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Erfüllung eines Traums: Dimitirj Ovtcharov ist Weltranglistenerster Bild: dpa

Tischtennis-Profi Ovtcharov : Warum ein Deutscher die Weltrangliste anführt

  • -Aktualisiert am

Die Tischtenniswelt scheint in deutscher Hand: Dimitrij Ovtcharov steht an der Spitze, Timo Boll auf Rang drei der Weltrangliste – das Ranking erzählt aber nur die halbe Wahrheit.

          „Für mich“, sagt Dimitrij Ovtcharov, „ist es die Erfüllung eines Traumes. Ich habe 20 Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet und es nun geschafft.“ Ovtcharov ist nicht Weltmeister oder Olympiasieger geworden, doch in der neuen Tischtennis-Weltrangliste wird der 29-Jährige erstmals an Position eins geführt, und das, schildert er, „fühlt sich für mich persönlich an wie der Gewinn eines Welttitels“.

          Wer auch nur ein bisschen von Tischtennis versteht, der reibt sich beim Blick auf diese Rangliste verwundert die Augen: An der Spitze Dimitrij Ovtcharov, dahinter der Chinese Fan Zhendong und auf Rang drei schon der nächste Deutsche: Timo Boll wird mit 36 Jahren so hoch eingestuft wie schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Der Hesse war von Januar bis Mai 2003 die Nummer eins der Tischtennis-Welt, von Januar bis März 2011 dann noch einmal, doch seitdem führten nur Chinesen das Ranking an, zuletzt 34 Monate lang Ma Long.

          Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) steht damit so gut da wie nie zuvor in seiner Geschichte. Knapp drei Monate vor Beginn der Mannschafts-WM in Halmstad (Schweden) hat das Herren-Team des DTTB eine sehr gute Ausgangslage: Die übermächtigen Chinesen, die seit 18 Jahren bei Weltmeisterschaften unbesiegt sind, erscheinen angreifbar.

          Die Chinesen spielen kaum

          Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Chinas Stars haben zwar 2017 eine Krise durchlebt, nachdem infolge sportpolitischer Machtkämpfe ihr langjähriger Cheftrainer Liu Guoliang sowie der größte Teil seines Stabes geschasst wurden. Weltmeister und Olympiasieger Ma Long kämpft seit Monaten mit Schmerzen im Handgelenk und konnte kaum spielen. Seit der Individual-WM in Düsseldorf, die Ma im Mai noch gewonnen hatte, traten die Stars aus dem Reich der Mitte nur noch selten in Erscheinung.

          Deutsche Spitzenspieler: Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov (rechts)

          Doch die aktuellen Einstufungen sind auch Ergebnis einer neuen Berechnungsart der Tischtennis-Weltrangliste, die seit dem 1. Januar gilt. Das Prinzip: Gegen wen man gewinnt oder verliert, spielt keine Rolle mehr, ausschlaggebend für die Anzahl der zu vergebenden Punkte ist nur noch die Einstufung der Veranstaltung – Weltmeisterschaften und Olympische Spiele werden am höchsten bewertet – sowie die jeweilige Runde eines Turniers. Die besten acht Ergebnisse jedes Akteurs kommen in die Wertung, wer weniger als acht relevante Turniere bestreitet, ist also schon im Nachteil. Und die Resultate bleiben nur noch ein Jahr lang in der Wertung (mit Ausnahme der WM-Ergebnisse, die zwei Jahre gelten).

          Neue Berechnungsart hilft

          Diese neue Berechnungsweise hat Ovtcharov von Position drei auf eins gehievt, denn 2017 war das beste Jahr seiner Karriere. Er hat vier Turniere auf der World Tour bestritten (vergleichbar der ATP im Tennis) und alle vier gewonnen, dazu den World Cup und das europäische Ranglistenturnier European Top 16. Er wurde zudem mit der DTTB-Auswahl Mannschafts-Europameister und zum Jahresende noch Zweiter bei den World Tour Grand Finals; nur bei der WM erlebte er mit dem Aus im Achtelfinale eine Enttäuschung.

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