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New England Patriots : Die ungewöhnlichen Methoden des Football-Riesen

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Durchsetzungswille ist gefragt: James White (vorne) von den New England Patriots im Duell mit Wesley Woodyard von den Tennessee Titans. Bild: USA TODAY Sports

„Liebe Gott, liebe deine Familie, und lies jeden Tag die Bibel“: Wie der Geistliche Jack Easterby versucht, aus den Footballprofis der New England Patriots bessere Menschen zu machen.

          So etwas wie den perfekten Angriffsspieler in Amerikas populärster Sportart hat die Natur nur selten im Angebot. Denn es reicht nicht, dass jemand mindestens 1,90 Meter groß ist, um sich lange Pässe angeln zu können. Und dass er mehr als 120 Kilogramm schwer ist, damit ihn seine Gegner nicht einfach umpusten können. Oder dass er so schnell läuft wie ein Sprinter. Gefragt ist eine deftige Prise Aggressivität und ein Schalter im Kopf, mit dem man – rücksichtslos gegen sich selbst – jeden Gedanken an das Risiko einer Verletzung ausknipst.

          Mit Aaron Hernandez schienen die New England Patriots 2010 genau diesen Typen gefunden zu haben. Da machte es auch nichts, dass er in seiner Zeit am College unangenehm aufgefallen war. Dass er nicht nur in eine Schießerei verwickelt gewesen sein sollte, sondern bei einem Handgemenge vor einer Kneipe den Rausschmeißer verletzt hatte. Oder dass sein Trainer an der University of Florida seinen NFL-Kollegen Bill Belichick davor warnte, dem jungen Footballtalent einen Profivertrag zu geben: „Fass diesen Typen bloß nicht an.“

          Acht Jahre später ist klar, was sich die Patriots damals einhandelten: einen herausragenden Tight End, den man bei der Vertragsverlängerung 2012 mit acht Millionen Dollar jährlich an sich band. Aber auch einen Mann, der 2015, zwei Jahre nach der Tat, in Boston wegen Mordes für schuldig befunden wurde. 2017 nahm er sich in der Zelle das Leben. Hernandez war 27 Jahre alt. Eine Autopsie seines Gehirns ergab: Er litt massiv unter chronisch-traumatischer Enzephalopathie als Folge vieler Gehirnerschütterungen, die sich Spieler beim Zusammenprall Mann gegen Mann einhandeln. Mehr noch: In einem Buch, das sein Bruder vor wenigen Wochen veröffentlichte, mutmaßte der, dass der Footballspieler seine sexuelle Identität verheimlichte. Hernandez soll verkappt homosexuell gewesen sein.

          Eine Position, die es in keinem anderen Team gibt

          In der Umkleidekabine der New England Patriots ging das Leben weiter, als sei nichts Besonderes geschehen. „Ich denke nicht oft an ihn“, gab Quarterback Tom Brady vor einem Jahr zu. „Es ist einfach nur sehr tragisch. Und zwar für alle Beteiligten.“ Die Klubführung allerdings reagierte. Erst kündigte sie den Vertrag mit Hernandez fristlos. Dann schuf sie eine Position, die es in keinem anderen NFL-Team gibt: die eines sogenannten „Charakter-Trainers“. Der Job ging an Jack Easterby, einen ehemaligen College-Basketballspieler, der kurz zuvor eine Stiftung gegründet hatte, die darauf abzielt, Sport als missionarische Plattform zu benutzen. Ihr Ziel: das Konzept von „Gottes allumfassender Herrschaft über jeden Bereich in unserem Leben“ zu verbreiten.

          Sein Büro im Stadionkomplex der Mannschaft in Foxboro befindet sich unweit von dem des Cheftrainers Bill Belichick. Er nimmt an Zusammenkünften von Spielern teil und macht sich im Training nützlich, wenn er herumfliegende Bälle einsammelt. In der vergangenen Saison fingen ihn Kameras am Spielfeldrand ein, als er sich während eines Spiels der Patriots gegen die Buffalo Bills schlichtend in ein hitziges Wortgefecht zwischen Star-Quarterback Brady und dem für den Angriff zuständigen Trainer Josh McDaniels einmischte.

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