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Strittiger Antrag beim DTB : „Das ist nicht mein Verständnis von Demokratie“

Schattenspiel: Wer führt künftig den Deutschen Tennis Bund an? Es gibt zwei Kandidaten. Bild: Picture-Alliance

Im Deutschen Tennis Bund ging es zuletzt eher ruhig zu. Doch vor der Mitgliederversammlung am Sonntag gibt es Diskussionen über eine Satzungsänderung. Der Präsident warnt – und erhält überraschend Konkurrenz.

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          Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat schon turbulentere Zeiten erlebt als zuletzt. Querelen um das Amt des Davis-Cup-Kapitäns, den Umgang mit den Finanzen oder die Wahl des Präsidenten – immer wieder gab es reichlich Getöse bezüglich der Ausrichtung des mit rund 1,4 Millionen Mitgliedern weltweit größten Tennisverbands. Mit Michael Stich bewarb sich vor sechs Jahren sogar ein Wimbledonsieger um die Führung, zog sich aber letztlich noch vor der Abstimmung zurück.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Unter Ulrich Klaus, der das Präsidentenamt seit 2014 innehat und sich jetzt um eine dritte Amtszeit bewirbt, hat sich die Situation beruhigt. Das hat auch mit der ruhigen, stets freundlichen und ausgeglichenen Art des Amtsinhabers zu tun. Dennoch gab es in Tenniskreisen auch Kritik an dem zurückhaltenden Führungsstil des pensionierten Lehrers. Bei der digitalen Mitgliederversammlung am Sonntag erhält der 70-Jährige überraschend einen Gegenkandidaten. Erstmals seit Jahrzehnten könnte es zu einer Kampfabstimmung kommen.

          Dietloff von Arnim, ehemals Turnierdirektor beim Düsseldorfer World Team Cup und derzeit Präsident im Tennis-Verband Niederrhein, bestätigte seine Kandidatur gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Ich bin überzeugt, dass Tennis noch viele Chancen hat, sich besser darzustellen, sich zu präsentieren und sich zu vermarkten“, sagte er. „Damit tritt mein Team an.“

          Ulrich Klaus steht seit November 2014 an der Spitze des weltweit größten Tennisverbands.
          Ulrich Klaus steht seit November 2014 an der Spitze des weltweit größten Tennisverbands. : Bild: dpa

          Heikel wird die Situation, weil parallel auch eine Satzungsänderung angestrebt wird. Auf einen Antrag aus dem Tennisverband des Saarlands hin, soll es künftig Präsidiumsmitgliedern erlaubt sein, gleichzeitig auch dauerhaft einem der 17 Landesverbände des DTB vorzustehen. Der Antrag hängt unmittelbar mit der Zusammensetzung der Führungsmannschaft von Arnims zusammen. Zu dieser gehören auch zwei der sogenannten „Landesfürsten“, die ihre Ämter in ihren Regionalverbänden aber im Falle der Wahl nicht aufgeben wollen. 2014 stand der Antrag schon einmal zur Abstimmung, wurde aber letztlich klar abgelehnt.

          Denn es gibt berechtigte Kritik an dem Vorhaben. In einem Brief an die stimmberechtigten Mitglieder des Bundesausschusses, der der F.A.Z. vorliegt, kritisierte etwa der frühere DTB-Präsident Georg von Waldenfels den Vorgang. Als Vorsitzender der Ethikkommission warnt er unter anderem vor den Interessenskonflikten, die entstehen, wenn Vizepräsidenten im DTB über ihre eigenen Anträge zur finanziellen Unterstützung ihres Landesverbands entscheiden. „Ämterhäufung löst keine Probleme, sondern schafft sie“, heißt es unter anderem in dem Schreiben.

          Auch Präsident Klaus lehnt den Antrag ab. „Wenn im Bundesausschuss und im Präsidium dieselben Personen sitzen, würden sie sich bei einer Satzungsänderung dann selbst kontrollieren“, sagt er. „Das ist nicht mein Verständnis von Demokratie.“ Denn auch wenn es für derartige Strukturen prominente Beispiele aus anderen Sportarten gibt, hat die jüngere Geschichte gezeigt, dass das Vertrauen auf Selbstkontrolle im Sportfunktionärswesen nicht immer eine gute Idee ist.

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