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Tour de France : Tempoverschärfung der Osteuropäer

Zwei Etappensiege: Rafal Majka hat auch am Mittwoch gewonnen Bild: dpa

Die osteuropäische Garde trumpft mächtig auf bei der Tour de France. Der Slowake Peter Sagan wird wohl das Grüne Trikot gewinnen, anderen winkt ein besserer Vertrag. Am Donnerstag steht für alle aber erst einmal eine schwere Prüfung in den Pyrenäen auf dem Programm.

          3 Min.

          Leopold König ist noch nicht auf die Idee gekommen, mit seinem Rad zu jonglieren, jedenfalls nicht bei der Tour de France. Für solche Späße sind andere zuständig, zum Beispiel Peter Sagan. Der Slowake ist so etwas wie das närrische Element des Radsports, er hat bereits häufig mit Faxen von sich reden gemacht. So ruderte Sagan schon mal mit den Armen wie die Filmfigur Forrest Gump. Bisweilen überschreitet der extrovertierte Radprofi aber auch Grenzen. Etwa, als er einer Hostess auf dem Podium an den Allerwertesten griff; Sagan musste sich dafür entschuldigen. Immerhin ist er, wie der deutlich ruhigere Tscheche König, ein exzellenter Radrennfahrer.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Die beiden beweisen das nun auch bei der 101. Tour de France, die sich am Donnerstag auf den beschwerlichen Weg von Pau zur Bergankunft in Hautacam in den Pyrenäen begibt (live in Eurosport). Wie überhaupt die osteuropäische Garde bei dieser Rundfahrt nachhaltig auf sich aufmerksam macht. Der Osten erweist sich - im Schatten des Italieners Vincenzo Nibali - als sehr mobil. Und ist durchaus imstande, am Sonntag in Paris eines der begehrten Jerseys der Tour zu ergattern. Vielleicht sogar mehrere.

          Sagan, von italienischen Teams geprägt, wird ziemlich sicher wie in den beiden vergangenen Jahren das Grüne Trikot gewinnen. Er führt in dieser Wertung deutlich, obwohl er bislang - im Gegensatz zu dem deutschen Sprintstar Marcel Kittel - keinen einzigen Etappensieg errungen hat. Das mag ihn wurmen, doch für Grün reichte seine Leistung allemal; der Slowake sammelte die notwendigen Punkte geduldig bei den Zwischensprints, für die Kittel in der Regel keine Kraft investieren mochte.

          König, der beim deutschen Team NetApp unter Vertrag steht, ist eine Entdeckung dieses Sommers in Frankreich, auch wenn er zuletzt an Zeit einbüßte: Der Tour-Neuling, ein Kletterspezialist ohne Hang zur Selbstüberschätzung, ist Neunter in der Gesamtwertung. Der von dem Raublinger Ralph Denk geführte Rennstall beschäftigt mehrere Profis aus dem Osten Europas, er bietet bei der Tour in Jan Barta einen weiteren Tschechen auf und dazu den Polen Bartosz Huzarski.

          Denk weiß die Bodenständigkeit dieser Männer zu schätzen, ihre Widerstandskraft, ihre solide Ausbildung im osteuropäischen Sportsystem. Und er ist - bislang zumindest - nicht in die Bredouille geraten durch Verdächtigungen gegen einen von ihnen. Rennfahrer solcher Herkunft wie König - er stammt aus der Stadt Moravská Trebová - sind, wie Denk findet, vielleicht „noch mal einen Tick motivierter“ als manche Kollegen aus westlichen Regionen Europas.

          Feste Größe: Der Slowake Peter Sagan gehört im Grünen Trikot neben dem „Gelben“ Vincenzo Nibali zum Top-Personal der Tour
          Feste Größe: Der Slowake Peter Sagan gehört im Grünen Trikot neben dem „Gelben“ Vincenzo Nibali zum Top-Personal der Tour : Bild: dpa

          Schließlich winkt jenseits der heimischen Grenzen gutes Geld. Denk betont, dass König zielstrebig sei und konzentriert, „er lässt sich nicht von irgendwelchen Dingen verrückt machen“. Allerdings wird der Bayer sich strecken müssen, um den flotten Tschechen, der bei der Tour kräftig für sich wirbt, über diese Saison hinaus halten zu können. Denk weiß: „Den wollen viele Mannschaften haben.“ Er wird König zwar eine Gehaltsaufstockung offerieren, er betont aber auch: „Wir werden uns nicht verschulden. Das ist nicht unsere Art.“

          Russland im Loch

          Die Ost-Combo macht gehörig Tempo, nicht allein durch Showman Sagan oder König Leopold. Der Pole Michal Kwiatkowski von der belgischen Equipe Omega Pharma-Quickstep, „Flowerman“ genannt, ist einer der besten Jungprofis bei der Tour de France. Sein Landsmann Rafal Majka vom Team Tinkoff-Saxo trägt das Bergtrikot; er entschied zudem bei dieser Tour am Mittwoch bereits die zweite Etappe für sich. Majka war kurzfristig in das Tour-Aufgebot gerutscht, nachdem sein Team den Tschechen Roman Kreuziger wegen auffälliger Blutwerte suspendiert hatte. Teambesitzer ist der umtriebige russische Unternehmer Oleg Tinkow, der es unter anderem als „Bier-Baron“ zu Wohlstand gebracht hat.

          In Fahrt: Leopold König ist eine der Entdeckungen der Tour
          In Fahrt: Leopold König ist eine der Entdeckungen der Tour : Bild: AP

          Russische Profis machen dem osteuropäischen Radsport momentan jedoch keine Ehre. Der Radsport in Russland stecke in einem Loch, wie der Schwabe Hans-Michael Holczer, Berater des Teams Katjuscha, behauptet. Da helfen derzeit auch enorme Investitionen des Oligarchen Igor Makarow wenig. Stattdessen sorgten die Russen gerade wieder für eine Doping-Affäre: Der frühere Profi Denis Mentschow wurde nachträglich wegen eines Doping-Vergehens gesperrt. Das Team Katjuscha muss dennoch nicht ganz darben bei der Tour 2014: Es holte zwei Etappensiege - durch Alexander Kristoff, einen Norweger. Es dürfte deshalb ein bisschen weniger schmerzlich sein für die Russen, dass das Ost-Hoch im Juli sie nicht direkt erfasst hat.

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