Schuldeingeständnis ab. Rund ein Dutzend Aktive aus Leichtathletik und Baseball sind nach Aufdeckung des Balco-Skandals im Herbst 2003 von der Usada gesperrt worden. Fakten liegen offenbar auch schon gegen Tim Montgomery auf dem Tisch, der seinen 100-Meter-Weltrekord vom September 2002 vor allem Contes Hilfe zu verdanken haben soll und noch in diesem Monat vor dem internationalen Sportgerichtshof (CAS) erscheinen muß. Montgomery ist Lebensgefährte von Marion Jones.

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