https://www.faz.net/-gtl-12dew

Doping bei den Telekom-Teams : Das Dokument des Betrugs

  • Aktualisiert am

Die dicken Freunde schweigen: Matthias Kessler (l.) und Andreas Klöden (Foto vom Januar 2007) Bild: dpa

Andreas Klöden schweigt. Ein üblicher Reflex bei dem Mann, sobald er ins Gerede kommt. Vor allem dann, wenn es um Doping geht. Der Radprofi ist wieder ins Kreuzfeuer geraten - und mit ihm der deutsche Radsport. Die Systematik des Dopings in Freiburg scheint nun belegt.

          2 Min.

          Andreas Klöden schweigt. Das ist ein üblicher Reflex bei dem Mann, sobald er ins Gerede kommt. Vor allem dann, wenn es um Doping geht. Da ist der Radprofi gerade wieder ins Kreuzfeuer geraten – und mit ihm der deutsche Radsport. Schließlich soll der Abschlussbericht einer unabhängigen Expertenkommission, die die Doping-Vorwürfe gegen Sportmediziner der Universitätsklinik Freiburg untersucht hat, belegen, was seit langem vermutet wird – nämlich systematisches Doping beim Team Telekom und dem Nachfolgerennstall T-Mobile zwischen 1995 und 2006.

          Der „Spiegel“ hat nun aus dem Papier zitiert und damit auch Klöden, der mit dem Team Astana an der Tour de France teilnehmen will, schwer belastet. Allerdings ist das Dokument, das angeblich ein Jahrzehnt des Betrugs offenlegt, noch gar nicht fertiggestellt, wie der Kommissions-Vorsitzende Hans-Joachim Schäfer am Sonntag sagte. Es soll im Mai veröffentlicht werden.

          Bestand der „Rhein-Konvoi“ aus acht Fahrern?

          Was wird nun aus Klöden? Das Team Astana hält sich vorerst zurück. Man könne nichts unternehmen, heißt es, solange keine Beweise vorlägen. Klöden, ein Freund Jan Ullrichs, hat bereits früher alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Der Verdacht aber wiegt schwer. Davon ist auch Matthias Kessler betroffen, der noch bis Ende Juli wegen Testosteron-Dopings gesperrt ist.

          Aus den jüngsten Unterlagen soll hervorgehen, dass Klöden, Kessler sowie dem Doping-Kronzeugen Patrik Sinkewitz am 2. Juli 2006 während der Tour von dem ehemaligen T-Mobile-Teamarzt Andreas Schmid Eigenblut infundiert worden sein soll. Seit längerem schon wird über einen „Rhein-Konvoi“ spekuliert; dabei sollen T-Mobile-Profis während der Tour 2006 vom Elsass nach Freiburg chauffiert worden sein. Angeblich sollen neben Klöden, Kessler und Sinkewitz fünf weitere T-Mobile-Fahrer ihr Blut aufgefrischt haben.

          Angeblich keine Warnung vor Nebenwirkungen

          Die Sportmediziner Lothar Heinrich und Schmid hatten bislang nur zugegeben, in dem strafrechtlich nicht mehr relevanten Zeitraum bis 1999 Doping-Mittel verabreicht zu haben. Die Ärzte sollen Atteste gefälscht und Zahlungen verschleiert haben. Per SMS oder Mail sollen die Profis um Doping-Rationen gebeten haben. Keiner der beiden Beschuldigten soll vor den Doping-Kuren die Athleten vor möglichen Nebenwirkungen gewarnt haben. Nach einer Panne beim Blut-Doping sei Sinkewitz dem Risiko „schwerster Komplikationen“ ausgesetzt gewesen.

          Nach Erkenntnissen der Ermittler soll eine Apotheke in dem Schwarzwald-Städtchen Elzach der Hauptlieferant der zu Doping-Zwecken bestellten Medikamente gewesen sei. Allein für die Saison 2006 hätten Schmid und Heinrich dort für 20.855 Euro etwa zwei Drittel aller verwendeten Präparate geordert. Die illegalen Transaktionen sind angeblich über den Arbeitskreis „Dopingfreier Sport“ vorgenommen worden. Die Einrichtung war einst vom Telekom-Konzern gegründet worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Verfassungsrichter Susanne Baer und Stephan Harbarth am 15. Januar 2019 in Karlsruhe

          Bundesverfassungsgericht : Ein Abendessen mit Nebenwirkung

          Im Juni trafen sich Bundesverfassungsrichter mit Mitgliedern der Bundesregierung. Daraufhin versuchte es erst die AfD mit einem Befangenheitsantrag. Nun hatte das Gericht über einen weiteren zu entscheiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.