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Nowitzki zum Tod von Bryant : „Das trifft mich wirklich hart“

  • Aktualisiert am

Trauert um einen Freund: Dirk Nowitzki, hier im April 2019, spielte wie auch Kobe Bryant seine ganze Karriere bei einer Mannschaft. Bild: dpa

Mit einer emotionalen Botschaft hat die deutsche Basketball-Ikone Dirk Nowitzki seine Trauer über den Tod von Kobe Bryant zum Ausdruck gebracht. Auch von vielen anderen kommen ergreifende Worte.

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          Dirk Nowitzki hat mit bewegenden und sehr persönlichen Worten auf den Tod von Kobe Bryant reagiert. „Mamba“, schrieb der ehemalige deutsche Basketball-Superstar und langjährige Gegenspieler des tödlich Verunglückten, „dies trifft mich wirklich hart. Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich nach Spielen nach Hause gekommen bin, um zu sehen, wie du das vierte Viertel dominierst. Du hast so viele rund um die Welt inspiriert, mich eingeschlossen.“

          Weiter schrieb Nowitzki über den am Sonntag bei einem Hubschrauberabsturz verstorbenen Bryant: „Du wirst immer vermisst werden. Du wirst immer in Erinnerung bleiben. Du wirst immer geliebt werden. Ruhe in Frieden mit Deinem Engel Gigi.“ Der Würzburger schloss die Nachricht mit seinem Beileid für Bryants Frau Vanessa, ihre Töchter und all die Hinterbliebenen der Opfer. An das Ende seiner Zeilen setzte Nowitzki ein gebrochenes Herz.

          Wie Nowitzki (21 Jahre für die Dallas Mavericks) hat auch Bryant (20 Jahre für die Los Angeles Lakers) seine gesamte Karriere in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA bei einem Klub verbracht. Bryant verriet nach seinem Rücktritt in einem Interview 2016 allerdings, dass er einst versucht habe, den von ihm geschätzten Nowitzki zu einem Wechsel von den Mavericks zu den Lakers zu überreden, obwohl er wusste, dass dieser absagen würde.

          „Ich erinnere mich daran, wie Dirk seinerzeit Free Agent war und ich ihn angerufen habe“, berichtete Bryant damals im Interview mit ESPN: „Ich sagte: ‚Dirk, hör zu. Ich weiß, dass du Dallas nicht verlassen wirst. Aber ich muss diesen Anruf machen. Was denkst du?‘ Und er sagte einfach: ‚Du liegst völlig richtig. Ich bleib der Franchise lebenslang treu, so wie du. Du weißt, dass wir beide nicht wechseln werden.‘“

          Nowitzki und Bryant trafen im Verlauf ihrer Karriere 53 Mal aufeinander, 49 Mal in der regulären Saison, vier Mal in den Play-offs. Nowitzki gewann mit den Mavericks 21 dieser Vergleiche, Bryant 32. Das 53. und letzte Duell fand am 13. November 2015 statt, während Bryants letzter Saison: Beim 82:90 erzielte er 19 Punkte, Nowitzki neun.

          Unter dem Eindruck das tragischen Tods von Kobe Bryant haben Spieler und Zuschauer bei den Sonntagsspielen der NBA dem ehemaligen Superstar ihre Ehre erwiesen. Bei nahezu jeder Begegnung provozierten die Mannschaften zu Beginn der Partie eine Strafe, indem sie das Ablaufen der Wurfuhr in Kauf nahmen. In der NBA bleiben für jeden Angriff 24 Sekunden Zeit – die „24“ war neben der „8“ lange Jahre die Rückennummer von Bryant. Dirk Nowitzkis ehemaliger Klub Dallas Mavericks teilte am Sonntag mit, er wolle die Rückennnummer 24 in Gedenken an Bryant nicht mehr vergeben.

