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Dimitrij Ovtcharov im Gespräch : „Die Leute schreien während der Ballwechsel vor Begeisterung“

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„Man ist alle paar Tage an einem anderen Ort, die Hallen sind meistens ausverkauft“: Dimitrij Ovtcharov ist begeistert von China Bild: dpa

Dimitrij Ovtcharov beendet in wenigen Tagen seine erste Saison in der chinesischen Super League - und hat viel Spaß an Doppeln mit Stars aus dem Reich der Mitte. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Erlebnisse in China.

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          Sie spielen gerade in China die Super League. Welche Bedeutung hat dieses Turnier für Sie?

          Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Es ist das erste Mal, dass ich in der chinesischen Super League mitspiele. Was toll ist, ist einfach diese landesweite Begeisterung für den Sport. Man ist alle paar Tage an einem anderen Ort, die Hallen sind meistens ausverkauft, und man trifft eben jeden Tag auf die besten Spieler der Welt. Das ist eine große Herausforderung für mich, weil ich dadurch sportlich den nächsten Schritt machen kann.

          Haben Sie inzwischen so etwas wie einen chinesischen Lieblingsgegner?

          Schwer zu sagen. Es gibt eben sehr, sehr viele, die sehr, sehr gut sind. Man kann nicht sagen, die ersten zehn Chinesen in der Weltrangliste sind auch die Stärksten, weil alle eigentlich extreme Gegner sind, wir reden da insgesamt vielleicht von zwanzig, dreißig Spielern, die nahe beieinander liegen. Auch die ersten vier der Welt nehmen sich ziemlich wenig.

          Wie spielt es sich vor chinesischem Publikum?

          Anders. Das deutsche Publikum ist da doch sehr viel ruhiger, die schauen sich die Partie an und sind die ganze Zeit ziemlich still. Die chinesischen Zuschauer gehen sehr viel mehr aus sich heraus, vor allem gibt es immer extrem viele Geräusche um einen herum. Wenn denen zum Beispiel ein Ballwechsel gefällt, schreien sie schon einmal rein vor Begeisterung - oder auch wenn es ihrer Meinung nach schlecht gespielt war.

          Irritiert Sie das?

          Nein. Das macht mir eher Spaß, weil man sieht, dass die Menschen von deinem Sport fasziniert sind und genau beobachten, was du machst und bei jedem Ball dabei sind. Es ist teilweise eher eine Kulisse, wie man sie vielleicht beim Basketball hat.

          Also fehlt es den Deutschen schlicht an Begeisterung für Tischtennis?

          Dieses Urteil wäre nicht fair. Es sind völlig unterschiedliche Voraussetzungen. Meiner Meinung nach ist der Hauptunterschied einfach, dass Tischtennis in China ein Mediensport ist. Das heißt, alle drei Tage wird ein Spiel live auf CCTV übertragen, in einem Umfang, der etwa so ist wie die Fußballberichterstattung bei großen Sendern in Deutschland. Selbst die kleineren Spiele kann man fast alle auf Regionalsendern anschauen, es wird häufig über die einzelnen Spieler berichtet. Dadurch wissen die Leute natürlich auch immer, was los ist, sind informierter und können sich auch besser für den Sport begeistern, weil sie immer nah dran sind.

          Was haben Sie bisher vom Land China mitbekommen?

          Eigentlich ist mein Tag total durchgeplant. Weil die Super League an verschiedenen Orten im ganzen Land gespielt wird, sind wir alle paar Tage woanders, da wir auch noch ziemlich viel trainieren, gehen die Tage relativ schnell rum. Für Sightseeing und um sich in den einzelnen Städten umzuschauen habe ich da wenig Zeit. Ich bin aber auch kein großer Sightseeing-Fan. Ich war schon sehr oft in China und denke, das Wichtigste habe ich gesehen.

          Bei den China Open im Juni haben Sie im Doppel mit Yan An gespielt und mussten sich erst im Finale gegen Timo Boll/Ma Long geschlagen geben. Wie hat das deutsch-chinesische Teamwork funktioniert?

          Das war eine ziemlich interessante Zeit für uns. Die Chinesen sprechen leider nicht gut Englisch, daher kommunizieren wir sonst eigentlich sehr selten miteinander, außer „Hallo“, „Tschüs“ und „Wie geht’s?“ reden wir eher wenig. Bei den China Open haben wir aber gemeinsam im Doppel gespielt, und dann muss man eben so gut es geht miteinander kommunizieren. Wir haben nach einer Weile dann auch gemerkt, dass die Chinesen ein bisschen auftauen und etwas aufgeschlossener werden. Am Schluss hat man gesehen: Denen hat‘s Spaß gemacht, uns hat es Spaß gemacht. Ich werde auch noch die zweiten China Open im August spielen, und auch da werde ich wieder im deutsch-chinesischen Doppel antreten.

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