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Die Skisaison beginnt : Eine spezielle Form von Glück

  • -Aktualisiert am

Basisdisziplin Riesenslalom: Viktoria Rebensburg war im vergangenen Winter die Beste der Welt Bild: AFP

Was gibt es Schöneres als einen Tag im Schnee? Für Victoria Rebensburg zählen nicht nur Resultate. Die beste Riesenslalomfahrerin der Vorsaison geht mit Schwung ans Werk. Was noch fehlt, ist der Winter.

          Deutlich erblondet, rank und schlank und guter Dinge: Viktoria Rebensburg hat „einen guten Sommer gehabt“, wie die 29-Jährige strahlend verkündet. Was bei einer alpinen Skifahrerin auch heißt: Sie ist verletzungsfrei geblieben, hat sich keinen Infekt eingefangen, konnte gut trainieren. Wintersportler werden im Sommer gemacht, lautet ein Bonmot in der Szene. Doch das war in diesem Jahr gar nicht so einfach: „Wir haben überall trainiert, wo wir Schnee gefunden haben“, benennt Wolfgang Maier, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, das Grundproblem.

          Die Sonne strahlt in diesem schier endlosen Sommer kraftvoll bis weit in den Oktober hinein. Wo also Ski fahren? Nicht nur Viktoria Rebensburg wünscht sich endlich schlechteres Wetter, Niederschläge, Kälte, „viel Schnee“. Für die alpinen Skirennläufer geht nichts ohne die weiße Pracht – auch wenn sie längst mit Wasser und Kälte produziert und aus Kanonen auf die Pisten geschossen wird. So ein bisschen Naturschnee wäre schon schön.

          Skiläuferin Rebensburg macht sich so ihre Gedanken über die Umwelt, die Klimaerwärmung und das Abflauen des Jetstreams, das dafür sorgt, dass Hochs und Tiefs länger verharren als gewohnt. Da müssten sich die Politiker endlich mal einen Tisch setzen und Entscheidungen treffen, um die Klimaerwärmung aufzuhalten, meint sie. Ob Wintersport in seiner jetzigen Form überhaupt noch lange durchführbar ist? „Im vergangenen Jahr hatten wir einen guten Winter mit viel Schnee.“ In diesem Winter müssen sich die Ausrichter dagegen mit Schneedepots helfen, die sie schon langfristig angelegt haben. „Die Tendenz ist da, dass es erst später im Jahr richtig kalt wird.“ Um die Weihnachtszeit scheint es schon seit Jahren wärmer zu sein als an Ostern.

          Die ewige Suche nach dem perfekten Schwung: Viktoria Rebensburg auf dem Rettenbachferner

          Dennoch gibt es einen Fixpunkt im alpinen Rennkalender, der schon im Frühherbst auf den Winter hinweist. So wie die Nikoläuse in den Supermärkten auf Weihnachten. Sölden heißt das Signal, dass die Saison in den Bergen so langsam beginnt. Sölden ist seit gut zwanzig Jahren der erste Wettbewerb für die Avantgarde des weißen Sports – ausgetragen stets Ende Oktober, hoch oben auf dem Rettenbachferner im Ötztal. Dort trifft sich die Ski schwingende Elite der Männer und Frauen zum frühen Kräftemessen im Riesenslalom, der Basisdisziplin auf den zwei Brettern, die ihnen die Welt bedeuten. Kommenden Samstag ist es wieder so weit.

          „Ein schwerer Hang, ein cooles Rennen“, sagt Rebensburg, die Riesenslalom-Spezialistin. Die 29-Jährige Bayerin ist schon seit einem Jahrzehnt beim allgemeinen Almauftrieb dabei, sie kann die Hektik und die Spannung davor längst genießen. „Jede fragt sich, wo sie steht, wie es laufen wird.“ Alle wollen Resultate, um zu wissen, an welchen Feinheiten sich danach noch justieren müssen, um fit für die Saison zu sein, den Ritt durch die Bergwelten mit 38 Rennen an 20 Skiorten bis weit in den März hinein. Schon bei den Trainingstagen auf dem Mölltaler Gletscher oder in Saas-Fee waren sich die Konkurrentinnen begegnet.

          So viele Möglichkeiten der konzentrierten Vorbereitung gibt es ja nicht. Die Riesenslalom-Kurse stehen bisweilen dicht an dicht auf den Gletscherhängen. Hier trainieren die Österreicher, dort die Deutschen, drüben die Schweizer. „Da machen die Trainer dann immer ganz große Augen“, sagt Rebensburg lachend, „um zu sehen: Wie fährt die Weirather? Was macht die Veith?“ Sie selbst lässt sich von solchen Eindrücken nicht mehr nervös machen. Oder sie lässt es sich zumindest nicht mehr anmerken. „Ich bin schon so lange dabei“, sagt sie und winkt lässig ab, „es ist mein zehnter oder elfter Winter.“

          Sie bleibt zuversichtlich: „Im vergangenen Jahr hatten wir einen guten Winter mit viel Schnee.“

          Abgerechnet wird im Wettkampf, und da kann sie gerade in Sölden auf eine gute Bilanz verweisen. Im Vorjahr war sie hier siegreich. Auch 2010 hatte sie schon den Saisonauftakt gewonnen, damals als aktuelle Olympiasiegerin. Es war ihr erster von bislang 16 Weltcuperfolgen. Olympia-Gold hatte sie zuvor geholt, bei den Spielen von Vancouver, mit gerade mal zwanzig Jahren. Dieser Coup bedeutete die frühe Krönung ihrer Karriere und blieb bislang der absolute Höhepunkt. Wobei sich die Goldgewinnerin selbst gar nicht so sehr auf diese Fokussierung, die übermäßige Konzentration auf die sogenannten Highlights einlassen will. „Ich möchte bei jedem einzelnen Rennen das Maximale erreichen“, sagt sie. Einerseits. Und andererseits zählt für sie das Gesamte viel mehr. Im vergangenen Winter gewann Rebensburg die kleine Kristallkugel als Siegerin im Riesenslalom-Weltcup. Zum dritten Mal nach 2011 und 2012. „Eine schöne kleine Trophäe“, wie sie mit verschmitztem Lächeln sagt. Das Symbol dafür, die Beste ihres Fachs über einen langen Zeitraum gewesen zu sein. Und nicht nur in einem Rennen.

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