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Dirk Nowitzki : Das Herz in Dallas

  • -Aktualisiert am

In Dallas zuhause: Dirk Nowitzki Bild: dpa

Bei Dirk Nowitzkis Vertragsverlängerung hat Mark Cuban, Besitzer der Dallas Mavericks, leichtes Spiel. In Texas fühlt sich der Deutsche zu Hause. Dort will er zu Ende bringen, was er vor zwölf Jahren in der NBA begann.

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          Als der Chefmanager der Mavericks vor einer Woche im Flughafen von Dallas am Schalter stand, um seinen Flug nach Deutschland zu buchen, wurde er von einem Anruf überrascht. Am anderen Ende der Leitung war Holger Geschwindner, Entdecker, Mentor und Manager von Dirk Nowitzki. Der erklärte Donnie Nelson, er möge sich die Reise nach Würzburg doch bitte sparen. Er und sein Schützling seien ohnehin auf dem Weg nach Dallas. Und dann könne man über alles weitere reden.

          Als die beiden nicht wie angekündigt am nächsten Tag in Texas eintrafen, sickerte die Meldung rasch durch, dass sie erst noch einen Abstecher nach New York eingelegt hatten. Und nervöse amerikanische Basketballjournalisten versuchten, daraus ein taktisches Geplänkel herauszulesen. Denn dieser Tage sind viele Klubs, darunter auch die New York Knicks und die New Jersey Nets, hinter jedem prominenten NBA-Profi her, der sich als sogenannter Free Agent auf dem Markt befindet – mit Nowitzki als einem der attraktivsten Spieler dieser Kategorie. Donnie Nelson, der oft wie ein erfahrener Politiker auftritt, blieb jedoch gelassen: „Es ist egal, ob heute oder morgen. Die Diskussion wird stattfinden.“

          Er sollte recht behalten. Am späten Samstagabend, nachdem sich Nowitzki über eine Stunde lang mit Club-Besitzer Mark Cuban unterhalten hatte, war die Sache klar. „Ich denke, es ist ein großartiger Deal. Wir sind begeistert“, sagte Holger Geschwindner. Der Vertrag kann nach den Bestimmungen der NBA allerdings offiziell frühestens an diesem Donnerstag unterzeichnet werden.

          In Treue zu den Mavs

          Je mehr seit dem Wochenende über die Einzelheiten bekannt wurde, desto weniger lässt sich die Begeisterung nachvollziehen. Statt einer Maximalgage von 96 Millionen Dollar für vier Jahre, die dem besten Basketballspieler Europas im Rahmen der tarifvertraglichen Beschränkungen der Liga zugestanden hätten, akzeptierte er eine Offerte von 80 Millionen Dollar.

          „Mein Herz ist hier“

          Statt bei einem anderen Klub anzuheuern, bei dem ihm ein hervorragender Nebenmann zur Seite gestellt worden wäre, ließ er sich wieder von Versprechungen des Mavericks-Besitzers bezirzen. Mark Cuban versucht seit Jahren mit sehr viel Geld, einen Titelanwärter zusammenzupuzzeln – und ist dabei doch jedes Mal im entscheidenden Moment gescheitert. So unterlagen die Mavericks 2006 in der Finalserie Miami Heat und ein Jahr danach schon in der ersten Runde der Playoffs, als das Team auf dem Papier so gut wie unschlagbar wirkte.

          Der clevere Milliardär Cuban hatte leichtes Spiel. „Offensichtlich waren ein paar Teams interessiert“, sagte Nowitzki, der noch am Ende einer wieder enttäuschenden Saison angekündigt hatte, er wolle diesmal alle Optionen ausloten. „Aber es kam nie an den Punkt, an dem ich mir das wirklich anhören wollte. Mein Herz ist hier.“

          Das Ziel NBA-Meister

          Hier – das ist Dallas, die einzige Stadt außerhalb von Würzburg, in der er jemals gelebt hat. Seine Verbundenheit und Loyalität reichen weit. Erst recht, nachdem Nowitzki Cubans Unterstützung in jener Zeit Anfang 2009 schätzen gelernt hatte, als seine Verlobung mit einer von der Polizei gesuchten Betrügerin platzte, mit der er bereits viele Monate zusammengelebt hatte „Er ist mehr als ein Klub-Besitzer. Das ist wie eine Freundschaft“, beschrieb der Unterfranke die Beziehung. „Ich habe das Gefühl, ich habe hier vor zwölf Jahren etwas begonnen, das ist noch nicht vollbracht. Davor will ich nicht weglaufen.“

          Die Aufgabe wird mit wachsendem Alter nicht leichter. Denn sein Ziel und das der Mavericks lautet noch immer, eine NBA-Meisterschaft zu gewinnen, wofür die stärksten Konkurrenten in der Western Conference – seien es Meister Los Angeles Lakers oder die aufstrebenden Oklahoma Thunder allerdings besser gerüstet scheinen. Oklahoma setzt in der Zukunft ebenfalls auf deutsche Wertarbeit. Der Klub sicherte sich mit Hilfe mehrerer komplizierter Tauschaktionen im Juni die Rechte am 20 Jahre alten Bamberger Nationalmannschafts-Center Tibor Pleiss.

          WM-Teilnahme fraglich

          Nowitzki hat mit seiner Zusage in Dallas das einzige Druckmittel aus der Hand gegeben, um die Verpflichtung erstklassiger Nebenleute zu erzwingen. Stattdessen gab er den Mavericks mit dem Verzicht auf ein höheres Gehalt einen Vorschuss an gutem Willen. „Für mich ging es noch nie um das Geld“, sagte er am Montag, „ich bin froh, dass ich dem Klub helfen und ihm die Möglichkeit geben kann, jemanden zu verpflichten und so die nächste sportliche Stufe zu erreichen.“

          Einen Tag später flog er nach Hamburg, wo am Wochenende die Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft in der Türkei beginnt, die vom 28. August bis 12. September stattfinden. Wichtigster Punkt der Reise: die Verpflichtung gegenüber einem Werbepartner. Ob Nowitzki an der WM teilnimmt, steht hingegen noch gar nicht fest.

          Er hatte im letzten Jahr auf die Europameisterschaft in Polen verzichtet und vor Beginn der NBA-Saison eine wichtige Erfahrung gesammelt: „Ich kam zum ersten Mal innerlich bereit und mit viel Energie ins Trainingslager und habe die Anfangsphase besser denn je gespielt“, sagte er. „Wir werden sehen. Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile.“ Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. Eine Einsicht allerdings hat er: „Wenn ich spiele, muss ich ziemlich rasch mit dem Training beginnen.“

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