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Die Tücken von Augusta : Putten in der Badewanne

  • -Aktualisiert am

Tückisch: Martin Kaymer darf in Augusta immerhin noch mitspielen. Bild: AP

Beim Masters machen die Grüns den Golfern zu schaffen. Sie sind dank besonderer Belüftung stets schnell und zudem wellig. Manche hoffen, dass der Ball zufällig ins Loch fällt. Andere wählen Bergauf-Schläge.

          Sie schlagen den Ball mehr als 300 Meter weit – und doch schaffen es die besten Golfer der Welt oft nicht, den Ball aus kurzer Entfernung im 10,8 Zentimeter großen Loch unterzubringen. Putten hat mit dem Rest des Spiels nichts zu tun, denn die letzten Meter rollt der Ball nach seiner Luftreise auf dem extrem kurzgeschorenen Stück Rasen. Das Vertrackte daran: Ein Putt aus wenigen Zentimetern zählt genauso als ein Schlag wie ein Drive über 300 Meter.

          Nirgends in der Welt ist das „kurze Spiel“ so tückisch und so entscheidend für den Ausgang des Turniers wie auf dem Platz des Augusta National Golf Clubs. „Beim Masters sind die Grüns einfach extrem schwierig. Und vor allem sind sie immer pfeilschnell, selbst wenn es wie diesmal in den letzten Tagen stark geregnet hat. Bei jedem Putt, selbst aus kürzester Entfernung, muss man auf der Hut sein“, behauptet der Amerikaner Zach Johnson, der 2007 in Augusta gewann. Alle Grüns auf dem Platz des elitären Klubs können mit dem unterirdischen Sub-Air-System getrocknet und belüftet werden. Sie sind deshalb immer in einem perfekten Zustand und sehr schnell.

          Der Bach gibt die Richtung vor

          Hinzu kommt, dass der Platz extreme Höhenunterschiede aufweist. Höchster Punkt ist der hintere Teil des ersten Grüns. Er liegt 53 Meter höher als die Löcher 11, 12 und 13, die vom Rae’s Creek geschützt werden. Dieses Gefälle hat starken Einfluss darauf, wie die Putts „brechen“, also wie der Ball seine Richtung ändert. Alle Putts brechen zum Rae’s Creek, behaupten die erfahrenen Taschenträger des Klubs. In der Hütte der Caddies hängt deshalb eine große Zeichnung an der Wand, auf der mit einem roten Punkt auf jedem Grün angezeigt wird, in welcher Richtung dieser Bach liegt. „Das Putten ist hier ganz anders als auf allen anderen Plätzen der Welt. Selbst bei Putts aus einem bis zweieinhalb Metern gibt es Breaks von 30 Zentimetern und mehr“, sagt Martin Kaymer, der mit 147 Schlägen als geteilter 57. den Cut schaffte aufgrund einer Sonderregel, aber mit seiner Leistung auf den Grüns zufrieden war: „Ich habe viele gute Putts gemacht.“

          Eine Aussage, die auch für Bernhard Langer, der um 18:15 Uhr auf die dritte Runde gehen wird (live in Sky) galt, der nach zwei Runden als 29. nur sechs Schläge  hinter der Spitzengruppe liegt. Eine erstaunliche Leistung für einen 61 Jahre alten Profi, der ansonsten ausschließlich auf der PGA-Tour Champions spielt, der Turnierserie für „Best Agers“, die das fünfzigste Lebensjahr vollendet haben. Bei seiner 36. Teilnahme am Treffen der Meister im amerikanischen Bundesstaat Georgia kennt der Masters-Champion von 1985 und 1993 die extrem ondulierten Grüns in Augusta bestens. Und doch lernt er immer noch dazu. Denn jedes Jahr werden auf dem Platz Änderungen vorgenommen. So wurde das 5. Loch, im vergangenen Jahr schon das schwerste des Platzes, auf 495 Yards (453 Meter, Par 4) verlängert und das Grün angehoben und an einigen Stellen abgeflacht.

          Noch immer gut dabei: Bernhard Langer beim unnachahmlichen Putt.

          „Man lässt den Ball zum Loch schweben und hofft irgendwie, dass er reingeht“, sagt Phil Mickelson, der Masters-Champion der Jahre 2004, 2006 und 2010. Der 48 Jahre alte Amerikaner liegt nach zwei Runden mit 140 Schlägen als Zwölfter nur vier drei Schläge hinter den fünf Führenden Brooks Koepka, Adam Scott, Jason Day 137,
          Francesco Molinari und Louis Oosthuizen. „Man versucht beim Masters nicht, den Ball einzulochen“ sagt Zach Johnson: „Man versucht, ihn möglichst nahe ans Loch zu bringen, und hofft, dass er ins Loch fällt.“

          Der Amerikaner Brandt Snedeker, der wie Linkshänder Mickelson als einer der weltbesten Putter gilt, zieht einen ganz besonderen Vergleich: „Es fühlt sich an, als ob man in einer Badewanne puttet.“ Besonders, wenn es auf den Grüns bergab geht, wird gerne der Satz zitiert, dass es sich bei diesen Putts so anfühle, als versuche man den Ball vom Dach eines Autos in ein Loch auf der Motorhaube zu bringen. Mit anderen Worten: ein fast unmögliches Unterfangen. „Das Wichtige auf diesem Platz ist, dass man sich immer einen Bergauf-Putt lässt“, sagt der zweimalige US-Open- und PGA-Champion Koepka.

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