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Rückkehr von Saskia Hippe : Vom Strand zur Volleyball-WM

Alte Bekannte: Saskia Hippe ist wieder für die Volleyball-Nationalmannschaft am Ball. Bild: imago/Robert Michael

Nach sieben Jahren kehrt Diagonalangreiferin Saskia Hippe zurück ins Volleyball-Nationalteam. Dafür opfert die abenteuerlustige Sportlerin sogar Sonne und Freizeit.

          3 Min.

          Als die deutschen Volleyball-Frauen zuletzt eine internationale Medaille gewinnen konnten – Silber bei der EM 2013 im eigenen Land und der Schweiz – agierte auf der Diagonalposition neben Starspielerin Margareta Kozuch auch ein kaum zu stoppendes junges Energiebündel. Mit der Nummer 13: Saskia Hippe, damals 22 Jahre alt. Schon zwei Jahre zuvor, bei der EM in Serbien, hatte Hippe zum Team gehört. Auch damals belegten die deutschen Damen am Ende den zweiten Rang – nach einer 2:3-Niederlage im Finale gegen die Gastgebernation.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Als Hippe im Sommer 2022 nun wieder zum Nationalteam stieß, fiel ihr erst mal auf, wie groß der Altersunterschied in der Zwischenzeit geworden ist. „Das war mir nicht bewusst“, sagte die mittlerweile 31-Jährige über das Zusammenspiel mit teilweise knapp zehn Jahre jüngeren Mitspielerinnen. „Einigen musste ich mich erst vorstellen.“ Vom ehemaligen Erfolgsteam ist nur noch eine dabei – Kapitänin Jennifer Janiska – und selbst die ist erst 28.

          Sieben Jahre lang hatte Saskia Hippe nicht mehr für das deutsche Nationalteam gespielt. Ihr letzter Einsatz datiert von den European Games 2015 in Baku, damals endeten die Spiele mit einem 2:3 im Viertelfinale gegen Polen. Die Berlinerin, die in der Bundesliga mit 17 für den Köpenicker SC debütiert hatte und später auch in Dresden, Schwerin und Potsdam aufschlug, begann danach ein neues Leben. Sie wechselte nach Piräus, lebte in „ihrer eigenen Bubble“, wie sie es ausdrückt. Und schien nicht mehr für die deutsche Auswahl interessant. „Ich war am Strand, habe mein Leben genossen“, sagt sie im Rückblick auf unbeschwerte Sonnen- und Sommer-Zeiten in Griechenland: „Es war schön, frei zu haben“.

          Mit der Nummer 13: Saskia Hippe bei der EM 2013
          Mit der Nummer 13: Saskia Hippe bei der EM 2013 : Bild: dpa

          Seit sie 14 war, hatte die begabte Sportlerin zuvor jeden Sommer mit Volleyball verbracht. Wenn die Saison der Vereinsmannschaften endete, begannen die Wettbewerbe der Nationalteams. „Die Spielpläne sind doof getimt. Ich hatte nie frei.“ Und genau das wollte sie ändern. Wobei ihre griechische Phase keine generelle Auszeit vom Volleyball darstellte, im Gegenteil: Mit Olympiakos Piräus gewann die Berlinerin von 2016 an viermal die griechische Meisterschaft, holte dreimal zudem den Landespokal. In beiden Wettbewerben wurde sie zur wertvollsten Spielerin gekürt. Und generell avancierte die 1,86 Meter große Angreiferin mit den langen blonden Haaren und den stechend blauen Augen zum Publikumsliebling in Piräus. „Die Griechen sind sehr sportverrückt“, sagt Saskia Hippe. „Mir wurde viel Wertschätzung, Freundlichkeit und Liebe zuteil“. Und ja, gelegentlich fühlte sie sich „wie ein kleiner Superstar“. Mit Freizeit im Sommer.

          Die Erinnerung an ihre Nationalmannschafts-Karriere verblasste. Ihr ehemalige Schweriner Coach Felix Koslowski setzte als Nationaltrainer auf jüngere Kräfte – und das war für Hippe auch gut so. Im Rückblick hatte sie nichts vermisst.

          Als dann aber Vital Heynen das Amt des Bundestrainers übernahm, überlegte sich Saskia Hippe, doch mal wieder in der Nationalmannschaft spielen zu können – „das wäre was!“ Und prompt meldete sich der belgische Erfolgstrainer bei ihr und fragte, ob sie nicht Lust hätte, wieder mitzuspielen. Gedankenübertragung oder generelle Wertschätzung? Da Louisa Lippmann, die bis dahin beste Deutsche auf der Diagonalposition, ihre Hallenkarriere beendete und zum Beach wechselte, war eine Planstelle vakant. Und Saskia Hippe hatte Lust auf ein Comeback – wieder mit der Nummer 13.

          „Ich soll Lockerheit reinbringen“

          Vom spielerischen Niveau ihrer neuen Mitspielerinnen war sie vom Fleck weg extrem angetan: „Wir haben 14 gleichwertige Spielerinnen, die sich super ergänzen. Das Team muss man erst mal sehen, das uns schlagen soll!“ Nach den in Arnheim erfolgreich absolvierten WM-Auftaktspielen gegen Bulgarien (3:1) und Kasachstan (3:0) treffen die deutschen Frauen nun im zweiten Teil der WM-Vorrunde in Lodz an diesem Donnerstag (16 Uhr) auf Weltmeister Serbien, dem sich am Freitag (19 Uhr) das Duell mit Olympiasieger USA anschließt. Danach dürfte klarer sein, wie stark das Team tatsächlich einzuschätzen ist.

          „Es ist eine WM“, sagt Saskia Hippe über die kommenden Gegner, „aber es ist immer noch nur Volleyball“. Die 31-Jährige sieht ihre Rolle im Team pragmatisch: „Ich soll Lockerheit reinbringen“. Dass sie zunächst nicht allzu viel Zeit auf dem Feld verbringen wird, nimmt sie sportlich: „Ich freue mich über jeden Einsatz, den ich kriegen kann.“ Als Nummer eins auf der Position der Diagonalangreiferin gilt die 25-Jährige Kimberly Drewniok, die zudem den Vorteil genießt, als Linkshänderin schwerer auszurechnen zu sein. Gegen Bulgarien ließ Heynen allerdings Lena Stigrot spielen, als dritte Außenangreiferin, um sein Team taktisch variabler aufzustellen.

          Doch die WM ist lang, nach fünf Vorrundenspielen folgen vier Partien in der Zwischenrunde – und wenn es gut läuft noch weitere in der Finalrunde. Saskia Hippe will versuchen, mit ihrer speziellen Mischung aus Erfahrung und Lässigkeit ihren Mitspielerinnen den Genuss an dem Event zu vermitteln. „Sie sollen weniger nachdenken, freier aufspielen“, dann könnten sie ihr Potential noch besser nutzen.

          Ihren eigenen nächsten Karriereschritt hat Saskia Hippe schon geplant. Es zieht sie nach Bukarest. „Man muss definitiv abenteuerlustig sein“, sagt sie, um einen solchen Wechsel anzugehen. Aber „ich hatte ein gutes Angebot“. Sie reize es, „neue Sprachen und andere Menschen“ kennenzulernen. Und bis ans Schwarze Meer sind es auch nur gut zwei Stunden.

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