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Die Vision des Königs : Wie Magnus Carlsen den Schachsport verändern will

König auf dem Thron: Schach-Weltmeister Magnus Carlsen ist der Superstar des Spiels der Könige Bild: Imago

Magnus Carlsen hat längst alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Aber der Schach-Weltmeister hat höhere Ziele. Dafür wagt er sogar den Machtkampf mit den Traditionalisten.

          5 Min.

          An einem Samstagabend im Dezember legte sich Magnus Carlsen mit einem Grinsen ins Bett. Er war verzaubert davon, was ein paar Stunden früher im Fußballstadion an der Anfield Road in Liverpool passiert war. Wie Sadio Mané den Ball durch den Strafraum gepasst, wie Divock Origi ihn mit dem Spann getroffen, wie Mohamed Salah ihn mit der Hacke ins Tor gelenkt hatte. In England war das Tor, obwohl sehr hübsch, keine große Sache. In Norwegen aber freute sich ein Mann darüber so sehr, dass er sogar im Bett noch grinste. An diesem Abend im Dezember war Magnus Carlsen, der weltbeste Schachspieler, auch der weltbeste Premier-League-Manager.

          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Jetzt, acht Monate später, findet man Carlsen in der Abschlussrangliste der Manager auf Platz elf, so steht es auf der Website von „Fantasy Premier League“. Mehr als sieben Millionen Menschen spielten dort in dieser Fußballsaison mit: Sie meldeten sich vor dem ersten Spieltag an, durften 100 Millionen virtuelle Pfund für 15 Profis aus der ersten englischen Liga ausgeben, und wenn ihren Spielern auf dem echten Rasen gute Aktionen gelangen, gab es Punkte im Internet. Als Salah im Dezember mit der Hacke ins Tor traf, war Carlsen auf einmal Erster, vor sieben Millionen anderen, kaum zu glauben.

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