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ATP-Finals : Sind Federers Narben verheilt?

  • -Aktualisiert am

Roger Federer: „Hier in London ist es wie fast überall in der Halle, als kehrte ich nach Hause zurück.“ Bild: dpa

Djokovic und Federer in einer Gruppe: da dachten viele, die beiden Stars werden sich danach erst wieder im Finale treffen. Doch nun wird die Wimbledon-Revanche zum K.o.-Spiel um den Einzug ins Halbfinale.

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          Es sei eine vielversprechende Konstellation, hatte es vor einer Woche nach der Auslosung der ATP Finals gehießen: Novak Djokovic und Roger Federer in einer Gruppe. Das bedeutete, nach der ersten Begegnung in der Vorrunde würden sich die beiden Großen erst wieder im Finale begegnen. Aber ach, ein wenig Mitgefühl mit Dominic Thiem schwang mit, der ja angesichts der Konkurrenz dieser Gegner vermutlich eher nicht im Halbfinale landen würde. Denkste!

          Und wieder mal ein schönes Argument dafür, aufgeregt geführte Auslosungsdiskussionen auf ein Minimum zu beschränken. In Wirklichkeit sieht die Sache nach dem bombastischem Sieg des Österreichers im Spiel gegen Djokovic, von dem der Sieger hinterher sagte, das sei das beste seines Lebens gewesen, nun so aus, dass Thiem selbst bereits für das Halbfinale qualifiziert ist. Und dass es an diesem Donnerstagabend (21 Uhr) zwischen den Stars aus der Schweiz und aus Serbien um den zweiten Platz in der Gruppe geht. Und der Verlierer ist raus.

          Wird es Federer treffen? 17 Jahre sind vergangen seit dem ersten Auftritt des Meisters beim Turnier der Besten anno 2002 in Schanghai. In all der Zeit fehlte er nur einmal (2016 wegen der Auszeit nach seiner Knieoperation), und auch nur ein einziges Mal landete er nicht mindestens im Halbfinale (2008 in Schanghai). Sechs Titel stehen vom letzten Turnier des Jahres zu Buche, der letzte liegt allerdings schon acht Jahre zurück.

          Doch Federer sagt, nicht nur dieses Turnier habe es ihm von Anfang an angetan, Hallenspiele generell seien für ihn eine nostalgische Sache. „In der Halle hatte ich meine ersten Erfolge auf der Tour, sammelte meine ersten Punkte, und mit Indoor-Tennis konnte ich in frühen Jahren mein Ranking verbessern. Hier in London ist es wie fast überall in der Halle, als kehrte ich nach Hause zurück.“

          Vor einem Jahr verlor er im Halbfinale gegen Alexander Zverev, der sich dann am Tag danach gegen Djokovic den Titel schnappte. Auch dessen letzter von fünf Titeln bei den ATP Finals liegt schon vier Jahre zurück, danach gewannen Andy Murray, Grigor Dimitrow und eben Zverev. Djokovic gab alles im Spiel gegen Thiem, rettete selbst im Spagat noch Bälle, aber am Ende war der andere einfach zu stark. Hinterher lobte der Verlierer den Sieger . „Ich glaube nicht“, sagte Djokovic, „dass ich viele Spiele erlebt habe, in denen mein Gegner bei jedem Schlag alles riskiert. Es war unglaublich.“

          Zu seinem Glück hatte er einen Tag Zeit, um sich von diesem in jeder Hinsicht extremen Erlebnis zu erholen, die Gedanken zu sortieren. Er wird ein stabiles, gutsitzendes Nervenkostüm brauchen in der 47. Begegnung mit Federer, denn er kann davon ausgehen, dass er auch dieses Mal nicht nur gegen den Schweizer, sondern auch gegen die Mehrzahl der Zuschauer spielen wird. So, wie es auch vor vier Monaten in der 46. Begegnung gewesen war, im denkwürdigen Wimbledon-Finale.

          Novak Djokovic: Auch dieses Mal wird er nicht nur gegen Federer, sondern auch gegen die Mehrzahl der Zuschauer spielen.

          Wenn Djokovic an dieses Spiel denkt, dann dürfte er immer noch stolz darauf sein, den fortissimo gestimmten Chor der Federer-Fans ausgehalten und überspielt zu haben. Und wenn der Schweizer an dieses Spiel denkt, in dem er zwei Matchbälle und die riesengroße Chance auf den 21. Grand-Slam-Titel vergab? Sind die Narben verheilt? Federer versichert, das habe nicht allzu lange gedauert.Djokovic ließ wissen, auf die Ereignisse des Finales von Wimbledon komme es jetzt wirklich nicht mehr an. Aber als er darüber sprach, war ihm jedes Wort zu viel in Anbetracht der Niederlage gegen Thiem.

          Verliert er die 47. Begegnung mit Federer und landet nicht im Halbfinale, so viel steht fest, wird er Nadal in diesem Jahr nicht mehr von der Spitze der Weltrangliste verdrängen können. Selbst falls er gewinnt, wird die Sache nicht leicht. Landet er nicht mindestens im Finale, bleibt der Spanier vorn.

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