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Diskuswurf-Olympiasieger : Harting plant das nächste verrückte Ding

in Rio hielt Christoph Harting die deutsche Fahne hoch – und wurde Olympiasieger. Bild: dpa

Das Verhältnis der Diskus-Brüder Robert und Christoph Harting ist nicht das beste. Ihr Trainer betreut nun nur noch einen. Und Olympiasieger Christoph hat nun ein utopisches Ziel.

          Die Arbeit sei nicht leichter geworden, sagt Torsten Lönnfors. „Vielleicht kann man sagen, sie ist etwas entspannter geworden. Die Spannung ist raus aus dem täglichen Geschäft.“ Der Berliner Diskus-Trainer betreut statt zwei Hartings nur noch einen, statt den einen Olympiasieger den anderen. Robert Harting, 32 Jahre alt und Champion von London 2012, ist gemeinsam mit seiner Frau Julia zu Trainer Marko Badura gewechselt, der aus Leipzig nach Berlin gekommen ist. Christoph Harting, 26 und Champion von Rio, bleibt bei Lönnfors.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Für Robert hat es bestimmt einen Bruch in unserer Beziehung gegeben“, vermutet der Trainer, den Robert Harting einst nach Berlin holte, „weil ich immer zwischen den Athleten stand.“ Robert erlitt 2014 einen Kreuzbandriss, opferte für die Perspektive Rio die Weltmeisterschaft in Peking 2015 - und erwartete, im Rennen um seine Form und im Vergleich zu seinem aufstrebenden Bruder, die bedingungslose Zuwendung seines Trainers.

          „Ein Athlet will hundert Prozent haben“, sagt Lönnfors. „Zeit, die ich mit einem anderen Athleten verbringe und nicht mit ihm, sorgt in dieser Konkurrenzsituation natürlich für Spannung.“ Welches Verhältnis zwischen den Brüdern Harting herrscht, illustrierte Robert, als er sagte: „Wir lieben unsere Eltern über alles. Deshalb sprechen wir Brüder nicht übereinander.“ Schon lange trainierten sie, obwohl beim selben Trainer, nicht mehr gemeinsam.

          Ist aber nicht die Art von Christoph Harting schwierig? Mit seinem Verhalten bei der Siegerehrung von Rio, mit seiner Weigerung, im ersten Glück des Gewinns der Goldmedaille Interviews zu geben, wurde er so auffällig, dass er sich bis heute gezwungen sieht, über seinen Filmriss von Rio zu sprechen oder einfach zu erklären: „Ich habe eine Macke.“

          Das extravagante Verhalten bei der Siegerehrung gefiel nicht jedem.

          Wer sich auf so einem hohen Level durchsetzen wolle, müsse eine Macke haben, behauptet Lönnfors. „Ich habe meine Macke, Robert hat seine Macke. Man muss ein spezieller Typ sein, der nicht massenkonform funktioniert. Das sieht man in allen Bereichen. Man fragt sich auch beim Verhalten von Top-Managern manchmal, was die da tun. Und denken Sie an Trump. Der hat eine Macke und wird jetzt Präsident.“ Christoph sei nicht kompliziert, sondern geradeaus, sagt sein Trainer. „Wenn ihn etwas stört, knallt er einem das vor den Kopf.“ Man dürfe sich nicht auf den Schlips getreten fühlen, dann könne man damit gut umgehen.

          Was das Publikum in Rio überraschte, das Tanzen von Harting, dem Jüngeren, im Wettkampf, die steifbeinige Imitation eines Gehers, wenn er die Bahn überquerte, um sich mit dem Trainer zu beraten: für Lönnfors war das nichts Neues. „Das habe ich schon nach der WM in Peking ernsthaft mit ihm besprochen“, sagte er. Harting wurde dort Achter.

          Lönnfors ist überzeugt, dass er mit seinem extrovertierten Verhalten Energie und Konzentration und die Bronzemedaille verschenkte. „Jetzt ist Christoph in der Lage, diesen Überschuss an Energie, den er braucht, zu kanalisieren“, sagt Lönnfors. „Er nutzt das Stadion als seine Bühne. Und weil er - er hat es ja zugegeben - eine Macke hat, tut er das in seiner Weise. Ich würde mir wünschen, dass es nur halb so viel wäre. Aber wenn es Christoph hilft, seine Anspannung rauszulassen, dann ist es seine Strategie, erfolgreich zu sein.“

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