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Super Bowl 50 : „Football ist weich geworden – so wie unser Land“

  • -Aktualisiert am

Denvers Football-Ikone: Peyton Manning wird wohl mit 39 Jahren Abschied nehmen Bild: USA Today Sports

Der 50. Super Bowl elektrisiert alle: Das Duell zwischen Denver und Carolina versetzt ganz Amerika in einen eintägigen Ausnahmezustand – und spiegelt dabei auch das Wesen des Landes wider. Manch einer hätte es gern brutaler.

          Bei der Suche nach Themen, mit denen man es in die Fernsehnachrichten schafft, streift der Kandidat Donald Trump gerne durchs weit auslaufende Gelände. Was daran liegt, dass der zum Politiker mutierte Immobilienspekulant seine Äußerungen gerne aus dem Stegreif formuliert und ohne irgendwelche logische Stringenz fast alles verknüpft, was ihn an seinem Heimatland nervt.

          Längst bekannt sind seine Beschwerden über illegale Mexikaner, über Muslime, die er unter pauschalen Terrorverdacht stellt, und über die enormen Außenhandelsdefizite mit Ländern wie China. Alles Klagelieder über das angeschlagene Selbstbild eines Landes, dessen Bewohner eigentlich notorisch glauben, sie seien - trotz vieler Gegenbelege - nicht nur etwas Besonderes, sondern schlichtweg die Größten. Ein Ausnahmeland mit Ausnahmeeigenschaften. Wie etwa der massenhaften Begeisterung für eine der brutalsten Mannschaftssportarten überhaupt: Football - ein rambohaftes Rasenballspiel, das in seinen besten Momenten eine unwiderstehliche Faszination als komplexes künstlerisches Brechstangenballett abstrahlt.

          Schuld sind vor allem die Schiedsrichter

          Nicht brutal genug, wenn es nach dem Willen von Donald Trump geht. Der empörte sich neulich vor 2000 Menschen in Reno/Nevada: „Football ist weich geworden. So wie unser Land weich geworden ist.“ Schuld seien vor allem die Schiedsrichter, nörgelte er, die sich in den Mittelpunkt spielten, damit sich ihre Frauen zu Hause am Bildschirm daran begeistern könnten. „Was früher mal ein großartiges Tackling war“, sagte Trump, die Stimme ein paar Dezibel lauter, „ein brutales Tackling mit dem Kopf voran“ - er ließ die beiden Fäuste aufeinander zuschnellen, um das Gesagte zu unterstreichen - das würde heute einfach abgepfiffen. „Das ist langweilig“, seufzte er und warnte das sportbegeisterte Land vor den Folgen. Und es werde einen Effekt auf die Nationale Profiliga (NFL) haben. Er selbst schaue sich „das gar nicht mehr an“.

          Die populistische Kritik kurz vor dem 50. Super Bowl, dem Saisonfinale der NFL zwischen den Denver Broncos und den ,Carolina Panthers, das am Sonntag (00.30 Uhr MEZ / live in Sat.1) in einem neuen, 1,3 Milliarden Dollar teuren Stadion im kalifornischen Santa Clara ausgetragen wird, produzierte natürlich sogleich die von Trump erhofften Schlagzeilen. Hat die NFL tatsächlich die knüppelharte Fetischsportart der Amerikaner aufgeweicht? Sind womöglich die Sorgen über massenhafte schwere Langzeitgehirnschäden von ehemaligen Profis, die früh dement und depressiv sterben, unbegründet? Sollte die von teuren Massenklagen bedrängte Liga das Spiel womöglich gar nicht entschärfen?

          Kein Fan mehr von Football: Donald Trump (Mitte) findet den Sport nun zu weich

          Diskussionen über Auswirkungen auf ein Spiel, bei dem zum ersten Mal in der Geschichte die Gesundheit der Spieler ernsthaft Vorrang bekommt, gibt es schon eine Weile. Aber eine Querverbindung zur Stimmungslage einer ganzen Nation - die hatte in diesen Betrachtungen noch niemand gesehen. Donald Trump war der Erste.

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