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Olympia bei Discovery : Sprint in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Geschichten des olympischen Sports: stetiger Erzählfluss von Menschen, Siegern, Emotionen Bild: AFP

Nach dem Willen des IOC soll die Flamme in Zukunft für immer brennen, jeden Tag, als endloser Lieferant von Unterhaltung und Emotionen auf allen Kanälen - und ohne unangenehme Fragen.

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          Die Summen sind so atemraubend, dass sie kaum jemals erwähnt werden: Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 hat Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Verträge mit Sponsoren und Medien-Konzernen im Wert von ungefähr 12 Milliarden Dollar unterschrieben. Allein 1,3 Milliarden Euro gab es diese Woche: So viel bringt das Geschäft mit dem amerikanischen Konzern Discovery ein, dessen Tochter die Sendergruppe Eurosport ist. Ihm gehören nun die olympischen Senderechte in Europa für die vier Spiele von Pyeongchang 2018 an.

          Man kann Thomas Bachs Rolle als IOC-Präsident aus verschiedenen Perspektiven sehen. Aus politischer Sicht wird er von all jenen vehement kritisiert, die der - durchaus nachvollziehbaren - Meinung sind, die Vergabe Olympischer Spiele müsse als eine Art Belohnung für vorbildlich geführte Staaten angesehen werden.

          Aus wirtschaftlicher Sicht allerdings bleibt seinen Kritikern so langsam die Luft weg. Der Fecht-Olympiasieger aus dem Fränkischen hat ein Geschick, Geld für seine Organisation zu akquirieren, das viele Wirtschaftsbosse neidisch machen dürfte. Dazu muss gesagt werden, dass ein riesiger Teil der olympischen Einnahmen - das IOC selbst spricht von 90 Prozent - wieder in den Sport zurückfließt. Das System ernährt sich selbst.

          Das muss man wissen, um zu verstehen, was für ein Deal das ist mit Eurosport. Einer der wichtigsten Bestandteile ist die Beteiligung an der Entwicklung des olympischen Kanals. Die Gründung dieses Senders war Kernstück des Programms, mit dem Bach 2013 zur IOC-Präsidentenwahl angetreten ist. 600 Millionen Dollar in sieben Jahren wird die Bewegung dafür lockermachen. Aus praktischen Gründen war bis auf weiteres nur an einen digitalen Kanal gedacht gewesen.

          Immer blühende olympische Landschaft: Unterhaltung und Emotionen 24 Stunden am Tag
          Immer blühende olympische Landschaft: Unterhaltung und Emotionen 24 Stunden am Tag : Bild: Picture-Alliance

          Jetzt aber wird mit einem Schlag der Zugang frei zu einem bestehenden Sender-Netzwerk, das die Leute mit allen Medien bedienen kann, die ihr Leben bestimmen: Fernsehen, Internet, Mobiltelefon. Dagegen wirkt die von den älteren Generationen in Deutschland favorisierte öffentlich-rechtliche Senderwelt reichlich altmodisch. Bach hat also mit seinem Überraschungscoup einen kühnen Sprint in die Zukunft hingelegt. ARD und ZDF ist ja nicht nur Olympia weggelaufen. Die jungen Zuschauer tun das schon länger. Auch der Fußball gestaltet seine Medienpräsenz immer mehr selbst, obwohl er gleichzeitig die finanziellen Forderungen in die Höhe treibt. Ganz nebenbei minimiert man so auch noch die unangenehme Begleitung durch kritische Journalisten.

          Wie wird das Bild Olympias also in zehn Jahren aussehen? Nach dem Willen des IOC soll die Flamme für immer brennen, jeden Tag, 24 Stunden lang, ein endloser Lieferant von Unterhaltung, Emotionen und globalen Smalltalk-Themen. Manch einer mag bei all der medialen Rasanz nach einem Haltegriff suchen. Thomas Bach aber kann keiner vorwerfen, er habe die Entwicklung verpasst.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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