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Geisterspiele in Amerika? : Donald Trump will Sport „wie in guten, alten Tagen“

  • -Aktualisiert am

Ich will meinen Sport zurück: Präsident Trump setzt auf die Rückkehr der Fernsehspiele. Bild: AFP

Präsident Trump ist die Übertragung abgehangener Baseballpartien leid. Statt Teams großer Ligen zu kasernieren, sollen selbst in den Vereinigten Staaten Geisterspiele stattfinden.

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          Der Mann, der den mitleidslosesten Sektor der amerikanischen Sportlandschaft dominiert, hat aus seiner Sympathie für Donald Trump noch nie ein Hehl gemacht. Zum Beispiel vor vier Jahren auf dem republikanischen Parteitag in Cleveland, als er in einer Rede, die live im Fernsehen übertragen wurde, den Delegierten versicherte: „Ich kenne Kämpfer. Meine Damen und Herren, Donald Trump ist ein Kämpfer. Und ich weiß, er wird für dieses Land kämpfen.“

          Als Dana White neulich so jemanden gebraucht hätte, war Trump, inzwischen Präsident der Vereinigten Staaten, gerade mit anderen Dingen beschäftigt. Der weltweit größte Veranstalter der Kampfsportart Mixed Martial Arts, der im Wahljahr 2016, ohne dabei seinen Chefposten einzubüßen, die von ihm hochgezogene Firma namens Ultimate Fighting Championship für vier Milliarden Dollar an eine Investorengruppe verkauft hatte, war in seinen bis dahin stärksten Gegner gelaufen: eine Virus-Epidemie, durch die das gesellschaftliche Leben in weiten Teilen der Vereinigten Staaten lahmgelegt ist.

          Wissen war nie wertvoller

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          White hatte zwar auf dem Papier einen brauchbaren Plan ausgeheckt, um den für den 18. April angekündigten Kampftermin mit der laufenden Nummer 249 doch noch zu retten, nachdem das von der Pandemie heimgesuchte New York als Veranstaltungsort nicht mehr in Frage kam. Ein Casino des Stamms der Santa-Rosa-Indianer in der Nähe der kalifornischen Stadt Fresno, deren Reservat wie die der anderen Ureinwohner Amerikas auch juristisch so etwas wie ein selbständiges Territorium ist, wollte einspringen. Doch das Manöver schien dem Pay-per-View-Sender ESPN und seiner Konzernmutter Disney doch zu geschmacklos. White musste das Projekt kurzfristig absagen.

          Infektionen von Spielern

          Donald Trump mischte sich nicht ein, aber demonstrierte immerhin vor ein paar Tagen, dass er ein Ohr für die Organisatoren des kommerziellen amerikanischen Sports hat. „Wir müssen unseren Sport zurückbekommen“, sagte der ambitionierte Freizeitgolfer, der schon mal vergessen hat, einen Schlag auf seiner Scorekarte einzutragen, nachdem er sich in einer Telefonkonferenz mit den Repräsentanten der größten Ligen ausgetauscht hatte: „Ich bin es leid, Baseballspiele zu sehen, die 14 Jahre oder noch älter sind.“ Denn in Amerika fällt Sport-Spartensendern nichts Besseres ein, als Konserven aus dem Archiv auszustrahlen, um das Vakuum zu füllen.

          Die Vereinigten Staaten sind in der aktuellen Corona-Pandemie besonders betroffen, das Land registriert weltweit die höchsten Fallzahlen. Auch in den stillgelegten Profiligen der Basketballprofis (NBA) und der Eishockeyspieler (NHL) gab es bereits Infektionen von Spielern. Der für den 26. März angesetzte Saisonstart in der Major League Baseball wurde verschoben. Der Wirtschaftsfaktor Sport ist beträchtlich: Die Umsätze, die in Amerika jedes Jahr durch den Verkauf von Eintrittskarten, Fernsehrechten, Sponsorenwerbung und Merchandising generiert werden, liegen bei mehr als 70 Milliarden Dollar (64,68 Milliarden Euro). Das entspricht nach Schätzung von Experten einem Anteil von rund 40 Prozent des Weltmarkts in diesem Geschäft.

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