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Dirk Nowitzki im Gespräch : „Dann war es das für eine Weile“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Heute spielt die deutsche Basketballnationalmannschaft gegen Spanien. Im Interview spricht Dirk Nowitzki über die Stimmung und die Chance der Deutschen.

          3 Min.

          Der NBA-Meister kämpft mit der Basketball-Auswahl bei der EM in Litauen um seine zweite Olympiateilnahme. An diesem Mittwoch beginnt die Zwischenrunde. Die Aussichten sind alles andere als rosig. Dabei werde, sagt Bundestrainer Bauermann, Nowitzki ein neues Level erreichen. Die Auseinandersetzung zwischen dem Star und seinem Kollegen Tim Ohlbrecht im Spiel gegen Serbien sei ausgeräumt. Nowitzki will sich dazu nicht mehr äußern.

          Deutschland muss mindestens zwei der drei Spiele in der Zwischenrunde gewinnen, um in das Viertelfinale zu kommen, sonst ist der Olympia-Traum Geschichte. Die Türkei scheint schlagbar. . .

          . . .ja, alle sind schlagbar. Aber Topfavorit ist für mich Spanien. Jetzt haben sie auch noch den Ibaka (Serge) aus Oklahoma eingespaniert, oder wie man das sagt. Und Litauen ist zu Hause ein Bank.

          Sie spielen in der Nationalmannschaft mit jungen Spielern, die aufgewachsen sind mit Nowitzki-Postern über dem Bett und Nowitzki-Kalendern über dem Schreibtisch. Wie sind Sie beim ersten Treffen auf sie zugegangen?

          Ich kannte die meisten. Ich hatte zwar nicht gespielt in den vergangenen zwei Jahren, aber wenn die Mannschaft in Bamberg gespielt hat, bin ich jedes Mal hingefahren. Einmal habe ich mit allen Jungs gegessen, letztes Jahr habe ich mir ein Spiel angeschaut. Das Eis war schnell gebrochen.

          Was bedeutet Nationalmannschaft 2011 für Sie im Gegensatz zu früher?

          Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass ich der Älteste bin. Neulich hat’s mir jemand gesagt. Ich weiß noch, mein erstes Länderspiel 1997 in Portugal: Ich war achtzehn, und die ganzen Alten waren dabei; Henning (Harnisch), Henrik (Rödl), Hansi (Gnad). Das war eine Wahnsinnserfahrung. Und jetzt, vierzehn Jahre später, bin ich der Älteste. Ist schon schade, wie die Zeit dahin gegangen ist. Nationalmannschaft zu spielen bedeutet für mich: Es hat immer Spaß gemacht. Wir hatten viele Erfolge, wir hatten schöne Zeiten. Deshalb habe ich gesagt, ich mach’s noch mal.

          Schwierige Aufgaben: Die Spiele der Zwischenrunde könnten Dirk Nowitzkis letzte Auftritte in der Nationalmannschaft sein

          Brauchen Sie die Truppe auch als Kontrast zur Welt der NBA, die man sich als glamourös, auch ein bisschen hohl, ein bisschen kalt vorstellt?

          Die Nationalmannschaft ist enger zusammen. Wir essen gemeinsam, du teilst dir das Zimmer, was es in der NBA auch nicht gibt. In Amerika ist alles ein bisschen distanzierter; man kommt eigentlich nur zum Arbeiten zusammen. Die Nationalmannschaft ist nur immer vier, fünf Wochen zusammen, das aber ganz schön eng: die Zimmer immer auf einem Flur, alles immer kompakt und dicht. In der NBA wäre so etwas über neun Monate gar nicht möglich. Da würden nach ein paar Wochen alle durchdrehen. Es ist schön, im Sommer zurückzukehren zu den Wurzeln.

          Ist Ihre Teilnahme an dieser Europameisterschaft auch das Versprechen, dass Sie beim Qualifikationsturnier und bei den Olympischen Spielen in London dabei sein werden, wenn die Mannschaft sich qualifiziert?

          Ja, auf jeden Fall. Wenn wir unter die ersten sechs kommen, sind die Olympischen Spiele unser Ziel. Dann werden wir das im nächsten Jahr verfolgen. Aber das ist noch ein weiter Weg. Spanien, die Türkei und Litauen sind dicke Brocken.

          Wenn es nicht so kommt: Könnte es sein, dass Sie hier in Litauen zum letzten Mal das Nationaltrikot tragen?

          Wenn wir es nicht schaffen, dann ist im nächsten Sommer quasi überhaupt nichts. Danach eine Europameisterschaft zu spielen, bei der es nur um die Weltmeisterschaft geht, ist eigentlich nicht mehr drin. Ich lege mich ungern fest und sage jetzt nicht: Das war’s dann. Aber es sieht doch so aus, als ob es das dann für eine Weile war.

          Wenn Deutschland den Zuschlag für seinen Teil der Europameisterschaft 2015 bekommt, wird es dann eine Nummer 14, einen 37 Jahre alten Dirk Nowitzki in der Nationalmannschaft geben?

          Das wäre heftig. Aber eine Heimat-EM auszulassen, wäre natürlich auch bitter. Ich weiß nicht, ob ich mit 37 im Sommer noch monatelang durch die Halle laufe. Mein Vertrag drüben läuft aus, wenn ich 36 bin. Ob ich dann noch Lust habe, ein paar Jahre dran zu hängen, wie der Körper sich dann fühlt, muss man erst mal sehen.

          Brauchen junge Profis solch eine persönliche Betreuung, wie Sie sie von Holger Geschwindner erhalten haben?

          Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Für mich war das der richtige. Holger hat mir alles gezeigt. Für mich war es gut, jeden Tag meine Übungen zu machen, jeden Tag zu arbeiten und diesen gewissen Druck zu spüren. Detlef Schrempf ist mit High School und College einen anderen Weg gegangen, hat es in die NBA geschafft und eine Riesenkarriere gemacht. Für mich war es ein Glücksfall, dass ich den Holger getroffen habe vor sechzehn Jahren.

          Wenn Sie die Zwanzigjährigen betrachten: Löst das Erinnerungen aus?

          Kürzlich habe ich Robin (Benzing) gefragt, wie alt er ist. Und als er antwortete: zweiundzwanzig, da habe ich überlegt, wie es bei mir war vor elf Jahren. Da hatten wir Sydney 2000 verpasst . . .

          … und Sie mussten richtig kämpfen in Amerika.

          Man muss sich durchsetzen. Das ging nicht von heute auf morgen. Das erste Jahr in der NBA war ein Reinfall. Im zweiten ging es dann ein bisschen aufwärts. Das sage ich den Jungen, die mich immer fragen: Man kriegt nichts geschenkt. Klar, Talent ist super. Größe auch. Aber wenn du nicht den inneren Drive hast, den Willen, etwas erreichen zu wollen, dann kannst du es gleich sein lassen.

          Stimmt das: Sie haben vor der Europameisterschaft zum ersten Mal Paparazzi erlebt?

          Das war in Berlin. Ich gehe aufs Hotel zu und sehe einen mit einer Monsterlinse davor stehen. Als ich hinschaue, tut er so, als würde er die Sterne fotografieren. Ich habe mich mit Mithat Demirel, mit dem ich lange gespielt habe, zum Essen getroffen. Am nächsten Tag war ein Bild davon in einer dieser Klatschzeitungen. Das hatte es noch nie gegeben, dass mich Leute mit der Kamera verfolgen. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.

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