          Vor dem Spiel der San Antonio Spurs gegen Meister Toronto Raptors gab es zunächst eine Schweigeminute. Nach dem Anwurf ließen beide Mannschaft je einmal die 24 Sekunden auf der Wurfuhr ablaufen. Das Publikum reagierte mit „Kobe, Kobe“-Rufen. Nach dem Spiel der Los Angeles Clippers bei Orlando Magic (112:97) sagte der sichtlich bewegte Clippers-Coach Doc Rivers: „Es war ein harter Abend für beide Mannschaften, für beide Coaches. Man hat gemerkt, dass in diesem Spiel nicht viel Energie steckte. Keiner von uns war auf so etwas vorbereitet.“

          In Atlanta zog Hawks-Guard Trae Young zu Beginn des Spiels gegen die Washington Wizards mit Isaac Bonga ein Trikot mit der Nummer „8“ über, nach dem Anwurf kniete er mit dem Ball an der Freiwurflinie nieder und ließ die Sekunden ablaufen. Beim folgenden 133:152 der Wizards kam Bonga nur fünf Minuten zum Einsatz (0 Punkte). Auch die New York Knicks und die Brooklyn Nets provozierten jeweils eine Strafe für eine „Shot Clock Violation“. Brooklyns Star Kyrie Irving verzichtete aus persönlichen Gründen auf einen Einsatz, um den Tod von Bryant zu betrauern.

          In New Orleans gab es zum Beginn des Spiels Standing Ovations und „Kobe, Kobe“-Rufe zu Ehren des tödlich Verunglückten, während die Gastgeber und die Boston Celtics ebenfalls jeweils einmal die Uhr ablaufen ließen. Zuvor hatte sich beide Mannschaft mit Handzeichen darauf verständigt, indem sie zwei und vier Finger hochhielten.

          Michael Jordan und Shaquille O'Neal, zwei der wichtigsten Weggefährten, würdigten Basketball-Ikone Bryant ebenfalls mit emotionalen Worten. „Worte können den Schmerz nicht ausdrücken, den ich fühle“, ließ Jordan am Sonntag über seine Sprecherin mitteilen. „Ich habe Kobe geliebt – er war wie ein Bruder für mich. Wir haben sehr oft gesprochen und ich werde diese Unterhaltungen sehr vermissen.“

          Bryant agierte auf der gleichen Position wie Jordan, versuchte dem wohl besten Basketballer der Geschichte im Spielstil und seinen Erfolgen nachzueifern. Mit fünf gewonnenen Titeln in der NBA für die Los Angeles Lakers blieb Bryant nur eine Meisterschaft unter der Marke von Jordan.

          An der Seite von O'Neal holte Bryant von 2000 bis 2002 für die Los Angeles Lakers seine ersten drei NBA-Titel, die Reibungen der beiden Superstars sorgten für reichlich Schlagzeilen. „Es gibt keine Worte, um meinen Schmerz zu beschreiben, den ich durch den tragischen Verlust meiner Nichte Gigi & meines Bruders @kobebryant durchmache“, schrieb O'Neal bei Twitter. „Ich liebe euch und werde euch vermissen.“

          Fans und einzelne Profis haben sich dafür eingesetzt, dass das Logo der NBA zu Ehren der gestorbenen Ikone Bryant geändert wird. Bei der Plattform „change.org“ unterzeichneten bereits bis Montagmorgen mehr als 135.000 Menschen eine entsprechende Petition. Das blau-rot-weiße Logo der National Basketball Association wird seit 1969 von einer Silhouette geziert, die laut des Designers dem damaligen Profi Jerry West nachempfunden ist.

          West war General Manager der Los Angeles Lakers, als das Team Bryant 1996 in der NBA unter Vertrag nahm. „Ich habe mich wirklich wie ein Ersatzvater für ihn gefühlt“, sagte der 81-Jährige nach dem Tod Bryants. „Das ist einer der schlimmsten Tage meines Lebens.“

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