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Team Zverev : Glücksfall Familie

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Alexander Zverev: „Das wichtigste für einen Profi ist es, Siegen und Niederlagen keine zu große Bedeutung beizumessen.“ Bild: EPA

Verwandtschaft kann belastend sein im Spitzensport, bei den Zverevs ist es ein Glücksfall. Insbesondere für Alexander Zverev, der viel von seinem großen Bruder Mischa lernt.

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          Wer die Gelegenheit der Liveübertragung durch das ZDF ergriffen hat und zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder Herrentennis sah, mag sich getäuscht vorgekommen sein. Das soll die neue große deutsche Tennis-Hoffnung sein? Dieser Junge könnte einmal wie Boris Becker die Nummer eins werden? Nie und nimmer! Doch! Alexander Zverev ist zwar im bildlichen Sinne im Finale der Gerry Weber Open in Halle/Westfalen von Roger Federer übers Knie gelegt worden. Aber das 1:6, 3:6, das für den 20 Jahre alten Hamburger demütigende Momente hatte, bedeutet lediglich eine Momentaufnahme, keine endgültige Bestimmung des Könnens und des Potentials Zverevs.

          Der junge Mann ist von einem Ausnahmekönner auseinandergenommen worden, dem an diesem Tag alles gelang, was er sich vorgenommen hatte. Mit fast 36 Jahren hat Federer nichts von seinem Können eingebüßt, er hat es eher erst zur größten Reife entwickelt. Seinem Körper muss er zwar Tribut zollen nach gut 20 Jahren Leistungssport. Aber er hat die richtigen Schlüsse daraus gezogen, dass er nicht mehr 20 ist. Seine Turnierpause nach dem Triumph in Miami im April war genau die richtige Maßnahme, um sich zu erholen und bestmöglich auf Wimbledon vorzubereiten.

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          Der Re-Start vergangene Woche in Stuttgart geriet holprig und endete mit einer Zweitrunden-Niederlage gegen Tommy Haas. Was den Schweizer aber nicht weiter beunruhigte. Und dabei sind wir beim Erfolgsgeheimnis für eine erfolgreiche, langjährige Tenniskarriere – über die Grundvoraussetzungen Talent und Gesundheit hinaus. Realitätssinn, Konsequenz, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen. Tugenden, die leichter zu entwickeln und bewahren sind, wenn der Tennisprofi ein Umfeld um sich hat, das ihm in schwachen Momenten Halt gibt.

          Federer gibt ein gutes Beispiel, Rafael Nadal, Andy Murray ebenso und Novak Djokovic erst recht. Solange der Serbe mit seinem Team glücklich war und ihm vertraute, spielte er eine dominierende Rolle. Seit er zweifelt und seine Betreuer austauscht, sucht er seine Konstanz.

          Alexander Zverev ist in dieser Hinsicht bestens aufgehoben. Einerseits schart er externe Kapazitäten wie den Fitness-Coach von Andy Murray um sich. Andererseits hat er seine Familie. Verwandtschaft kann belastend sein im Spitzensport, bei den Zverevs ist es ein Glücksfall. Wer Vater, Mutter, Oma und die beiden Söhne in Halle erlebte, entdeckte nichts anderes als Harmonie. Vater Alexander Michailowitsch, Davis-Cup-Spieler seines Landes, kam als Trainer nach Deutschland und steht noch heute mit seinen Söhnen auf dem Platz.

          Mutter und Oma waren ebenfalls russische Meisterspielerinnen. Der ältere Bruder Mischa (29) spielt eine wichtige Rolle als Trainingspartner und Vertrauter. Mischa, mittlerweile Nummer zwei in Deutschland, begann seine Profikarriere zehn Jahre vor Alexander und hat alles schon mitgemacht, was seinen kleinen Bruder irritieren könnte. So wie die Klatsche durch Federer. Aber Alexander hat in dieser Woche in Halle gesagt, das wichtigste für einen Profi sei es, Siegen und Niederlagen keine zu große Bedeutung beizumessen, sich ein Kurzzeitgedächtnis anzueignen. Wichtiger sei es, an die Entwicklung des Spiels zu denken. Um ihn muss man keine Angst haben.

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