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Dimitrij Ovtcharov im Gespräch : Für russische Sportler „ist das traurig und ungerecht“

  • -Aktualisiert am

Dimitrij Ovtcharov: „Ich habe eine wunderbare Hilfsbereitschaft der Deutschen für die ukrainischen Flüchtlinge erfahren.“ Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov wurde in Kiew geboren. Im Interview spricht er über russische Sportler, deutsche Gastfreundschaft für ukrainische Flüchtlinge und sein neues sportliches Projekt.

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          Sie sind in Kiew geboren. Haben Sie noch Familienangehörige in der ukrainischen Hauptstadt?

          Ja, meine Oma. Aber seit ein paar Wochen lebt sie bei meinen Eltern in der Nähe von Hannover. Sie ist schon 85 Jahre alt, es war unheimlich schwer, sie aus dem Land rauszukriegen. Da haben wir sehr viel Hilfe gebraucht. Wir waren alle extrem geschockt, traurig und die ersten zwei, drei Tage wie gelähmt, als der Krieg begann.

          Wie ist Ihrer Oma die Flucht gelungen?

          Das hat insgesamt fast zwei Wochen gedauert, weil sie selbst nicht mobil ist und kein Auto fährt. Sie hat zwei-, dreimal selbst probiert, in den Zug am Hauptbahnhof zu steigen. Da waren ja Tausende von Menschen dort, das Gedränge war riesengroß, sie schaffte es einfach nicht hinein, zumal sie auch noch die ganze Reise über mehrere Stunden hätte stehen müssen, weil die Waggons überfüllt waren. Es war dann purer Zufall und Glück, dass sie es schließlich schaffte. Ein alter Tischtennisfreund meines Vaters rief an und erzählte, dass er seine Familie ins Ausland, in Sicherheit, bringen wolle. Er selbst musste in der Ukraine bleiben und das Land verteidigen. Er bat meinen Papa, ihm bei der Wohnungssuche und den Behördengängen zu helfen, weil niemand in der Familie Deutsch spricht. Im Gegenzug nahm der Freund meine Oma mit.

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