https://www.faz.net/-gtl-82avo

Dirk Nowitzki : Die große Mumie

  • -Aktualisiert am

Hofft noch einmal auf den perfekten Wurf: Dirk Nowitzki Bild: dpa

Vor der Saison sollte Dirk Nowitzki von Dallas zu den Houston Rockets wechseln – nun treffen die Teams in den NBA-Playoffs aufeinander. Die erste Partie in der Nacht zum Sonntag (3.30 Uhr) wird eine der letzten Gelegenheiten sein, den Basketballstar live zu erleben.

          3 Min.

          Es hat nicht den mediterranen Glamour von Cannes. Und nicht den wuseligen Auflauf kreativer Köpfe des Sundance Film Festivals in Park City. Doch dafür herrscht auf dem roten Teppich beim Dallas International Film Festival auch nicht ein so großes Gedränge. Es sei denn, die Stars sind Leute, die man in „Big D“ schon sehr gut kennt. So wie am Dienstag, als im Angelika Film Center im Norden der Stadt der deutsche Dokumentarfilm „Nowitzki: Der perfekte Wurf“ seine Amerika-Premiere feierte.

          Es kamen fast alle, die in der Karriere des Basketballprofis aus Würzburg eine Rolle gespielt haben. Allen voran Mark Cuban, der Besitzer der Dallas Mavericks, und Trainer Rick Carlisle. Ebenfalls dabei: zahllose aktuelle und ehemalige Spieler. Gekommen war auch Don Nelson, der geniale und risikofreudige Basketball-Coach, der den Unterfranken damals zu den Mavericks geholt hatte und der sich schon eine Weile auf Hawaii im Ruhestand befindet. Ebenfalls vor Ort: Holger Geschwindner, der Entdecker, Mentor und Trainer, der um diese Zeit immer anreist, um Nowitzki für die Play-offs fit zu machen und der zur Abwechslung mal nicht im Holzfällerhemd auftrat, sondern in einem eleganten dunklen Anzug.

          Multi-Millionen Angebot von Houston abgelehnt

          Das Kino-Event war Anlass, um wieder einmal die Qualitäten und Verdienste eines der berühmtesten Bürger von Dallas zu loben. Während Nowitzki in der für ihn typischen Art den Rummel eher abzuschwächen versuchte. „Ein netter kleiner Streifen“ sei der Film, der im Herbst bereits in Deutschland gelaufen war. Der habe ihn beim ersten Anschauen allerdings „ein wenig beschämt“ – angesichts all der vielen privaten Details.

          Von der Planung her passte die Veranstaltung bestens in den Kalender – kurz vor dem letzten Spiel der „Regular Season“, einem 114:98-Heimsieg über die Portland Trailblazers, und wenige Tage vor dem Auftakt der Play-offs. Für den Start in die entscheidende Phase der Meisterschaft müssen die Mavericks an diesem Samstag nach Houston, wo der Mannschaft mit den Rockets eine schwierige Aufgabe bevorsteht. Die Best-of-Seven-Serie wird eine der letzten Gelegenheiten sein, den 36 Jahre alte Nowitzki in Spielen zu erleben, bei denen es um etwas geht.

          Theoretisch könnte er auch auf der anderen Seite stehen. Doch der Wurfspezialist verschmähte im letzten Sommer das hochdotierte Angebot der Rockets, das ihm bei einer Laufzeit von drei Jahren knapp 100 Millionen Dollar eingebracht hätte. Der beste Basketballer Europas wollte nicht gegen Ende seiner Karriere und so kurz nachdem er eine Familie gegründet hatte, die vertraute Umgebung aufgeben. Er gab sich stattdessen in Dallas mit einem Viertel des Betrags zufrieden. Das übrige Geld investierte der Klub sukzessive in Verstärkungen, was zeigte, wie groß die Ambitionen auf den Titel sind. Den gewannen die Mavericks 2011 zum einzigen Mal.

          Wiedersehen in den Play-offs: Dorsey (Houston) und Nowitzki (Dallas)

          Doch weder die Rückkehr von Center Tyson Chandler noch die Verpflichtungen zweier sehr guter Flügelspieler mit dem jungen Chandler Parsons und dem schon etwas älteren Amar‘e Stoudemire sowie der Tausch, der den erfahrenen Aufbauspieler Rajon Rondo nach Dallas brachte, schlugen sich in den Resultaten nieder. Trainer Rick Carlisle kann bestenfalls mit einem Teil der Bilanz aus den 82 Spielen der Punkte-Phase zufrieden sein: mit der Offensivleistung, die von einem temporeichen, druckvollen Spiel lebt, mit dem das Team 105,2 Punkte pro Begegnung produzierte. Damit steht Dallas auf dem dritten Platz der Angriffsstatistik aller 30 NBA-Teams.

          Dallas mit guten Chancen

          Es gibt natürlich einen Grund, weshalb die Mannschaft in der Western Conference gerade einmal den siebten von acht Play-off-Rängen schaffte: Die Achillesferse ist das Defensivverhalten. Und das betrifft auch Nowitzki, dem man vor kurzem in der Trainingshalle den Spitznamen „große Mumie“ verpasste, weil er steifer und unbeweglicher wirkt als früher, wenn er sich in der Verteidigungsarbeit engagiert. „Mumie“, sagte der Kapitän, der einst in einer Abend-Talkshow des amerikanischen Fernsehens selbstironisch eine Liste voller Verhohnepielungen vorgetragen hatte, in einem Interview. „Der ist gut.“

          Tatsächlich haben die Mavericks gegen die Rockets durchaus Chancen. Denn die Positionen in der Tabelle der leistungsstarken Western Conference täuschen. Houston holte aus dem Marathon der Hauptrunde als Zweiter nur sechs Siege mehr heraus als Dallas.

          „Wir haben in diesem Jahr viermal gegen sie gespielt“, sagte Rockets-Trainer Kevin McHale. „Sie sind eine gute Mannschaft. Wir kennen ihre Stärken. Es geht darum, möglichst gut vorbereitet zu sein.“ Sein Gegenüber Rick Carlisle konzentriert sich derzeit eher auf die Psychologie des Spiels: „Wir müssen ignorieren, was nicht wichtig ist. Wichtig sind, dass wir als Gruppe zusammenhalten und eine starken Willen haben. Das ist der entscheidende Faktor für diese Serie.“

          Weitere Themen

          Die große Show des Erling Haaland

          Dortmund 5:3 in Augsburg : Die große Show des Erling Haaland

          Was für ein Spiel! Der BVB stellt sich in Augsburg erst dilettantisch an. Doch Dortmund kommt zurück und siegt am Ende noch – weil der junge Neuzugang Erling Haaland einen spektakulären Einstand zeigt.

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Burghausen ringt um den Imagewert

          FAZ Plus Artikel: Ringen : Burghausen ringt um den Imagewert

          Ein ehemaliger Sportlehrer als Bürgermeister: Kein Wunder, dass in Burghausen der Wert des Sports für das Wohl der Gemeinde hoch eingeschätzt wird. Die Ringer stoßen in die Lücke, die die Fußballer gelassen haben.

          Topmeldungen

          IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.