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Doping : Anklage gegen Ullrich wahrscheinlich

  • Aktualisiert am

Ullrich könnte schon bald vorgeladen werden Bild: dpa

Der Schweizer Radsportverband bereitet eine Anklage gegen Jan Ullrich vor. Dem Radprofi, der von der Tour de France ausgeschlossen und von T-Mobile entlassen wurde, wird Blutdoping vorgeworfen.

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          Die Zeit des Abtauchens scheint für Jan Ullrich bald vorbei zu sein. Der Schweizer Radsportverband Swiss Cycling wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch in dieser Woche in Bern das Doping-Verfahren gegen den Toursieger von 1997 einleiten, der in Scherzingen wohnt und mit Schweizer Profilizenz fährt.

          Dem 32jährigen, der jede Manipulation bestreitet, drohen beim Schuldspruch vier Jahre Auszeit, weil er als Wiederholungstäter gelten würde. 2002 war Ullrich wegen Medikamenten-Missbrauchs vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) für sechs Monate gesperrt worden. Angeblich hatte er während der Rehabiliation nach der Knieoperation in einer Discothek „nur Ecstasy-Pillen“ zu sich genommen.

          Selbst bei einer Zweijahres-Regelsperre durch den Schweizer Verband würde der ehemalige deutsche Superstar vier Jahre lang nicht mehr in einem ProTour-Team fahren dürfen und könnte höchstens noch in einem drittklassigen Rennstall unterkommen.

          „Alles deutet auf ein Verfahren“

          Man wolle die vom Weltverband UCI erhaltenen Dokumente der spanischen Behörden nochmals prüfen, eine endgültige Entscheidung aber bis Donnerstag fällen, sagte der Geschäftsführer von Swiss Cycling, Lorenz Schläfli: „Nach erster Einsicht deutet aber alles darauf hin, daß es zu einem Verfahren kommt und Jan Ullrich sehr bald vorgeladen wird.“

          Die dem Verband vorliegenden Unterlagen aus Madrid umfassen rund 100 Seiten, deshalb sei eine erneute Sichtung angebracht, erklärte Schläfli. Sollte sich der erste Eindruck bestätigen, würde der Fall noch in dieser Woche an die Disziplinarkammer des Schweizer Sportverbandes weitergegeben. Dessen Vorsitzender Gerhard Walther würde dann Anklage erheben und Ullrich vorladen: „Das wird sehr schnell passieren.“

          Ullrich wird nach den Ermittlungen der spanischen Behörden verdächtigt, zu den Klienten des Madrider Dopingarztes Eufemiano Fuentes gezählt zu haben. Ihm werden Blutdoping sowie die Bestellung verschiedener unerlaubter Substanzen bis hin zu Wachstumshormonen vorgeworfen.
          Der Kapitän war am 30. Juni, dem Vortag des Tourstarts, von T-Mobile aus dem Aufgebot genommen und suspendiert worden. Am 21. Juli folgte noch während der Frankreich-Rundfahrt die Kündigung, weil Ullrich nichts zu seiner Entlastung beigetragen habe. Der gebürtige Rostocker („Ich bin doch kein Verbrecher“) verweigert sich auch einem DNA-Test.

          „Die Nummer 1 ist laut Ermittlungen nun einmal Jan Ullrich“

          Stattdessen mobilisierte er seine Anwälte und gab auf seiner Homepage bekannt, das Landgericht Hamburg habe dem Doping-Experten Werner Franke mit einer Einstweiligen Verfügung die Behauptung untersagt, Ullrich habe in nur einem Jahr 35.000 Euro zur Beschaffung illegaler Substanzen ausgegeben. Bei Zuwiderhandlung würden dem Molekular-Biologen bis zu 250.000 Euro Geldstrafe oder sechs Monate Haft drohen.

          Der Heidelberger zeigte sich über diese Meldung im Gespräch mit dem Sportinformationsdienst (sid) verwundert. Ihm sei keine Entscheidung zugegangen, er würde eine entsprechende Verfügung auch als „bizarr“ empfinden, sagte er am Montagnachmittag.

          Franke betonte, er habe nur aus den ihm vorliegenden Dokumenten der spanischen Behörden in der Affäre um den Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes zitiert: „Danach wird eine Rechnung über 35.000 Euro der Nummer 1 zugeordnet, und die Nummer 1 ist laut Ermittlungen nun einmal Jan Ullrich.“ Inzwischen seien die Papiere sogar in mehreren Tageszeitungen abgelichtet worden: „Will Herr Ullrich jetzt auch gegen diese Presseorgane klagen?“

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